Sie sind hier: Startseite > Streitkräfte > Truppe > Frauen in der Bundeswehr > Kontext 

Kontext: Soldatinnen geschichtlich und weltweit

Berlin, 27.03.2014.
Folgt man der Mythologie, dann gibt es mindestens seit den griechischen Amazonen Frauen im Militär. Dennoch scheinen Krieg und Gewalt nicht wirklich zum traditionellen Bild der schutzbedürftigen, friedfertigen Frau zu passen – ein geschichtlicher und internationaler Streifzug.

Zeichnung von griechischen Amazonen

Ein kriegerisches Frauenvolk sollen die Amazonen gewesen sein (Quelle: Library of Congress)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Geschichte und Geschichten

In den antiken Schriften des griechischen Dichters Homer wird das kriegerische Frauenvolk der Amazonen erstmals erwähnt und in Zusammenhang mit dem Trojanischen Krieg gebracht. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass ein Amazonenvolk vom 8. bis zum 5. Jahrhundert vor Christi im Bereich der heutigen Ukraine, Anatoliens und Libyens beheimatet war – und von dort aus seine Feldzüge antrat. Obwohl die Existenz der antiken Frauenarmee wissenschaftlich umstritten ist, finden sich Hinweise auf die legendären Amazonen nicht nur in der griechischen Mythologie, sondern auch in der Literatur und in der zeitgenössischen Kunst.

Das westafrikanische Königreich Dahomey verfügte vom 17. bis zum 19. Jahrhundert über eine Frauenarmee. Gefürchtet vor allem wegen ihrer außerordentlichen Grausamkeit, bildeten die bis zu 5.000 Frauen, die auch „Amazonen von Dahomey“ genannt wurden, eine Eliteeinheit zur Jagd auf Sklaven und zum Schutz des Königs Gezo. Ausdauertraining, eine Keuschheitsgelübde und körperlicher Drill waren fester Bestandteil der Ausbildung. Neben Kurzschwert und Muskete setzten die Kriegerinnen im Nachkampf auch ihre spitz gefeilten Fingernägel und Zähne als Waffen ein. 1892 besiegten französische Truppen dennoch die Frauenarmee und besetzten Dahomey.

Eine 30 bis 40 Frauen starke Leibgarde des ehemaligen libyschen Machthaber Muammar Al-Gaddafi existierte von 1980 bis zu Gaddafis Flucht aus Tripolis 2011. Die angeblich jungfräulichen und speziell in Waffenhandhabung und Kampfkunst ausgebildeten Frauen wurden für ihre Aufgaben sehr speziell ausgewählt: Groß, schön und langhaarig mussten sie sein. Sie begleiteten Gaddafi auch zu offiziellen Staatsterminen. Dabei trugen sie neben einer Kampfuniform nach westlichem Vorbild auch stets auffälliges Make-up und lackierte Fingernägel. Nach dem Sturz des Despoten erhob dessen „Amazonen-Garde“ schwere Vorwürfe wegen Vergewaltigung, Misshandlung und Nötigung.

Sanitätssoldatin mit ihrem Kameraden

Seit 1975 hat auch die Bundeswehr Soldatinnen. Doch für viele Aufgaben waren sie nicht zugelassen. (Quelle: Bundeswehr/Imo)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Im internationalen Vergleich

Interessant ist nicht ein nur ein Blick in die Geschichte sondern auch ein internationaler Vergleich der Regelungen für Frauen in den Streitkräften.

In Bolivien, Burma, China, der Elfenbeinküste, Eritrea, Israel, Kuwait, Libyen, Malaysia, Nordkorea, Sudan, Taiwan und dem Tschad besteht eine Wehrpflicht auch für Frauen. Seit 2015 sind auch die Norwegerinnen zu einem 12-monatigen Wehrdienst verpflichtet. Norwegen ist damit das einzige europäische Land, in dem eine Wehrpflicht für Frauen besteht.

In allen europäischen und vielen internationalen Streitkräften können Frauen freiwillig eine Karriere beim Militär einschlagen. Doch nur in wenigen Armeen sind Frauen uneingeschränkt in allen Funktionen zugelassen. Viele Streitkräfte schließen für Soldatinnen Positionen in der kämpfenden Truppe aus. Häufig ist auch der Dienst auf U-Booten ausgeschlossen. Lediglich in Neuseeland, Kanada, Dänemark, Finnland, Italien, Norwegen, Serbien, Israel, der Schweiz, Taiwan, denUSA und – seit 2001 – auch Deutschland sind Frauen in allen Teilen der Truppe erwünscht.

Die USA schickten nicht nur mehr als 200.000 Soldatinnen nach Afghanistan und in den Irak. Es sind auch mehr als 15 Prozent der US-amerikanischen Soldaten Frauen, darunter auch zwei 4-Sterne-Generäle.

