Automatisiertes Fahren

Quartett auf der Erprobungsstrecke – vierter Fahrroboter nun in Trier

Quartett auf der Erprobungsstrecke – vierter Fahrroboter nun in Trier

Datum:
Ort:
Trier
Lesedauer:
3 MIN

Am 7. März hat die Wehrtechnischen Dienststelle für landgebundene Fahrzeugsysteme, Pionier- und Truppentechnik (WTDWehrtechnische Dienststelle 41) einen weiteren Fahrroboter in Betrieb genommen: Im Abstand von 20 Sekunden starten nun vier Fahrzeuge auf den Erprobungsbahnen der Dienststelle in Trier. Alle Fahrzeuge bewegen sich ohne Insassen – sie fahren automatisiert.

Zwei Lkw und ein Pkw fahren über wellige und unebene Betonuntergünde

Ohne Insassen bewegen sich die Fahrzeuge über die unterschiedlichen Untergründe. Am Steuer: je ein Fahrroboter.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Das erste System wurde vor über zwölf Jahren eingeführt, der neue Fahrroboter ist eine Erweiterung der bereits vorhandenen Systeme. Er dient zum einen als Ergänzung, ist aber auch als Reserve gedacht. Nun können vier Fahrzeuge gleichzeitig erprobt werden. Die Fahrroboter werden in die zu erprobenden Fahrzeuge eingebaut und lenken diese.

Das neue System hat im Vergleich zum Vorgängersystem eine verbesserte Software erhalten. Ein weiterer Schritt ist der Tausch des Computers des Leitsystems: Die durch das zusätzliche System gestiegenen Datenmengen werden durch einen leistungsstärkeren PC ausgeglichen.

In Trier lässt man der Maschine den Vortritt

Die Erprobungsbahnen substituieren verschiedene Untergründe, jede Bahn gibt eine bestimmte Belastung in das Fahrzeug: Von Wellenbahn über Rüttelstraße ist fast alles dabei, was nicht eben ist. Damit sollen Fahrzeuge ganz bewusst an ihre Grenzen gebracht werden. Denn im Ernstfall müssen unsere Soldatinnen und Soldaten sich auf das Fahrzeug verlassen können.

Ein Lkw fährt auf einer Betonstraße

Beeindruckend: Ein Lkw wird ohne Insassen über die Betonstraße gefahren

Bundeswehr/Dirk Bannert

Die Insassen werden bei einer Fahrt über die Bahnen ordentlich durchgeschüttelt. Die Radfahrzeuge werden hier deshalb nicht mehr von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefahren. Seit einigen Jahren werden stattdessen Fahrroboter eingesetzt.

Das hat gute Gründe: Eine halbe Stunde darf ein Mensch maximal in einem Fahrzeug auf der Strecke verbringen – aus Arbeitsschutzgründen. „Wenn man im Fahrerhaus sitzt, tut das richtig weh“, weiß Peter Fritzen und zeigt auf einen der beiden Lkw, die per Fahrroboter gesteuert werden. 

Zusammen mit Gerd Zimmermann ist Fritzen bei der WTDWehrtechnische Dienststelle 41 für den Bereich der Fahrroboter zuständig. Während einer Erprobung müsse dann der Fahrer wechseln. Das sei umständlich und koste Zeit. „Außerdem würde ein Mensch den Schlaglöchern instinktiv ausweichen. Zweimal exakt den gleichen Fahrtverlauf zu nehmen, wird also mit einem Fahrer am Steuer nahezu unmöglich“, berichtet sein Kollege Zimmermann während der Vorführung der vier Fahrroboter.

Routenverlauf und Geschwindigkeit steuert ein Computer

Der Fahrroboter kann vergangene Erprobungen genau reproduzieren: Die Strecke ist im Innern des Fahrzeugs auf einem Bildschirm zu sehen. Exakter Routenverlauf und Geschwindigkeit werden von einem Computer aus dem Leitsystem gesteuert. Der Leitstand befindet sich am Rande der Strecke in einem erhöhten Container. Von dort aus lässt sich die ganze Strecke überblicken.

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Bis zu vier Fahrzeuge gleichzeitig können nun dank des zusätzlichen Fahrroboters gleichzeitig erprobt werden. Das spart Zeit und schont das Personal der Wehrtechnischen Dienststelle.

 „Die Daten einer Fahrzeugerprobung müssen ‚wasserdicht‘ sein. Man kann sogar Situationen von vor sechs Jahren nachfahren – einfach per Stick“, weiß Fritzen. So könne beispielsweise überprüft werden, ob ein Mangel behoben wurde. 

Das ganze System sei dabei auch noch effizient. „Erprobungen könnten mit einem Faktor von bis zu zehn ,gerafft', also verkürzt, werden.“ Das bedeute, dass anstatt 40.000 Kilometern nur noch 4.000 Kilometer gefahren werden müssen, berichtet der Techniker weiter. Das entspricht einer Fahrleistung eines Fahrzeugs von Hauptinstandsetzung zu Hauptinstandsetzung.

Zum Schluss der Erprobung merkt Zimmermann noch etwas Kurioses an: „In der Bundeswehr werden die Fahrroboter etwas artfremd eingesetzt. Ursprünglich hatten die Fahrroboter einen ganz anderen Zweck: Sie wurden zur Erprobung von Fahrassistenzsystemen entwickelt – zum Beispiel, wenn Abstandssensoren an Fahrzeugen getestet werden.“ Bei der WTDWehrtechnische Dienststelle 41 weiß man die Fahrroboter für den Bereich Erprobungen zu schätzen – sie sind nicht mehr wegzudenken.

von Heike Westhöfer

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