Wie die Beschaffung bei der Bundeswehr abläuft
Seit der „Zeitenwende“ beschafft die Bundeswehr für viele Milliarden Euro moderne Waffensysteme und Ausrüstung.
Die sicherheitspolitische Lage und die Bedrohung durch Russland machen die strategische Informationsgewinnung auf See immer wichtiger. Ab 2029 will die Bundeswehr deshalb neue, hochmoderne Flottendienstboote der Klasse 424 in Betrieb nehmen. Das dritte Aufklärungsboot wurde nun in der Peene-Werft in Wolgast kielgelegt, ein viertes soll nachrücken.
Kiellegung in Wolgast: Das dritte Flottendienstboot der Klasse 424 ist jetzt offiziell in Bau. Ein viertes soll nachrücken.
Bundeswehr/Oliver StammFlottendienstboote sind ausgestattet mit hochmodernen Sensoren. Diese liefern wichtige Daten für die militärische Nachrichtenlage von See. Fernmelde- und Elektronische Aufklärung durchzuführen, ist eine Hauptaufgabe der Boote. Zudem unterstützen die Flottendienstboote die Fähigkeiten der Bundeswehr zur Cyberverteidigung durch ihre Gewinnung von Informationen und deren Auswertung. Das macht sie zu wesentlichen Fähigkeitsträgern der Dimension Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr.
Nach der bisherigen Planung sollten ab 2029 drei Flottendienstboote der neuen Klasse 424 in Betrieb genommen werden und die derzeitigen Flottendienstboote der „Oste“-Klasse nach über dreißig Jahren im Dienst für Deutschland ablösen. Nun soll sogar ein viertes folgen.
Die neue Generation der schwimmenden Aufklärer ist der alten um einiges voraus. Dabei haben vor allem die neuen Technologien einen signifikanten Einfluss auf die Effizienz der Flottendienstboote der Klasse 424. Das gilt insbesondere in den Bereichen Aufklärung, Datenverarbeitung und Schiffssteuerung.
Die Flottendienstboote erfüllen bereits seit Ende der 1980er Jahre eine wichtige Aufgabe für die Aufklärung und strategische Informationsgewinnung der Bundeswehr. „Oker“ und „Oste“ wurden 1988, die „Alster“ 1989 in Dienst gestellt.
Sie alle konnten auf ihren bisherigen Einsätzen viele Tausend Seemeilen in Nord- und Ostsee, am Horn von Afrika, im Mittelmeer, im Schwarzen Meer, im Atlantik und in der Karibik sammeln. Nun werden sie durch die neue Generation der Klasse 424 abgelöst.
Die neue Generation der Flottendienstboote ist mit hochmodernen elektronischen, hydroakustischen und elektro-optischen Sensoren ausgestattet. Diese fortschrittliche Sensortechnik ermöglicht eine effizientere Überwachung des elektromagnetischen Spektrums über Land, Luft und See und eine verbesserte Informationsgewinnung. Die Sensoren nutzen Technologien wie zum Beispiel maschinelles Lernen und KI, um große Datenmengen nahezu in Echtzeit auszuwerten und zielgerichtet militärisch relevante Informationen zu extrahieren.
Der Einsatz von KI und Big Data-Analysen verbessern die Entscheidungsfindung und Routenoptimierung. Diese Technologien ermöglichen es, große Datenmengen zu verarbeiten und daraus wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Prognosen zufolge werden 90 Prozent aller neu gebauten Schiffe bis 2030 über KI-Funktionen verfügen.
Intelligente Technologien überwachen die Betriebsparameter und halten Schiffe selbsttätig auf Kurs, ohne dass ein ständiges menschliches Eingreifen erforderlich ist. Dies erhöht die Effizienz der Navigation und reduziert die Arbeitsbelastung der Besatzung. Automatisierungen und autonom gesteuerte Systeme entlasten Bediener von Routinetätigkeiten, damit diese sich auf ihren Kernauftrag konzentrieren können.
Neue effiziente Antriebstechnologien verbessern die Umweltbilanz der Flottendienstboote und erhöhen gleichzeitig ihre Reichweite und Einsatzdauer. Sie erlauben einen wirtschaftlicheren Betrieb. Diese technologischen Fortschritte tragen insgesamt zu einer deutlichen Steigerung der Effizienz der Flottendienstboote bei, indem sie die Aufklärungsfähigkeiten verbessern, den Ressourcenverbrauch optimieren und die Einsatzflexibilität erhöhen.
Der Bau der neuen Flottendienstboote der Klasse 424 begann am 21. November 2024. Mit der feierlichen Kiellegung am 14. September 2026 hat nun das dritte der bisher bestellten neuen Flottendienstboote seinen Weg auf die Werft gefunden – jetzt soll sogar ein viertes folgen, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius verkündete.
In seiner Rede zur Kiellegung nannte er die neuen Flottendienstboote einen „Meilenstein“ für die Marine, CIR und die gesamte Bundeswehr. „Die Boote der Klasse 424 werden ihren Dienst in einer Welt aufnehmen, in der die Informationshoheit immer stärker über Sicherheit und Handlungsfähigkeit entscheiden wird“, betonte Pistorius.
Angesichts der hybriden Kriegführung Russlands seien sie deshalb genau das, was man jetzt brauche: „Diese Boote können sehen, was anderen verborgen bleibt. Sie sind unsere Augen und Ohren auf hoher See. Ich habe daher, eng abgestimmt mit dem Inspekteur Marine und dem Inspekteur CIR, den Kurs für ein weiteres viertes Schwesterboot gesetzt. Dazu treten wir nun in die parlamentarischen Abstimmungen. Das ist ein wichtiger Schritt, um die maritime Aufklärungsfähigkeit, diese strategische Trumpfkarte, langfristig im Spiel zu halten“, so der Minister.
von Christina Moritz E-Mail schreiben