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NATO-Ostgrenze – Schutzauftrag im elektromagnetischen Umfeld

Landes- und Bündnisverteidigung

NATO-Ostgrenze – Schutzauftrag im elektromagnetischen Umfeld

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Oberstleutnant Moritz Kaselow ist Kommandeur des Bataillons für Elektronische Kampfführung 932 in Frankenberg/Eder und war als Kontingentführer für die Aufklärungsmission VIGO in Litauen eingesetzt. Im Interview spricht er über den wichtigen Beitrag der Mission zum Schutz der NATO-Ostflanke und gibt einen Ausblick auf die nächste VIGO im kommenden Herbst.

Zwei Soldaten stehen unter einem Tarnetz.

Oberstleutnant Moritz Kaselow, Kommandeur des Bataillons für Elektronische Kampfführung 932, war als Kontingentführer bei VIGO eingesetzt

Bundeswehr/Lea Bacherle

Bei der Übung Vigilant Owl (VIGO) bilden deutsche Soldatinnen und Soldaten die litauischen Kräfte im elektromagnetischen Kampf aus. Darüber hinaus haben sie einen realen Schutzauftrag für die Brigade Litauen übernommen, die gleichzeitig mit VIGO bei Freedom Shield geübt hat.

Herr Oberstleutnant, wie wichtig ist der Beitrag VIGO aus Ihrer Erfahrung für den Schutz der Ostflanke der NATO?

Die Schutzwirkung an der NATO-Ostflanke besteht heute nicht mehr aus einer einzelnen Fähigkeit, sondern aus einem mehrschichtigen Verbund aus Vorneverteidigung, schneller Verstärkung und Resilienz gegen hybride Angriffe. Wir waren während der VIGO I/2026 über 40 Tage an der internationalen Grenze und haben intensiv mit den litauischen Kameraden zusammengearbeitet. Das hat meiner Truppe gezeigt, dass wir als moderne Streitkräfte dort vor allem durch Vernetzung, hohe Reaktionsgeschwindigkeit und die Fähigkeit, einen Gegner früh aufzuklären, einen wesentlichen Unterschied machen können.

Dem etablierten Schutzschirm im elektromagnetischen Umfeld kommt eine besondere Rolle zu. Als Soldaten aus dem Cyber- und Informationsraum schützen wir nicht durch Waffenwirkung, sondern durch Präsenz, Tempo, Interoperabilität und strategische Glaubwürdigkeit. Während unserer Mission hatten wir auch die Aufgabe, uns an der Ostflanke gegen hybride Angriffe, also gegen Desinformation, Sabotage und Spionage, sowie andere Risiken zu behaupten.

Für meine jungen Soldatinnen und Soldaten im Kontingent hat die Mission verdeutlicht, dass unser Schutz an der Ostflanke nicht bloß territoriale Präsenz darstellt. Denn wir haben die Fähigkeit gezeigt, Bündnisgebiet glaubwürdig zu verteidigen, Angriffe früh zu erkennen und Eskalation zu begrenzen.

Da unsere Mission eher kurzfristig angelegt war, konnte mein Verband – mit der schnellen Verlegung von unter anderem bodengebundener Aufklärungssensorik, Drohnenabwehrsystemen und mit dem Einsatz von Drohnen an der Landesgrenze – innerhalb weniger Tage nach der Aktivierung einsatzbereit sein. Der Schutz für die Panzerbrigade Litauen als auch für die 1. Litauische Division beruht damit auf Geschwindigkeit und Skalierbarkeit.

Wie nehmen Sie die Zusammenarbeit mit der Brigade 45 wahr? 

Die Zusammenarbeit mit der Panzerbrigade 45 in Litauen war für meinen Verband der erste Schritt für eine dauerhafte Integration, ein Etablieren von gemeinsamer Führungsfähigkeit und multinationaler Gefechtsausbildung. Freedom Shield dient der Brigade in Litauen als zentrale Übungsreihe, um das Zusammenspiel im Gefecht der verbundenen Waffen unter realistischen Bedingungen zu erproben. Mit der Mission VIGO haben wir den äußeren Ring gestellt und die Erkenntnisse zu Luftraumverletzungen, Aufklärungen und Störeinsätzen für die Brigadeführung eingeordnet.

