NoCodeDB: Wie die Bundeswehr Daten schneller nutzbar macht
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Moderne Konflikte verkürzen die Zeit für Aufklärung, Bewertung und Entscheidung. Damit die Bundeswehr verlässlich handeln kann, braucht sie strukturierte Daten und die Fähigkeit, digitale Lösungen kurzfristig anzupassen. Das Innovationsprojekt BwTable hat gezeigt, wie das gelingt. Aus der dort erprobten Plattform wird nun die Datenbank NoCodeDB der Bundeswehr.
Das vorher genutzte Formular in Papierform wird durch ein BwTable-Formular ersetzt und direkt dem jeweiligen Fahrzeug in der Datenbank zugeordnet
Bundeswehr/Tatsiana GründlIn vielen Arbeitsbereichen der Bundeswehr werden Informationen noch über Excel-Dateien, E-Mail-Abfragen oder lokal gepflegte Listen ausgetauscht. Sobald mehrere Dienststellen mit denselben Informationen arbeiten, entstehen unterschiedliche Datenstände, doppelte Einträge und hoher Abstimmungsaufwand. Zuständigkeiten und Bearbeitungsstände bleiben nur eingeschränkt sichtbar.
Das Innovationsprojekt BwTable überführt solche Abläufe in strukturierte Datenanwendungen. Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeitende erstellen ohne Programmierkenntnisse eigene Datenbanken, Formulare, Ansichten und einfache automatisierte Abläufe. Alle Berechtigten arbeiten mit demselben aktuellen Datenbestand. Rollen und Rechte regeln, wer Informationen sehen, erfassen oder bearbeiten darf. Änderungen bleiben nachvollziehbar.
Die Plattform ersetzt keine großen Fachverfahren und keine sicherheitskritischen Spezialanwendungen. Ihre Stärke liegt dort, wo Dienststellen kurzfristig strukturierte digitale Unterstützung benötigen, etwa für Meldungen, Teilnehmermanagement, Materialübersichten oder Qualitätsmanagement.
Seit 2023 wird BwTable im Ausbildungsnetz des Ausbildungszentrums Cyber- und Informationsraum erprobt und weiterentwickelt. Bisher haben 22.000 Nutzerinnen und Nutzer die Plattform getestet. Über ein Webformular gingen rund 2.500 Anwendungsfälle ein, vom Teilnehmermanagement über Meldeprozesse bis zur Nachverfolgung von Aufgaben und Fristen. Im Erprobungsbetrieb ist die gleichzeitige Nutzung lizenzbedingt auf 5.000 aktive Nutzerinnen und Nutzer begrenzt.
„Die hohe Nutzung zeigt, wie groß der Bedarf an einfachen und strukturierten Datenanwendungen in der Bundeswehr ist“, sagt Hauptmann Martin R. *, Informationssicherheitsbeauftragter im Ausbildungszentrum Cyber- und Informationsraum und Projektleiter BwTable. „Die Fachbereiche kennen ihre Prozesse am besten. BwTable gibt ihnen die Möglichkeit, erkannte Probleme schnell in funktionierende digitale Lösungen zu überführen.“
Wie konkret der Nutzen ist, zeigt die IT-Koordinierungsstelle der Luftwaffe. Sie nutzt BwTable für Übersichten zu IT-Geräten mit Prüf- oder Rückmeldebedarf. Zuvor pflegten 55 Dienststellen die Angaben zu rund 12.000 IT-Geräten in 42 getrennten Listen, die versendet und manuell zusammengeführt werden mussten. Der Abstimmungsaufwand lag bei etwa 60 Arbeitsstunden pro Vorgang. Heute arbeiten alle beteiligten Stellen in einem gemeinsamen Datenbestand. „Früher mussten Rückmeldungen aus mehreren Listen zusammengeführt werden. Heute sehen die beteiligten Stellen denselben Bearbeitungsstand. Das spart Abstimmung und macht Zuständigkeiten nachvollziehbar“, sagt Oberleutnant Stefan D. von der IT-Koordinierungsstelle der Luftwaffe. Aus verteilten Einzelmeldungen entsteht ein belastbares Lagebild, das früh erkennen lässt, wo Handlungsbedarf besteht.
Auch andernorts bewährt sich die Plattform: Das Bundeswehrkrankenhaus Ulm startet Störmeldungen für rund 9.500 medizinische Geräte per QR-Code direkt am Gerät. Bei der Informationsreihe des Generalinspekteurs der Bundeswehr 2025 wurden rund 3.000 Anmeldungen digital verarbeitet. Das Projekt InnoSphere 2.0 im neuen Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding erfasst rund 950 Innovationsvorhaben in einer gemeinsamen Datenbank.
Seit dem 1. Juli 2026 trägt das Projekt offiziell den Namen NoCodeDB. Damit beginnt der Übergang von der Erprobung zu einer dauerhaft angelegten No-Code-Datenbank der Bundeswehr. Das öffentliche Ausschreibungsverfahren der BWI läuft seit April 2026. Ab dem vierten Quartal 2026 ist der Aufbau einer Testumgebung auf der pCloudBw vorgesehen, die Bereitstellung der NoCodeDB ab dem dritten Quartal 2027. Das Projektteam arbeitet dafür eng mit dem Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr, der BWI und dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) zusammen.
Damit aus No-Code keine ungesteuerte Schatten-IT entsteht, wird die NoCodeDB mit verbindlichen Vorgaben für Rollen, Rechte, Verantwortlichkeiten und den Lebenszyklus der Anwendungen aufgebaut. Informationssicherheit, Akkreditierung und ein verlässlicher Betrieb stehen im Mittelpunkt.
Das gelieferte Paket wird mit einem Foto in der BwTable-Datenbank zur Nachweisführung hochgeladen
Bundeswehr/Tatsiana GründlDer strategische Mehrwert von NoCodeDB reicht über die Ablösung von Excel-Listen hinaus. Die gemeinsame Datenbasis beschleunigt digitale Prozesse und erhöht die Datenqualität. Die Plattform verkürzt damit den Weg vom erkannten Bedarf zur nutzbaren Lösung und stärkt die digitale Reaktionsfähigkeit der Bundeswehr. Erfolgreiche Anwendungen lassen sich auf andere Dienststellen übertragen, statt mehrfach neu entwickelt zu werden.
Zugleich schafft die NoCodeDB eine Voraussetzung für KI-Anschlussfähigkeit. KI-gestützte Assistenzsysteme benötigen strukturierte, aktuelle und nachvollziehbare Informationen mit geregelten Zugriffsrechten. Mit Testdaten wurde bei InnoSphere 2.0 bereits erprobt, wie neue Innovationsvorschläge mithilfe Künstlicher Intelligenz mit bestehenden Vorhaben abgeglichen werden können.
Die Nutzungszahlen und Praxisbeispiele belegen den Bedarf an flexiblen und strukturierten Datenanwendungen. Mit der NoCodeDB soll daraus eine dauerhafte Fähigkeit werden. Ihr Erfolg bemisst sich daran, ob Dienststellen neue Anforderungen schneller digital abbilden, mit verlässlicheren Daten arbeiten und Prozesse organisationsübergreifend koordinieren können, ohne Informationssicherheit und Kontrolle zu verlieren. Damit leistet die NoCodeDB einen konkreten Beitrag zur digitalen Handlungsfähigkeit der Bundeswehr.
*Alle Namen zum Schutz der Personen abgekürzt