Codes, die Deutschland schützen: Softwareentwickler bei der Bundeswehr
- Datum:
- Ort:
- Bonn
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Software und ihre Entwicklung werden bei den heutigen Verteidigungs- und Waffensystemen immer wichtiger. Im Rahmen von Software Defined Defense entwickeln Expertinnen und Experten des Zentrums Digitalisierung der Bundeswehr Software, um unabhängig von der Wirtschaft die Programme der Waffensysteme flexibel und lageaktuell anzupassen. Einer von ihnen ist Hauptmann Gourie K.
Hauptmann Gourie K., der als Softwareentwickler bei der Bundeswehr eingesetzt ist, gibt Einblicke in seinen Werdegang und seine Tätigkeit
Bundeswehr/Pia MartinoEin unscheinbares Gebäude am Rande der Stadt Euskirchen im Rheinland. Hier befindet sich ein Fachbereich der Bundeswehr, ohne den in der digitalen Bundeswehrwelt nichts geht: Das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr hat hier im Stadtteil Flamersheim einen seiner Standorte.
Der 42-jährige Familienvater Hauptmann Gourie K.* ist hier als Fachdienstoffizier im Bereich der Softwareentwicklung eingesetzt. Wie man als staatlich geprüfter Informationstechniker und Fachdienstoffizier mit Schwerpunkt Softwareentwicklung zur Bundeswehr kommt und welche Aufgaben und Herausforderungen der tägliche Dienst in dieser Tätigkeit mit sich bringt, berichtet der Hauptmann im folgenden Interview.
Sie sind als Fachdienstoffizier im Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr eingesetzt. Was waren Ihre Beweggründe, sich zu verpflichten oder gab es Schlüsselerlebnisse, die Ihre Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen, beeinflusst haben?
Ich bin 2003 als Grundwehrdienstleistender zur Bundeswehr gekommen. Damals gab es noch die Wehrpflicht, doch ich habe mich aktiv und freiwillig gemeldet. Meine Beweggründe waren tief in meiner persönlichen Geschichte verwurzelt: Ich habe assyrische Wurzeln. Meine Familie ist in den 1980er-Jahren aus Syrien geflohen und hat in Deutschland Zuflucht gefunden. Mein Vater hat mich gelehrt, für diese Sicherheit und die Hilfe, die wir erfahren haben, zutiefst dankbar zu sein. Ich wuchs in meiner neuen Heimat auf und wusste immer: Ich möchte Deutschland dienen, weil dieses Land meiner Familie eine Zukunft ermöglicht hat. Mit dem Grundwehrdienst konnte ich diese Dankbarkeit schließlich in Taten umsetzen.
Wieso haben Sie sich für die Bundeswehr als Arbeitgeber entschieden? Gerade im Bereich Softwareentwicklung verdient man „draußen“ doch sehr gut, oder? Was macht für Sie Ihren Job bei den Streitkräften so interessant?
Das stimmt, als Softwareentwickler kann man in der freien Wirtschaft sehr gut verdienen. Aber Geld ist nicht alles, das Gesamtpaket muss stimmen. Für mich bedeuten das: Abwechslung, Kameradschaft, berufliche Sicherheit und kontinuierliche Fortbildungen mit Perspektive – und natürlich der Blick auf die spätere Pension.
Besonders hervorheben möchte ich den Wandel, den die Bundeswehr in den letzten Jahren vollzogen hat: Es wird heute viel mehr Wert daraufgelegt, familienfreundlich zu sein. Dass die Bedürfnisse von Familien ernst genommen werden und es eine echte Unterstützung gibt, ist für mich als Vater ein entscheidender Faktor. In der entsprechenden Laufbahn ist die Bezahlung zudem absolut konkurrenzfähig. Besonders schätze ich, dass jeder basierend auf seiner Qualifikation eine Laufbahn wählen oder durch gezielte Weiterbildungen darauf hinarbeiten kann.
Was haben Sie vor der Bundeswehr gemacht?
