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Deutsch-britische Marinekooperation

Ein Schiff der Marine fährt auf hoher See.

Bundeswehr/Lea Bacherle

Gemeinsam unter NATO-Flagge

Royal-Navy-Offizier auf Fregatte „Baden-Württemberg“ – Stärke durch Austausch

Deutsche und britische Marine bauen ihre gemeinsame Seeraumüberwachung aus. Welche Rolle spielt der Navigationsoffizier Lieutenant Jack E.?

Es ist drei Uhr nachts. Konzentriert beobachtet Lieutenant Jack E. von der Brücke der deutschen Fregatte „Baden-Württemberg“ die dunklen Wellen des Nordatlantiks. Neben dem britischen Navigationsoffizier stehen mehrere Kameradinnen und Kameraden in Bundeswehruniformen – sie werden von ihm in den Wachdienst auf der Brücke des Kriegsschiffs eingeführt. „Siehst du die beiden Positionslichter?“, fragt der Brite seinen deutschen Wachoffizierschüler.  „Das ist ein Containerschiff, etwa 300 Meter lang und fast fünfzig Meter breit.“

Das Kriegsschiff und der Frachter dürfen sich auf keinen Fall zu nahekommen, Jack E. wendet sich an den Rudergänger. „Backbord 10°“, befiehlt er. Der Rudergänger bringt die Fregatte auf ihren neuen Kurs, während der Navigationsoffizier konzentriert die Kursänderung beobachtet. Der erfahrene britische Offizier nippt kurz an seinem Tee. Wieder eine Herausforderung erfolgreich umschifft.

Lieutenant Jack E. ist seit Mai 2024 Besatzungsmitglied auf der deutschen Fregatte „Baden-Württemberg“. Aufgewachsen in einem Dorf bei Leicester – „eigentlich richtig weit weg vom Wasser“, wie er sagt – war er schon immer von der Marine fasziniert. 2019 ging er zur Royal Navy und fuhr später mit dem Flugzeugträger „Prince of Wales“ zur See. Doch Jack E. wollte mehr, bewarb sich für das deutsch-britische Marineaustauschprogramm – und wurde genommen. Nun bereitet der Lieutenant auf der Brücke der „Baden-Württemberg“ junge Offiziere auf ihre Aufgaben vor und arbeitet mit anderen Wachoffizieren, wie Oberleutnant zur See Malte T., zusammen.

Wenn die Brücke das Auge der Fregatte ist, dann ist die Operationszentrale ihr Gehirn und der Leitstand ihr Herz. Nur wenn alle Teile perfekt zusammenarbeiten, kann das Kriegsschiff seine volle Schlagkraft entfalten. Und die kann sich sehen lassen. Schließlich ist die „Baden-Württemberg“ eines der größten Kriegsschiffe der Deutschen Marine. Mit einer Länge von rund 150 Metern und einer Reichweite von 4.000 nautischen Meilen – das entspricht mehr als 7.400 Kilometern – kann sie rund um den Globus operieren. 150 Soldatinnen und Soldaten werden gebraucht, um die Fregatte zu bedienen.

Von der Piraten- zur U-Boot-Jagd

Nach dem Ende des Kalten Krieges in den 1990er-Jahren war die Fregatte der Klasse F-125 für die Bekämpfung asymmetrischer Bedrohungen konzipiert worden – wie zum Beispiel Piraten oder Schmugglern. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 steht jedoch die Landes- und Bündnisverteidigung wieder im Fokus. Damit hat auch die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Großbritannien an Bedeutung gewonnen. „Die Anzahl der gemeinsamen Übungen von deutscher und britischer Marine hat in letzter Zeit deutlich zugenommen“, sagt Fregattenkapitän Christoph S., der Erste Offizier der „Baden-Württemberg“.

Die Deutsche Marine und die Royal Navy arbeiten ebenfalls bei der Einsatzvorbereitung zusammen. So trainieren Fregatten der Deutschen Marine im Rahmen des German Operational Sea Training (GOST) vor der Küste Südenglands, um einsatzrelevante Ausbildungsinhalte und Fähigkeiten einzuüben. Hierbei werden mit der Royal Navy abgestimmte Ausbildungsverfahren genutzt. „Wir sind aufgrund dieser gemeinsamen und einheitlichen Ausbildung jederzeit in der Lage auch ad hoc im Verband zu operieren“, erläutert Christoph S. Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit sei beispielsweise der Schutz des Nordatlantiks, insbesondere vor U-Booten der russischen Seestreitkräfte sowie der russischen Schattenflotte.

Wissen, wie der Partner tickt

Austauschoffizieren wie Lieutenant Jack E. kommt dabei eine wichtige Rolle zu: Sie wissen aus eigener Anschauung, wie der Verbündete arbeitet. „Wenn Jack nach zwei Jahren zur Royal Navy zurückkehrt, weiß er bei einem gemeinsamen Einsatz sofort, was wir an Bord einer deutschen Fregatte machen – und kann mit diesem Wissen seine eigenen Seeleute einweisen“, sagt Fregattenkapitän Christoph S. Der britische Navigationsoffizier übernehme eine wichtige Rolle als Multiplikator, so sein deutscher Vorgesetzter. „Und unsere eigenen Soldatinnen und Soldaten lernen gleichzeitig auch die Perspektive der britischen Seeoffiziere kennen.“

Man kennt sich, und man schätzt sich

Während seiner Verwendung auf der „Baden-Württemberg“, musste Jack E. ebenso wie seine deutschen Kameradinnen und Kameraden zunächst einen spezifischen Leistungsnachweis absolvieren, eine Art Fregatten-Führerschein für den Brückenwachoffizier auf einer Fregatte der Klasse F125. „Damit kann ich nun sowohl deutsche als auch britische Kriegsschiffe fahren“, erläutert der britische Offizier.

„Seine ruhige Art bewährt sich besonders in stürmischen Situationen“, sagt Oberleutnant zur See Malte T. über seinen britischen Kameraden. Der Lieutenant genieße nicht nur das Vertrauen des Kommandanten, sondern der gesamten Besatzung. „Er ist einer von uns“, sagt Malte T. Für ihn sei er als Seefahrer und Kamerad ein Vorbild, von dem er viel gelernt habe. Auch Malte T. hat großes Interesse an einem Austauschprogramm mit einem NATO-Partner und kann sich sehr gut vorstellen, eine Zeit lang unter britischer Flagge zur See fahren. „Nur durch Vertiefung unserer internationalen Beziehungen können wir unsere Stärken bündeln“, sagt er über die deutsch-britische Zusammenarbeit. „Wir kennen einander, und wir vertrauen einander. Und das ist die Voraussetzung, um unseren Auftrag im Rahmen der NATO zu erfüllen.“ 

*Alle Namen zum Schutz der Personen abgekürzt.

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