20-jährige Designierung des WIS-Labores durch die OVCW
- Datum:
- Ort:
- Munster
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Das Wehrwissenschaftliche Institut für Schutztechnologien – ABC-Schutz (WIS) ist das größte deutsche Institut mit dem Auftrag, Bundeswehrangehörige vor der Wirkung von biologischen, chemischen und nuklearen Massenvernichtungswaffen zu schützen. Zu den Aufgaben des WIS gehört unter anderem der Betrieb eines Referenzlabores für das weltweite Chemiewaffenübereinkommen.
193 Vertragsstaaten, darunter alle europäischen und NATO-Mitgliedstaaten, unterschrieben 1997 das „Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und über die Vernichtung solcher Waffen“ (CWÜ). Die Durchsetzung, Überwachung und Weiterentwicklung des CWÜ wird durch die „Organisation für das Verbot chemischer Waffen“ (OVCW) mit Sitz in Den Haag überwacht. Um ihren Aufgaben im Rahmen von Verdachtsinspektionen nachzukommen, ist die OVCW auf die Unterstützung von analytischen Laboren angewiesen. Hierzu gehört seit 20 Jahren das Referenzlabor des WIS.
Mit Verleihung der Designierungsurkunden blickt das Referenzlabor des WIS auf 20 Jahre Designierung durch die OVCW als Nachweis analytischer Arbeit auf dem höchsten internationalen Niveau zurück.
Bundewehr/WISDas WIS verfügt über ein eigens für analytische Labore entwickeltes Zertifizierungsverfahren. Es sichert die hohe Qualität und Aussagekraft der Analyseergebnisse. Außerdem wird eine nationale Akkreditierung der zur Anwendung benötigten analytischen Verfahren für die Untersuchung von diversen Proben auf chemische Kampfstoffe und deren Abbauprodukte benötigt. Zusätzlich müssen die Labore erfolgreich an drei aufeinander folgenden Leistungstests teilnehmen. Bei erfolgreicher Zertifizierung werden die Labore designiert. Dies wird mit einer Urkunde bescheinigt.
Erstmals wurde die Designierungsurkunde der OVCW dem WIS im Jahr 1999 ausgehändigt. Vorausgegangen war die erfolgreiche Akkreditierung im Jahr 1998 und jeweils die Bestnote im dritten, vierten und fünften Leistungstest für Umweltproben.
Mit der aktuellen Verleihung der Urkunde für die Jahre 2019 und 2020 blickt das Referenzlabor des WIS nunmehr auf 20 Jahre Designierung durch die OVCW und damit auf den Nachweis analytischer Arbeit auf dem höchsten internationalen Niveau zurück.
Das Referenzlabor des WIS analysiert auf dem Truppenübungsplatz Munster gefundene Gegenstände. Es unterstützt im Speziellen die Gruppe der Kampfstoffbeseitigung bei der Sanierung der kontaminierten Flächen auf den Truppenübungsplätzen.
Bundeswehr/WISAls einziges OVCW-designiertes Referenzlabor für Umweltproben in Deutschland haben die Anfragen zum Nachweis von chemischen Kampfstoffen stark zugenommen. Für die Bundeswehr unterstützt die Einrichtung beispielsweise bei der Sanierung kontaminierter Flächen auf Truppenübungsplätzen und in der Ausbildung der Feuerwerker.
Außerhalb der Bundeswehr unterstützt das Labor bei Sonderuntersuchungen im Bereich von Rüstungsaltlasten oder im Rahmen der Amtshilfe, so geschehen bei der Analytik von arsenhaltigen Grundwasserproben in Niedersachsen.
Das WIS war und ist immer wieder Anlaufstelle für Feuerwehr und Polizei. Das Laborpersonal wird häufig um Unterstützung gebeten, wenn Gegenstände wie Glasampullen und Behälter unbekannten Inhalts gefunden werden, zum Beispiel bei Dachboden- oder Kellerfunden nach Wohnungsauflösungen. Zuletzt war das Referenzlabor des WIS auch bei der Aufklärung von Fundgegenständen beteiligt, die bei einer Wohnungsräumung in Dortmund im September 2020 vom Landeskriminalamt NRW beschlagnahmt wurden.
Voruntersuchung von mit Sarin hochkontaminierten UN-Proben aus einem Giftgasangriff in Syrien
Bundeswehr/WIS2013 wurde ein Untersuchungsteam der OVCW im Auftrag der Vereinten Nationen im Rahmen einer „Fact Finding Mission“ nach Syrien entsendet. Nach einem Giftgasangriff in Ghuta wurden dort umwelt- und biomedizinische Proben gesammelt.
In dem ersten realen Untersuchungsauftrag in der Geschichte der OVCW waren neben dem Labor des WIS drei weitere der derzeit 17 designierten Labore weltweit beauftragt. In Munster wurden die erhaltenen Proben unter anderem auf ihren Kampfstoffgehalt untersucht. In den 49 Umweltproben, darunter Böden, Textilien, Haare und Gummistücke, konnte zweifelsfrei der chemische Kampfstoff Sarin nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse des WIS zu den Untersuchungen fanden sich im Abschlussbericht der UN-Mission wieder. In der Folge wurde die OVCW für ihren Beitrag an der Mission mit dem Friedensnobelpreis 2013 ausgezeichnet. Der damalige Generaldirektor der OVCW, Ahmed Üzümcü, sprach seinen ausdrücklichen Dank an die designierten Labore aus. Gemeinsam mit den anderen Laboren hatte das WIS einen entscheidenden Anteil an den Anstrengungen unternommen, die das Nobelkomitee für die Auszeichnung als würdig erachtet haben.
Die Zusammenarbeit mit der OVCW verstärkte sich zunehmend, da zahlreiche neue Missionen immer häufiger auf die Analysen von Realproben angewiesen waren. Das WIS wurde und wird regelmäßig um analytische Unterstützung gebeten.
Sichtung und Diskussion der ersten Messergebnisse im Labor des Wehrwissenschaftlichen Institutes für Schutztechnologien – ABC-Schutz in Munster
Bundeswehr/WIS
Das wissenschaftliche Personal am WIS bei der täglichen Arbeit: Reaktionskontrolle bei der Synthese und Aufreinigung von analytischen Referenzsubstanzen.
Bundeswehr/WISWas ursprünglich als jährliche Eignungsprüfung eines Chemischen Zentrallabors neben den originären Forschungsaufgaben begann, entwickelte sich zu einem Aufgabenspektrum, das mittlerweile zwei Bereiche des WIS vollumfänglich auslastet. Die hier gesammelten Erkenntnisse fließen in die Entwicklung verschiedener Forschungsvorhaben und Rüstungsprojekte ein und stellen eine fundierte Urteils- und Bewertungsfähigkeit Deutschlands gegenüber Bedrohungsszenarien mit neuartigen Chemikalien sicher.
von Dennis König