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Cyber- und Informationsraum
Freedom Shield

Die Cyber-Krieger im Gefecht der verbundenen Waffen

Landes- und Bündnisverteidigung

Die Cyber-Krieger im Gefecht der verbundenen Waffen

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Fast 3.000 Soldatinnen und Soldaten mit rund 800 Fahrzeugen aus acht Nationen üben das Gefecht der verbundenen Waffen. Als Unterstützer der Kampftruppen des Heeres sind dabei auch diverse Kräfte des Cyber- und Informationsraums genau dort vor Ort, wo ein Angriff Russlands drohen könnte: an der NATO-Ostflanke in Litauen.

Ein Soldat sitzt mit Gefachtsaurüstung in einem getarnten Fahrzeug und bedient einen Bildschirm.

Abgetarnt und hochmobil aus dem Fahrzeug heraus: Elektronische Aufklärung erfolgt bei Freedom Shield unter den taktischen Gegebenheiten

Bundeswehr/Mario Bähr

Jeder Zentimeter des Bündnisgebiets wird verteidigt. Diese Formel ist das oberste Abschreckungsprinzip der NATO und steht für Solidarität und Beistandspflicht. Deutschland stärkt beides unter anderem mit der Panzerbrigade 45 „Litauen“, einem dauerhaft an der Ostflanke stationiertem Großverband des Heeres. Im Falle eines Angriffs auf das Bündnisgebiet hätten diese Truppenteile mit als erste Feindkontakt. Um darauf vorbereitet zu sein, trainiert die Truppe regelmäßig, unter anderem bei der Übungsserie Freedom Shield. Auch die Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum (CIR) der Bundeswehr zeigt bei Freedom Shield, was sie zu moderner und erfolgreicher Gefechtsführung beitragen kann. 

Die Kämpfer im elektromagnetischen Spektrum  

Mit von CIR dabei sind zwei Bataillone der EloKa. Dieses Kürzel steht für „Elektronischer Kampf“.  Sie bringen drei zentrale Fähigkeiten mit ein:

Elektromagnetische Überwachung

Bei der Überwachung im elektromagnetischen Spektrum versuchen die EloKa-Kräfte, Einheiten des Heeres aufzuklären und so beispielsweise deren Standort zu ermitteln. Dafür nutzen sie deren Signale über Funk und Radar aber auch Drohnen. Ziel ist es, für Risiken mangelnder Funkdisziplin zu sensibilisieren und die Wirkung gegnerischer EloKa zu verdeutlichen. Denn wer seinen Standort leichtfertig verrät, wird schnell zum Angriffsziel.

Elektromagnetischer Angriff

Electromagnetic Attack-Kräfte beeinträchtigen mit auf dem Transportpanzer Fuchs basierenden Störsystemen wie Hummel oder dem CG20+ aktiv Kommunikations- und Navigationssysteme, um eine realistische Bedrohungslage zu simulieren.. Denn ein Gegner wird genau dasselbe versuchen.

Elektromagnetische Verteidigung

Experten für Electromagnetic Defense beraten die Kräfte des Heeres im Umgang mit diesen Bedrohungen. Insgesamt leisten die EloKa-Kräfte damit einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die Soldaten und Soldatinnen des Heeres erleben, womit sie im Ernstfall rechnen müssen und lernen, wie sie dann reagieren sollen. Denn Erfahrungen aus dem Ukrainekrieg zeigen, wie wichtig Informationsüberlegenheit im elektromagnetischen Spektrum bei militärischen Operationen ist.

Ein Soldat kniet im Wald und steuert eine Drohne.

Auch die Sensibilisierung der Heeres-Kräfte hinsichtlich Aufklärbarkeit durch- und Schutz vor Drohnen gehört zu den Aufgaben der EloKa während der Übung

Bundeswehr/Mario Bähr

Die Vernetzer der Ostflanke 

Kommunikation bleibt dennoch entscheidend – trotz des Risikos, aufgeklärt oder gestört zu werden. Nur wenn die Truppe an der Front aktuelle Informationen und Befehle bekommt, kann eine militärische Operation gelingen. Im Bundeswehr-Jargon spricht man von Führungsfähigkeit. Diese bei Freedom Shield sicherzustellen, ist Aufgabe der IT-Bataillone des CIR. Sie gewährleisten die sichere Übertragung von Sprache und Daten, etwa über TETRAPOL-Funk oder Satellitenkommunikation. Die Systeme werden dabei disloziert oder als Service Delivery Point gebündelt eingesetzt.

Besonders anspruchsvoll: Um die Anbindung der kämpfenden Truppe sicherzustellen, operieren die IT-Kräfte oft nahe der Front. Dadurch müssen sie ihre wenig gepanzerten Systeme regelmäßig verlegen, um nicht selbst aufgeklärt und bekämpft zu werden. Gleichzeitig erfordert der Betrieb einen schnellen Auf- und Abbau sowie geeignete, schon vorher erkundete Ausweichstandorte. Alles das üben die Kräfte bei Freedom Shield. 

Der Bediener der SatCom-Anlage steht an seinem Laptop, der mit der Technik der Anlage verbunden ist.

