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Elektromagnetischer Kampf: Aufnehmen, was der Gegner preisgibt

Landes- und Bündnisverteidigung

Elektromagnetischer Kampf: Aufnehmen, was der Gegner preisgibt

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Großflächig, unentdeckt, rund um die Uhr – so beschreibt Oberstleutnant André Juraschka die Arbeitsweise der EloKa. Aufklären und Kämpfen im Elektromagnetischen Spektrum sind deren Aufgaben. Im Interview gibt der stellvertretende Kommandeur des EloKa-Bataillons 931 aus Daun Einblicke in dessen Rolle auf dem modernen Gefechtsfeld.

Portrait des Offiziers, im Hintergrund sind zwei LKW in Tarnanstrich zu sehen.

Oberstleutnant André Juraschka ist stellvertretender Kommandeur des Bataillons Elektronische Kampfführung 931 aus dem rheinland-pfälzischen Standort Daun

Bundeswehr/Maximilian Bosse
Oberstleutnant André Juraschka
Jede andere Form der Aufklärung ist durch den Feind entdeckbar, wir aber sind es nicht.

Mit diesem prägnanten Satz nennt Oberstleutnant Juraschka gleich zu Anfang das Alleinstellungsmerkmal der Elektronischen Kampfführung, abgekürzt EloKa. Mit ihren Sensoren können EloKa-Kräfte Dutzende Kilometer weit in feindliches Terrain hineinhören, ohne dabei selbst aufgeklärt zu werden oder überhaupt die Frontlinie überqueren zu müssen. Als Dienstleister für die Kampftruppen der 10. Panzerdivision sind Juraschkas Soldatinnen und Soldaten deren wichtigstes Aufklärungsinstrument – spätestens dann, wenn in einem Gefechtsszenario alle anderen Mittel wie Drohnen, Radargeräte oder auch Aufklärungsfahrzeuge schon aufgeklärt und vernichtet wurden. Was zunächst martialisch klingt, ist eng angelehnt an das reale Bedrohungsszenario an der Ostflanke der NATO, wo EloKa-Kräfte regelmäßig ihr Können durch Aufklärung nach Russland hinein unter Beweis stellen.

Aufklärer, Störer und Berater in Einem

Im Interview berichtet der 50-jährige Stabsoffizier, welche weiteren Aufgaben sein Bataillon im Rahmen der Bündnisverteidigung hat und welche neue Ausrüstung die Truppe aus Daun in Rheinland-Pfalz schon gespannt erwartet.

Herr Oberstleutnant, Sie hatten schon erwähnt, dass die EloKa in der Bundeswehr eine ganz besondere Truppengattung ist und auch Fähigkeiten bei der Aufklärung hat, über die sonst keiner verfügt. Im Namen heißt es aber „Elektronischer Kampf“, also nicht nur unentdecktes Lauschen. Was sind denn die weiteren Aufgaben?

Unser Auftrag ist die Unterstützung auf EK-, also „Elektromagnetischer Kampf“-Ebene, für die Kräfte des Heeres. Dazu gehören in der Tat das Abhören und die Aufklärung gegnerischer Funk- und Radarsysteme, aber auch das Stören, also aktiv die Kommunikation des Gegners mit unseren Störsendern zu behindern, um dessen Operationsführung zu erschweren. Im Multinationalen Umfeld nennt man das dann „Electromagnetic Surveillance“, also Überwachung sowie „Electromagnetic Attack“ für den Angriff, also das aktive Stören. Der dritte Aspekt ist die „Electromagnetic Defence“, das ist unsere Beratungsleistung für die Kampftruppen, wie sie schwieriger durch die EK-Kräfte des Gegners aufzuklären sind und sich somit dagegen schützen können.

Die jetzt gelaufene Übung Freedom Shield in Litauen ist dafür ein schönes Beispiel. Da haben wir genau dargestellt, was unser Kernauftrag ist. Diese Zusammenarbeit als Couleurverband mit der 10. Panzerdivision werden wir auch die nächsten Jahre weiter verstetigen, zum Beispiel bei Freedom Shield II im Herbst oder auch nächstes Jahr bei der Übung Land Shield, beides auch wieder in Litauen.

