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Ukraine-Unterstützung

Kampfpanzer-Ausbildung: „Der Leopard hilft uns, den Krieg zu gewinnen“

Die Ukraine widersteht schon seit mehr als vier Jahren der russischen Vollinvasion – nicht zuletzt auch wegen der Unterstützung mit Waffen und Ausbildung aus Europa. In kompaktem Training werden ukrainische Soldaten auf Waffensystemen wie dem Kampfpanzer Leopard 1 A5 geschult, um sich an der Front zu behaupten und besetztes Gebiet zurückzuerobern.

Ein Panzer schießt im Gelände. Aus dem Rohr kommt weißer Rauch.

Zielsicher ins Gefecht: Feuerkraft, Präzision, Schnelligkeit – der Kampfpanzer Leopard 1 A5 besitzt genau die Fähigkeiten, die die ukrainische Armee jetzt an der Front braucht. Die Bundeswehr trainiert die ukrainischen Kameraden im scharfen Schuss.

Bundeswehr/Tom Twardy

Stockfinster ist es auf der Schießbahn eines Truppenübungsplatzes in Sachsen-Anhalt. Nur das Grummeln der Motoren verrät, dass vier Kampfpanzer Leopard 1 A5 im Schutz der Dunkelheit ihre Feuerstellungen bezogen haben. Dann lässt der erste Panzer die Waffen sprechen: Erst jagt er mit dem Maschinengewehr eine Salve Leuchtspurgeschosse in die Nacht, dann ertönt ein trockener, harter Knall – die Bordkanone ist ebenfalls in Aktion getreten.    

Hauptmann Joris Ritt* von den niederländischen Streitkräften verfolgt das Geschehen auf einem Monitor, der mit der Wärmebildkamera auf dem Dach des Schießbahnturms gekoppelt ist. Der Offizier der Panzertruppe leitet das Schießen. Von seinem Gefechtsstand im Turm der Schießbahn sieht er genau das, was auch die vier Männer im Inneren des Panzers über ihre Optiken sehen: die helle, weil Wärme ausstrahlende quadratische Zielscheibe inmitten der Landschaft. Der Niederländer berät sich mit seinem Ausbilder, Hauptfeldwebel Tobias Rot, Rufname Charlie, von der Bundeswehr. Dann lässt er von dem neben ihm sitzenden Funker einige Anweisungen an die Besatzung übermitteln, auf Ukrainisch versteht sich. Nur Sekunden später kracht ein Schuss über den Truppenübungsplatz. Das anderthalb Kilometer entfernte Ziel klappt sofort um, eine Erdfontäne spritzt in die Höhe. Volltreffer.

Ausbildung kompakt

Der scharfe Schuss bei Nacht ist das große Finale einer Kompaktausbildung auf dem Kampfpanzer Leopard 1 A5. Mehrere ukrainische Panzersoldaten haben in den vergangenen Wochen alles gelernt, was es für den Einsatz des Panzers im Gefecht braucht. Nun müssen die Soldaten ihren Ausbildern beweisen, dass sie ihre Ziele im scharfen Schuss treffen können. „Die ukrainischen Soldaten schießen sowohl mit dem Maschinengewehr als auch mit der Bordkanone, sowohl im Stand als auch aus der Bewegung, und das sowohl auf stehende als auch auf bewegliche Ziele“, sagt Hauptfeldwebel Charlie, der seit 19 Jahren bei der Panzertruppe der Bundeswehr ist.

Eine eingespielte Leopard-Besatzung brauche wenige Sekunden, um ein potenzielles Ziel aufzuklären und dann mit einem oder zwei Schüssen aus der Bordkanone auszuschalten, so der Hauptfeldwebel. An der Front, zum Beispiel im Donbas, kann jede Verzögerung den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Auch deshalb feuern die Ukrainer auf der Schießbahn in Sachsen-Anhalt aus buchstäblich allen Rohren: vom frühen Morgen bis zum späten Abend.

Europa unterstützt den Freiheitskampf der Ukraine mit Material, Waffen und Ausbildung. So schulen Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland und den Niederlanden ukrainische Panzerbesatzungen für den Kampf mit dem Leopard 1 A5 – bei Tag und bei Nacht.

