Die Innere Führung – das Wertegerüst der Bundeswehr

Die Innere Führung ist die „Unternehmensphilosophie“ der Bundeswehr. Der Begriff Innere Führung ist zugleich sehr facettenreich.

Soldat zieht Grundgesetzbuch aus der linken Brusttasche seiner Uniform.
Bundeswehr / Torsten Kraatz

Was bedeutet Innere Führung

Die Grundsätze der Inneren Führung bilden die Basis für den militärischen Dienst in der Bundeswehr. Die Innere Führung gibt den Soldatinnen und Soldaten den moralischen Halt, um den besonderen Anforderungen, die ihr Beruf an sie stellt, gerecht zu werden. Sie ist das Wertegerüst der Bundeswehr.

Die Innere Führung verortet die Soldatinnen und Soldaten in der Mitte unserer Gesellschaft. Auch für sie gelten die im Grundgesetz verbürgten Rechte. Doch als Staatsbürger in Uniform sind sie den Werten und Normen des Grundgesetzes besonders verpflichtet.

Soldaten in Marschordnung, dahinter das Reichstagsgebäude

Primat der Politik: Der Bundestag entscheidet über Einsätze der Bundeswehr.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Blinder Gehorsam widerspricht der Inneren Führung

Gemäß den Grundsätzen der Inneren Führung sind die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gefordert, selbst zu denken und nicht blind zu gehorchen. Die Ausführung verbrecherischer Befehle müssen Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr verweigern. Umgekehrt sind Vorgesetzte verpflichtet, nur rechtmäßige Befehle zu erteilen.

Unveränderbar und dynamisch zugleich

Der Kern der Inneren Führung mit ihrem Leitbild des mündigen Staatsbürgers in Uniform  ist unveränderbar. Sie wird aber angesichts einer sich rasant verändernden Welt stets weiterentwickelt. So etwa mit dem aktuellen Traditionserlass „Die Tradition der Bundeswehr. Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege“ aus dem Jahre 2018.

Schild weist auf Workshop hin, im Hintergrund unscharf ein Tagungsraum.

Was ist traditionswürdig? In Workshops wurde darüber diskutiert.

Bundeswehr/Oliver Lang

Das Parlament kontrolliert die Streitkräfte

In der Bundeswehr gilt gemäß der Inneren Führung das sogenannte „Primat der Politik“. Die Bundeswehr ist fest in unserer Demokratie verankert. Und sie ist eine Parlamentsarmee: Der Deutsche Bundestag übt eine wichtige Kontrollfunktion über unsere Streitkräfte aus. So werden beispielsweise bewaffnete Einsätze im Deutschen Bundestag beschlossen und von ihm mandatiert.

Der Wehrbeauftragte hat eine wichtige Funktion

Im Kontext der Inneren Führung ist das Amt des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages besonders hervorzuheben. Er hat eine bedeutende Funktion bei der Wahrung der Prinzipien der Inneren Führung in der Bundeswehr. Jede und jeder in der Truppe kann sich direkt mit Eingaben an den Wehrbeauftragten wenden. Er wacht darüber, dass im Truppenalltag, aber auch im Einsatz, die Menschenwürde und die Grundrechte der Soldatinnen und Soldaten geachtet werden.

Ein Beirat berät die Ministerin

Weiter ist der Beirat für Fragen der Inneren Führung ein wichtiges Element im Kontext der Inneren Führung. Der Beirat ist ein unabhängiges, persönliches Beratungsorgan, das die Verteidigungsministerin in Fragen der Inneren Führung berät. Das geschieht durch gutachterliche Stellungnahmen und Empfehlungen.

Büste des Widerstandskämpfers Stauffenberg in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Anspruch und Verpflichtung: Die Bundeswehr steht in der Tradition des militärischen Widerstandes um Oberst Stauffenberg.

Bundeswehr/Carsten Vennemann

Die Wehrmacht bildet keine Tradition

Die Grundidee der Inneren Führung ist nur zu verstehen, wenn ihre Entstehungsgeschichte reflektiert wird. Nur zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet, musste die Bundeswehr eine ganz andere Armee sein als alle ihre Vorläufer. Die Reichswehr der Weimarer Republik beispielsweise postulierte das Ideal des unpolitischen Soldaten. Und die  Wehrmacht war im Zweiten Weltkrieg in die Verbrechen des NSNationalsozialismus-Regimes verstrickt. Sie kann daher keine Tradition für die Bundeswehr begründen. Traditionsstiftend ist dagegen der deutsche Widerstand gegen die NSNationalsozialismus-Herrschaft – dem sich auch Soldaten der Wehrmacht wie Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg anschlossen.

Gebäude des Zentrums für Innere Führung in Koblenz

Zentrum Innere Führung

Das Zentrum Innere Führung wurde 1956 als Schule Innere Führung aufgestellt und ist seit 1957 in Koblenz beheimatet. 1981 erfolgte die Umbenennung in Zentrum Innere Führung. Seit 1994 ist ein Teil in Strausberg stationiert.

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