Vor meiner Zeit bei der Bundeswehr habe ich mein Fachabitur absolviert und mich direkt im Anschluss bei der Bundeswehr gemeldet. Nach dem Grundwehrdienst entschied ich mich zunächst für die Feldwebellaufbahn. Aus der Überzeugung heraus, meinem Land zu dienen, wurde eine Berufung. Durch viel Leistungsbereitschaft und Engagement erhielt ich später die Eignung zum Fachdienstoffizier und konnte so den nächsten Karriereschritt in die Offizierlaufbahn machen.
Welche Voraussetzungen muss man für eine Ausbildung zum Softwareentwickler mitbringen und bestehen auch Möglichkeiten, mal etwas anderes zu machen?
Die Ausbildung zum Informationstechniker mit Schwerpunkt Softwareentwicklung erfordert – zumindest in der Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes – eine IT-Vorausbildung. Ich brachte diese Voraussetzung als Fachinformatiker für Systemintegration mit, die ich während meiner Feldwebellaufbahn erlangte.
Was mich an der Bundeswehr besonders beeindruckt, ist die Breite der Fortbildungsmöglichkeiten. Neben meiner IT-Qualifikation habe ich die Ausbildung zum UN-Militärbeobachter absolviert. Nach einer intensiven dreimonatigen Ausbildung und weiteren einsatzvorbereitenden Maßnahmen, konnte ich dieses Wissen in meinem dritten Auslandseinsatz bei der Mission MINURSO in der Westsahara unter Beweis stellen. Hier wurde mir klar, dass die Bundeswehr bei der Ausbildung alles richtig macht: Die Fähigkeiten deutscher Soldaten genießen international einen exzellenten Ruf. In der Zusammenarbeit mit anderen Nationen merkt man deutlich, dass der deutsche Soldat als kompetenter Allrounder geschätzt und überall gerne gesehen ist.
Hauptmann Gourie K. bei seinem Einsatz als Militärbeobachter bei MINURSO. Die Bundeswehr sendet seit 2013 Militärbeobachterinnen und Militärbeobachter in die Westsahara. Ihre Hauptaufgabe ist die Vermittlung zwischen Marokko und der Frente Polisario.
Bundeswehr/Gourie K.Was sind Ihre Aufgaben und was macht Ihren Job besonders?
Mein Alltag ist geprägt von einer enormen Vielfalt. Einerseits entwickle ich mit meinem Team Software für die Bundeswehr und schaffe wichtige Anbindungen von Rüstungsprojekten an unsere IT-Systeme – eine seltene und hochspannende Fähigkeit innerhalb der Streitkräfte. Es ist ein tolles Gefühl, wenn ich Soldaten treffe, die zufällig eine Software nutzen, die ich mitentwickelt habe.
Andererseits bietet mir die Bundeswehr die Chance, völlig andere Rollen einzunehmen, wie etwa die des UN-Militärbeobachters in der Westsahara. Besonders spannend war für mich die Synergie aus meinen beiden Qualifikationen: Ich konnte im Einsatz viele bestehende Prozesse vereinfachen und digitalisieren. Die internationalen Kollegen haben sich sehr darüber gefreut, dass wir durch die verbesserte Software menschliche Fehler minimieren und wertvolle Zeit bei der Patrouillenplanung einsparen konnten. Diese Kombination aus hochspezialisierter technischer Arbeit im Zentrum für Digitalisierung und der operativen Tätigkeit im internationalen Einsatz ist genau das, was meinen Job so einzigartig macht. Man ist nicht nur ein Spezialist im Büro, sondern ein Soldat, der sein Fachwissen nutzt, um die Arbeit im Feld konkret zu verbessern.
Was würden Sie jemandem sagen, der überlegt, zur Bundeswehr zu gehen?
Gib deinem Land etwas zurück und diene mit Stolz. Denn anstatt nur über schwierige Zeiten zu klagen, sollten wir die Energie nutzen, die Dinge anzupacken, aktiv zu verbessern und die Zukunft unseres Landes positiv mitzugestalten.
*Name zum Schutz der Person abgekürzt
von Pia Martino E-Mail schreiben