Litauen – Mission Vigilant Owl an der NATO-Ostflanke
In Litauen überwachen Soldaten des EloKa-Bataillons 932 das elektromagnetische Spektrum – die Grundlage für Funk, Radar und Navigation.
Oberfeldwebel Romeo M. arbeitet dort, wo vieles unsichtbar bleibt: im elektromagnetischen Spektrum. Bei der Mission VIGO in Litauen setzte er mit seinem Team den Prototypen Baumfalke ein, um Signale zu erfassen, zu verorten und das Lagebild für die Brigade Litauen zu schärfen.
Mit dem mobilen Sensorsystem Baumfalke können Funksignale erfasst und geortet werden
Bundeswehr/Lea BacherleWenn Oberfeldwebel Romeo M. über seine Arbeit spricht, geht es um Signale, Antennen und ein mobiles Aufklärungssystem. Der Soldat der 4. Kompanie des Bataillons für Elektronische Kampfführung (EloKaBtl) 932 ist als Truppführer für den Prototypen Baumfalke eingesetzt. Die Aufgabe seines Aufklärungstrupps: elektromagnetische Signale aufspüren, verorten und für die militärische Führung nutzbar machen. Gerade bei der Mission VIGO in Litauen zeigte sich, wie wichtig diese Arbeit im Verbund mit anderen Kräften ist.
Der Einsatz führte Romeo M. und sein Team in einen grenznahen Raum nördlich des Truppenübungsplatzes Pabradė bis hinunter in den Süden in Richtung Druskininkai. „Hier ging es darum, für die Brigade Litauen und die alliierten Kräfte während der gemeinsamen Übung Freedom Shield ein möglichst genaues Lagebild zu schaffen“, erläutert der Oberfeldwebel den Auftrag seines Trupps. Baumfalke half dabei, Signale zu erfassen, ihre Herkunft einzugrenzen und die Informationen in Echtzeit an die übergeordnete Führung weiterzugeben. So wurde aus einzelnen Messwerten ein verdichtetes Bild der Lage, das Entscheidungen erleichtern und beschleunigen konnte.
Wie funktioniert Baumfalke eigentlich? Im Kern arbeitet das System mit dem Verfahren „Time Difference of Arrival“. Vereinfacht gesagt: Drei Antennen werden in einem Raum verteilt, und aus dem winzigen Zeitunterschied, mit dem ein Signal an den Antennen jeweils ankommt, lässt sich dessen Herkunft berechnen. So kann das Team erkennen, welche Signale sich im elektromagnetischen Spektrum bewegen und welche davon für den eigenen Auftrag relevant sind. Das System Baumfalke ist aber kein fertiges Endprodukt, sondern ein Prototyp, den der Zug vor rund drei Jahren vom Cyber Innovation Hub der Bundeswehr erhalten hat. Die Entwicklung begann also mit einer Idee aus den eigenen Reihen und ist inzwischen zu einem praxistauglichen Werkzeug geworden.
Ein Soldat des Trupps bereitet das System für den Einsatz vor. Baumfalke kann sowohl abgesessen als auch fahrzeuggestützt eingesetzt werden.
Bundeswehr/Lea Bacherle
Oberfeldwebel Romeo M. hat das System von Anfang an begleitet und ist bei VIGO als Truppführer eingesetzt
Bundeswehr/Lea BacherleFür Romeo M. war dieser Einsatz etwas Besonderes. Er begleitet das System schon seit seiner Einführung und kennt den Unterschied zwischen dem üblichen Übungsbetrieb in Deutschland und einem Einsatz wie in Litauen genau. „Während im Inland oft nur Räume in Übungsplatzgröße überwacht werden, konnte Baumfalke hier erstmals in größeren Dimensionen – wie der belarussischen Grenze – arbeiten“, erläutert er. Das bedeutete: mehr Raum, mehr Daten, mehr Möglichkeiten. Die Ortungen ließen sich dadurch tiefer in das Aufklärungsgebiet hineinziehen, was die Reichweite und den Nutzen des Systems deutlich erhöhte.
Die Ergebnisse bei VIGO waren aus Sicht des Teams überzeugend. Besonders entlang des Grenzverlaufs konnten aktive Sendungen verortet werden. „Dabei ging es um mögliche Funkquellen, Funkmasten oder andere Sender, die im Raum aktiv waren. Das konnten zum Beispiel auch die Grenzpatrouille der Belarussen oder Polizeikräfte sein“, erklärt Romeo M. Ganz exakt ließ sich nicht immer bestimmen, wer genau hinter einem Signal stand. Dafür braucht es weitere Schritte der Aufklärung, zum Beispiel durch Drohnen oder Kräfte vor Ort. Doch genau darin liegt der Wert von Baumfalke: Das System liefert zunächst ein grobes, aber belastbares Bild und schafft damit die Grundlage für die weitere Aufklärung.
Wichtig war auch die Zusammenarbeit mit den litauischen EloKa-Kräften. Sie haben im vergangenen Jahr eine eigene Kompanie aufgestellt und arbeiten ebenfalls mit einem hochmobilen Sensor, der im Rucksack verstaut und zu Fuß oder per Fahrzeug eingesetzt werden kann. Gemeinsam deckten beide Seiten die vorgesehenen Überwachungsräume ab, führten Aufklärung durch und verorteten Signale. Für Romeo M. war dieser direkte Austausch im Stellungsraum ein großer Gewinn: „Er brachte uns nicht nur zusätzliche Erfahrung, sondern auch ein besseres Verständnis dafür, wie unsere Partner vor Ort arbeiten.“
Was an Romeo M. und seinem Einsatz auffällt, ist die Verbindung von Technik und Praxis. Sein Job findet zwar eher im Hintergrund statt und doch ist er entscheidend dafür, dass andere Kräfte ein klareres Bild der Lage bekommen. Baumfalke steht dabei sinnbildlich für eine moderne Form der Aufklärung: mobil, vernetzt und präzise genug, um verwertbare Informationen zu liefern. Für Romeo M. ist genau das der Reiz seiner Aufgabe — sichtbar zu machen, was andere nicht sehen, und damit etwas Nützliches zum gemeinsamen Auftrag beizutragen.
von Martina Pump E-Mail schreiben
In Litauen überwachen Soldaten des EloKa-Bataillons 932 das elektromagnetische Spektrum – die Grundlage für Funk, Radar und Navigation.