Neun Prozent der britischen Soldaten sind Frauen. Ähnlich wie die Kameradinnen aus Frankreich sind sie von den direkten Kampftruppen jedoch ausgeschlossen. Mit mehr als elf Prozent liegt der Anteil an weiblichen Offizieren in der britischen Armee jedoch über dem allgemeinen Frauenanteil.

Bei den dänischen Nachbarn sind Frauen seit 1978 in allen Teilen des Militärs willkommen. Mit einem Anteil von 5,7 Prozent stehen aber vergleichsweise wenige Soldatinnen im Dienst der dänischen Krone.

Die meisten niederländischen Soldatinnen sind im Sanitätsdienst und in der Logistik tätig. Insgesamt machen sie circa neun Prozent der Truppen aus. Ähnlich wie in Deutschland, besteht in den Niederlanden weder für Männer noch für Frauen eine Wehrpflicht. Durch spezielle Personalwerbung und auf Frauen zugeschnittene Attraktivitätsprogramme versuchen die Streitkräfte des Königreichs, gezielt junge Frauen zu werben und langfristig an die Truppe zu binden.

In Frankreich sind Frauen nicht in den Kampftruppen und an Bord von U-Booten erlaubt. Dennoch machen Soldatinnen in Frankreich 15 Prozent der Armee aus. Das ist europaweit der höchste Frauenanteil in den Streitkräften.

In China können Frauen ab dem 19. Lebensjahr eingezogen werden. Das bevölkerungsreiche Land unterhält eine Armee mit circa 2,5 Millionen Soldatinnen und Soldaten. Von mehr als 21 Millionen Chinesen, die jedes Jahr volljährig werden, wird aber nur ein kleiner Bruchteil eingezogen. Die chinesische Armee kann sich hauptsächlich aus Freiwilligen bedienen.

In Malaysia wird per Los entschieden, wer zum dreimonatigen Wehrdienst eingezogen wird. Jeder fünfte 18-jährige Staatsbürger wird zum Dienst an der Waffe gerufen – egal ob Mann oder Frau. Das gleichberechtigte Verfahren soll die Jugend des ethnisch vielfältigen Landes wieder näher zusammenbringen.

24 bis 36 Monate Wehrdienst leisten die israelischen Frauen. Davon befreit werden lediglich schwangere und bereits verheiratete Frauen. Ein Drittel der Armee besteht aus Soldatinnen. Unter großer medialer Aufmerksamkeit wurde zudem im August 2013 die erste Transfrau in die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) aufgenommen.

Angetretene Marinesoldatinnen

2011 ging es dann richtig los: Die Bundeswehr öffnete sich komplett für Frauen (Quelle: Bundeswehr/Wilke)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Frauen in der Bundeswehr

Mit Gründung der Bundesrepublik 1955 galt laut Grundgesetz: „Sie (Frauen) dürfen auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten“. Durch die gesetzliche Trennung von Streitkräften und Wehrverwaltung arbeitet seit Bestehen der Bundeswehr aber eine Vielzahl an Frauen in zivilen Funktionen. Das gilt auch für zahlreiche ehemalige Soldatinnen der Nationalen Volksarmee (NVA), die nach der Widervereinigung zivil weiterbeschäftigt wurden. 1975 wurden erstmals approbierte Apothekerinnen, (Zahn-)Ärztinnen und Tiermedizinerinnen als Soldatinnen eingestellt. In den späten 80er und 90er Jahren wurden ausgewählte soldatische Dienstposten im Sanitätsdienst und im Militärmusikkorps der Bundeswehr mit Frauen besetzt.

Mit der Öffnung der Bundeswehr für Frauen in allen Laufbahnen im Jahr 2001 stieg die Zahl der Soldatinnen noch im selben Jahr auf über 6.700. Mit rund 19.000 Soldatinnen liegt der Frauenanteil in der Bundeswehr heute knapp über 10 Prozent. Mehr als ein Drittel von ihnen ist im Sanitätsdienst tätig. Hier soll langfristig ein Frauenanteil von 50 Prozent erreicht werden. Für den restlichen Teil der Truppe strebt die Bundeswehr einen Anteil von 15 Prozent Soldatinnen an.

Die Hälfte der Soldatinnen befindet sich in den Dienstgradgruppen der Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Verhältnismäßig gering ist mit knapp über 3 Prozent jedoch der Frauenanteil bei den Berufssoldaten. Dennoch, auch in der Generalität sind Frauen in der Bundeswehr mittlerweile vertreten. Einzig die Kommandotrupps der spezialisierten und Spezialkräfte haben bisher keine Frau in ihren Reihen.

2013 nahm Ursula von der Leyen als erste Frau ihre Geschäfte als Verteidigungsministerin der Bundesrepublik und damit als höchste Vorgesetzte der Soldatinnen und Soldaten auf. Sie ist im Friedensfall die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt (IBuK).

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 06.09.16 | Autor: Ulrike Jenssen


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.streitkraefte.truppe.frauen.kontext