Entscheidend bei der Mission war nicht die tiefe Integration in die Kampftruppe, sondern es ging um die schnelle Bereitstellung von Informationen, die Entwicklung und Ausprägung einer gemeinsamen Führungsstruktur sowie die Abstimmung von Versorgungsketten und Führungs- und Informationssystemen. Hinzu kam, dass die Brigade gemeinsam mit den litauischen Landstreitkräften und Soldatinnen und Soldaten aus sechs weiteren Nationen trainiert hat. VIGO hat im Zusammenhang mit realen Bedrohungslagen seinen Mehrwert belegt.

Drei Soldaten knien gut getarnt in einem Waldstück.

Soldatinnen und Soldaten des Kontingents waren teilweise in unmittelbarer Nähe zur Grenze eingesetzt, um die Reichweite der Aufklärungssensoren bestmöglich zu nutzen

Bundeswehr/Lea Bacherle
Ein Soldat startet eine kleine Drohne.

Der Einsatz von Drohnen hat sich bei VIGO I bewährt und soll bei zukünftigen Missionen noch erweitert werden

Bundeswehr/Lea Bacherle

Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit der litauischen Seite und wie wird der Beitrag VIGO dort wahrgenommen?

Für Litauen und die NATO-Ostflanke ist Freedom Shield mehr als nur Ausbildung: Es ist ein sichtbares Signal, dass Bündnisverteidigung vor Ort konkret geübt und nicht nur politisch zugesagt wird. Die Übungen erhöhen die Glaubwürdigkeit von Abschreckung. Sie zeigen, dass Verstärkung, Führungsfähigkeit und Versorgung im baltischen Raum auch tatsächlich funktionieren.

Für VIGO war die Übung Freedom Shield ein Lackmustest, um die Reaktion des Gegners in Weißrussland zu überprüfen. Während dieser Zeit im Feld nutzten wir die gemeinsame Zeit am Livesignal und in den Aufklärungsverstecken, um die Zusammenarbeit mit den neu aufgestellten EloKa-Kräften der 1. Litauischen Division zu etablieren. Die Zusammenarbeit mit der litauischen Grenzschutzbehörde, etwa bei gemeinsamen Drohnenflügen entlang der Grenze, hinterließ auch bei meinen Kräften einen sehr professionellen Eindruck. Bei den Missionen, die bis zu 96 Stunden gedauert haben, sind auch Freundschaften mit litauischen Soldaten entstanden.

Inwiefern muss sich die Mission VIGO weiterentwickeln? 

Das ganzheitliche Denken des Gefechtsfelds anhand der Erkenntnisse aus dem russischen Angriffskrieg ist ein wichtiger Baustein. Mit unseren Fähigkeiten, die über den Bereich des Elektronischen Kampfes hinausgehen, wird das CIR in den zukünftigen Operationen seinen Stellenwert weiter erhöhen.

In VIGO II können wir mit den litauischen Partnern viele Punkte überprüfen: etwa, wie überdehnte Flanken gemeinsam mit der Heeresaufklärungstruppe überwacht werden können, dass Antennenhöhen über 40 Meter uns tiefer ins Feindesland blicken lassen und wir Transportroboter und Drohnen brauchen, um Antennen und Sensorik zu verlegen. Das EloKaBtl 932 als „Bataillon der Ostflanke“ freut sich auf diese Aufgabe und wird sich vor Ort mit deutlich mehr Personal, neuer Sensorik, neuen Gefechtsstandkonzepten und Anbindungen einbringen. Auch die Zusammenarbeit mit weiteren Kräften in anderen baltischen Staaten wird mittelfristig entscheidend sein. Unsere Kräfte starten ihre Erkundungen bereits Ende Juli. Dies wird unseren Blick für das Wesentliche im kommenden Winter festigen.

von Martina Pump  E-Mail schreiben

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