Mitten in der Natur eine Verbindung herstellen. Das ist Aufgabe der IT-Soldatinnen und Soldaten während der Übung.

Bundeswehr/Mario Bähr
Ein Anhänger mit Satellitenschüssel darauf. An einer angebauten Bedienerkonsole steht ein Soldat.

Eine SatCom–Antenne ist auf dem Übungsgelände im litauischen Pabrade aufgebaut. Das eindrucksvolle Gerät ist weithin sichtbar, weswegen die Soldaten häufig den Standort wechseln müssen, um sich der gegnerischen Aufklärung zu entziehen.

Bundeswehr/Mario Bähr

Die Naturkundler 

Auch Geoinformationskräfte des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw) unterstützen die Übung Freedom Shield. Sie vermitteln Landes-, Gelände- und Infrastrukturkenntnisse für den Einsatzraum Litauen. Vor Ort stellen sie aktuelles, bedarfsgerechtes Kartenmaterial bereit, darunter Übungsplatzkarten und Kraftfahratlanten. Diese sind besonders für die Bewegung durchs Gelände mit schweren Kettenfahrzeugen wie Kampfpanzern unerlässlich. Die Daten hierfür kommen von Expertinnen und Experten der Geoinformation vor Ort, die das Gelände auf dessen Beschaffenheit bewerten. Einflussfaktoren sind Relief, Wetter, Landnutzung, Bodeneigenschaften, Fahrzeugdaten wie zum Beispiel das Gewicht und Hydrographie, also die Feuchtigkeit des Geländes.

Wer Geofaktoren nicht berücksichtigt, kann keine militärische Operation fundiert planen. Die Produkte des ZGeoBw ermöglichen Aussagen zu Bewegungsmöglichkeiten im Gelände, Waffenwirkung, Deckungsmöglichkeiten, Tarnung oder auch Sperrmöglichkeiten. Dieses zu wissen, kann einen entscheidenden Vorteil für das militärische Vorhaben bedeuten.

Die Kommunikationsexperten 

Ebenfalls bei Freedom Shield beteiligt sind CIR-Kräfte des Zentrums Operative Kommunikation (ZOpKom), darunter Direktkommunikation, Einsatzkameratrupps, Forward Media Teams und Radio Andernach.

Direktkommunikation 

Die taktische Direktkommunikation kann Operationen etwa durch akustische Täuschung unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist das Abspielen von Kettengeräuschen, um die gegnerische Aufklärung zu beeinflussen. So wird der Feind in die Irre geführt und seine Operationsplanung beeinträchtigt.

Forward Media Team

Das FMT trainiert vor Ort unterdessen seinen Hauptauftrag: das Sammeln von Bild- und Videomaterial als „Kriegsberichterstatter“ in vorderster Linie. Aus den Aufnahmen können im Reachbackverfahren im Heimatstandort Medienprodukte erstellt werden, die später zur Beeinflussung des Gegners genutzt werden können.

Die Einsatzkameratrupps 

Ein EKT gewinnt Bild- und Videomaterial, um zum Beispiel die militärische Führung zu informieren. Bei der Übung Freedom Shield dient das gesammelte Material vor allem der späteren Auswertung der Übung, um Abläufe und Vorgehensweise für künftige Durchläufe der Übungsreihe zu optimieren und die Fähigkeiten aller Übungsteilnehmenden noch weiter zu steigern. 

Radio Andernach 

Um bei aller Ernsthaftigkeit auch etwas für das Wohlbefinden der Soldatinnen und Soldaten bei Freedom Shield zu tun, ist Radio Andernach mit nach Litauen gereist. Das Team des Betreuungssenders der Bundeswehr unterstützt vor Ort die Moral der Truppe mit Informationen aber auch mit flotter Musik. Aktuelle Nachrichten, insbesondere mit Bundeswehrbezug, sowie das Übermitteln von Grußnachrichten von Verwandten und Freunden halten in handyfreien Zeiten der Übung die Verbindung in die Heimat. 

Ein Soldat des Forward Media Teams mit Kamera und Waffe im Wald.

Eine Hand an der Kamera, die andere am Gewehr G36. Das FMT hat den Auftrag, vorher festgelegte Zielgruppen zu beeinflussen. Dies geschieht im Kriegsfall über alle möglichen Kanäle wie Social Media, TV, Radio oder Print.

Bundeswehr/David Arens

CIR als Möglichmacher

CIR-Kräfte wirken meist im Hintergrund, sind aber entscheidend für den Erfolg. Sie klären auf, schützen eigene Signale, sichern Kommunikation und liefern die Grundlagen für Führung und Planung. Funktionierende Kommunikationsmittel werden solange als selbstverständlich angesehen, bis sie plötzlich nicht mehr vorhanden sind und der fortschrittlichste Kampfpanzer kann seine Wirkung im Gefecht nur entfalten, wenn seine Ketten nicht im Matsch festgefahren sind. All dies wird ermöglicht durch die Angehörigen des Cyber- und Informationsraum als Möglichmacher bei Freedom Shield 2026 in Litauen.

von Maximilian Bosse  E-Mail schreiben

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