Die Kampfpanzer wurden von Dänemark zur Verfügung gestellt, die Munition kommt von den spanischen Streitkräften. Das Training selbst wird wiederum von der Bundeswehr mit Unterstützung der niederländischen Streitkräfte organisiert und durchgeführt. „Genau die Tatsache, dass sich so viele Nationen für die Ausbildung auf dem Leopard 1 A5 zusammengetan haben und sich gegenseitig ergänzen, macht sie so super effizient“, erklärt Hauptfeldwebel Charlie.

Leopard 1 A5: kein altes Eisen

Unterbrochen wird das Schießtraining nur, um die Kampfpanzer mit neuer Munition zu beladen. „Wir konzentrieren uns bei der Ausbildung auf das absolut Wesentliche“, sagt Hauptmann Ritt in einer dieser Pausen. Also auf das Fahren, das Funken und das Schießen. „Im Krieg ist keine Zeit für irrelevante Sachen“, sagt er. Auch wenn der flächendeckende Einsatz von Drohnen auf dem Gefechtsfeld dafür sorge, dass der Gegenseite kaum eine Bewegung verborgen bleibe: Entschieden werde ein Krieg nach wie vor von den „boots on the ground“, also von Bodentruppen, Panzerverbänden und Artillerie. „Der Kampf der verbundenen Waffen ist nach wie vor das Maß aller Dinge“, sagt der niederländische Panzeroffizier – und dabei könnten auch ältere Panzermodelle wie der Leopard 1 A5 immer noch eine wichtige Rolle spielen. „Der 1 A5 gehört noch lange nicht zum alten Eisen“, sagt Ritt ohne eine Spur von Ironie in der Stimme.  

In puncto Beweglichkeit, Präzision und Feuerkraft sei der Leopard 1 A5 den russischen Panzern deutlich überlegen, ergänzt Hauptfeldwebel Charlie. „Er trifft sicher, sowohl aus der Fahrt als auch aus dem Stand, und das bei Tag und Nacht.“ Zudem sei er im Vergleich zu moderneren Kampfpanzern nicht nur leicht zu bedienen, sondern auch weniger fehleranfällig. „Vielleicht kann man ihn ein bisschen mit einem Golf aus den 1980er-Jahren vergleichen“, sagt Charlie. „Er ist robust, er ist verlässlich und er lässt sich im Notfall auch komplett manuell bedienen.“ 

Gut vorbereitet für den Kampf

Einer der ukrainischen Soldaten, die künftig mit einem Leopard 1 A5 ins Gefecht ziehen werden, ist Andriy P. Der gelernte Buchhalter hat sich vor rund einem Jahr entschlossen, für sein Land zu kämpfen. „Ich will helfen, dass meine Leute wieder in Frieden leben können“, sagt er. Nun ist Andriy P. als Richtschütze dafür verantwortlich, das Gefechtsfeld mittels seiner Optiken aufzuklären und Ziele mit den Bordwaffen zu bekämpfen.

„Die Leopard-Waffen haben eine gute Reichweite, mit ihnen können wir den Gegner aus sicherer Entfernung bekämpfen“, sagt der ukrainische Soldat. Er sei den Ausbildern aufrichtig dankbar, dass sie seine Kameraden und ihn mit Geduld und Sachverstand ausgebildet hätten. In kürzester Zeit sei ihm eine Menge Wissen vermittelt worden, das ihm nach der Rückkehr in die Ukraine zum Vorteil gereichen werde. „Ich bin mir sicher: Wir werden mit dem Panzer an der Front sehr gut zurechtkommen“, sagt Andriy P. „Der Leopard 1 A5 hilft uns, den Krieg zu gewinnen.“

* Alle Namen und Rufnamen wurden zum Schutz der Soldaten geändert. Zudem wurden die Personen auch optisch vollständig anonymisiert, um eine Identifikation, beispielsweise mittels Bildanalyseprogrammen, zu erschweren.

von Kristina Stache

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