Bundeswehr-Software macht zivile Drohnen kriegstüchtig
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Euskirchen
- Lesedauer:
- 2 MIN
In der modernen Kriegsführung ist nicht nur die Hardware entscheidend, sondern vor allem die Software, die Systeme steuert und vernetzt. In der Trainingswoche Digital Corvus 1 in Euskirchen übte die Bundeswehr, Software für Drohnen unter realen Bedingungen schnell zu entwickeln. Erprobt wurde die Einbindung ziviler Drohnen in das Bundeswehr-Führungssystem.
Die handelsüblichen Drohnen werden mit neuer Software an militärische Erfordernisse angepasst
Bundeswehr/Zentrum Digitalisierung der BundeswehrDie Erfahrungen aus der Ukraine zeigen deutlich, dass es in heutigen Konflikten unerlässlich ist, Software schnell entwickeln zu können und das mit militärischem Denken zu kombinieren. Denn letztlich macht oft die Software den entscheidenden Unterschied, ob ein Waffensystem erfolgreich eingesetzt wird. Deshalb wird das Prinzip, über die Programmierung die vorhandene Ausrüstung besser nutzen zu können, als Software Defined Defence bezeichnet.
Gerade Drohnen müssen als ein zentrales Element moderner Konflikte kontinuierlich angepasst werden – etwa an neue Bedrohungen oder Einsatzszenarien. Zivile Partner sind dabei wichtig, doch militärische Kompetenz ist dort unersetzlich, wo sie nicht mehr agieren können und der direkte Kontakt mit der nutzenden Truppe erforderlich ist. Das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr und Fähigkeitsentwicklung CIR leistet hier einen entscheidenden Beitrag und hat Digital Corvus 1 ausgerichtet.
Grüne Informationstechnik: Statt im klimatisierten Büro trainieren die Soldatinnen und Soldaten bei Digital Corvus 1 unter realistischen Bedingungen im Gelände
Bundeswehr/Zentrum Digitalisierung der BundeswehrIn der Trainingswoche Digital Corvus 1 ging es im Kern darum, Software für Drohnen unter realistischen Bedingungen zu entwickeln und anzupassen. Die rund 45 Teilnehmenden – darunter auch Reservistinnen und Reservisten – mussten hierbei handelsübliche Drohnen schnell militärisch nutzbar machen. Sie mussten die Open-Source-Firmware zur Steuerung der Drohnen entsprechend anpassen und die sogenannten Unmanned Aerial Vehicle (UAV) an verschiedene Lageführungssoftwares der Bundeswehr anbinden. Um die Theorie in die Praxis zu übertragen, verließen die Teilnehmenden ihren strukturierten Projektalltag und wendeten ihr Wissen in einer simulierten Einsatzlage an einem improvisierten Gefechtsstand sowie auf einem nahe gelegenen Standortübungsplatz an.
Diese Fähigkeit der Softwareentwicklung ist zu wenig in der Bundeswehr bekannt. Sie ist aber auf dem Gefechtsfeld der Zukunft wichtiger denn je. Schnelle Softwareanpassungen und das Schaffen von Schnittstellen zwischen Systemen können ein entscheidender Vorteil sein.
Im Laufe der Trainingswoche stiegen die Komplexität und die Auftragslast. Das Lagezentrum musste Prioritäten setzen und Teams dynamisch zusammenstellen. Um der Realität möglichst nahezukommen, wurden Lageeinspielungen integriert – von Briefen mit verdächtigem Inhalt bis hin zu simulierten Ausspähversuchen und feindlichen Drohnenanflügen.
Die Ergebnisse der Entwicklungen waren beeindruckend: In nur zweieinhalb Tagen passten Teams unter anderem die Firmware an militärische Erfordernisse an, etablierten eine Echtzeit-Standortbestimmung in verschiedenen Führungsinformationssystemen und behoben einen echten Softwarebug innerhalb kürzester Zeit. Dabei wurden die Ergebnisse auf dem nahegelegenen Standortübungsplatz im fliegenden Betrieb durch einen erfahrenen Drohnenpiloten aus Munster getestet und wenn nötig und möglich, auch dort verbessert.
Digital Corvus 1 ist damit ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Kriegstüchtigkeit. Die in der Trainingswoche gewonnenen Erkenntnisse werden jetzt in eine geplante Übungsserie einfließen, um die militärische Softwareentwicklung in verschiedenen Szenarien zu üben und diese Fähigkeit bei Bedarf im Ernstfall allen Teilstreitkräften der Bundeswehr zur Verfügung stellen zu können.
von Heike Wegner E-Mail schreiben