Braucht es denn diese Großübungen in Litauen in dieser Form für die Auftragserfüllung? Ich stelle mir vor, dass das schon mit erheblichem Aufwand verbunden ist, wenn sich auf Divisionsebene mehrere Tausend Soldaten und Hunderte Fahrzeuge gemeinsam im Gelände bewegen?

Definitiv braucht es das. In den letzten Jahren haben wir in der Bundeswehr häufig Gefechtsstand-Übungen gemacht, bei denen die taktische Ebene lediglich simuliert wurde. Da funktioniert die Welt dann auch, weil Sie in einer Simulation auch jederzeit steuernd eingreifen können. Wenn aber Menschen tatsächlich durchs Gelände fahren, passieren Fehler, mit denen Sie vielleicht nicht gerechnet hätten: Da biegt mal jemand falsch ab oder Fahrzeuge fallen aufgrund technischer Defekte oder Feindeinwirkung aus oder Führungsverbindungen fallen aus. Das wird in einer Simulation nicht dargestellt. Nur wenn Sie das Gesamtsystem im Feld einsetzen, können Sie solche Probleme identifizieren und beheben. Dafür brauchen wir diese Art Übung mit dem Heer. 

Zusätzlich brauchen wir als EloKa riesige Räume. Um unsere gewollten Aufklärungstiefen zu erreichen, muss ich die Systeme räumlich recht weit auseinanderziehen. Da reden wir von 40, 50 oder gar 60 Kilometern. Im dicht besiedelten Deutschland ist der Aufwand dafür einfach zu hoch, mit Anmeldungen, Auflagen und so weiter, das kann das Personal eines Bataillons organisatorisch nicht bewältigen.

Soldaten bauen eine Antenne im Wald auf, im Hintergrund steht ein abgetarntes Transportfahrzeug.

Soldaten des Bataillons Elektronische Kampfführung 931 beim Aufbau des Systems zur elektronischen Lageaufklärung (SeLa). Damit können Signale im elektromagnetischen Spektrum erkannt, räumlich zugeordnet und ausgewertet werden.

Bundeswehr/Mario Bähr
Eine Drohne schwebt im Wald, im Hintergrund ist der zugehörige Soldat mit Fernsteuerung zu sehen.

Als innovative Erweiterung des SeLa-Systems werden auch Drohnen eingesetzt. Sie ermöglichen eine optische Aufklärung im Bereich eines aufgespürten Signals, so dass die Soldaten vermutete Feindaktivität an einem Ort im Gelände bestätigen können.

Bundeswehr/Mario Bähr

Stichwort Personal, aktuell ein sehr heißes Thema: Wie sieht es da bei der EloKa aus?

Der Bedarf ist auf jeden Fall hoch. Wir haben durch unsere Aufgaben bei der NATO jetzt ein sehr großes zusätzliches Paket an Aufgaben, die wir mit einer Personalstruktur leisten müssen, die bis vor relativ kurzer Zeit noch auf Friedensbetrieb ausgelegt war. Was wir für die Zukunft dringend benötigen, sind zum Beispiel IT-Feldwebel, da die EloKa nun mal sehr IT-lastig ist. Die Aufklärungssysteme und generell alle unsere Gefechtsfahrzeuge sind jedes für sich ein Sammelsurium verschiedenster IT-Systeme, die administriert werden müssen. Dafür brauche ich Experten, die entsprechend lange ausgebildet werden müssen, um mit der komplexen Technik auch arbeiten zu können. 

Also kurzum: Wir sind eine hochentwickelte und sehr innovative Truppengattung, aber auch wir brauchen mehr Personal. Das muss einerseits Lust haben, mit Hightech zu arbeiten, andererseits aber auch infanteristisch befähigt werden, da wir eben frontnah eingesetzt würden. Wer sich dazu berufen fühlt, ist bei uns genau richtig.

Und hinsichtlich des Materials? Auch da ist ja aktuell viel im Umbruch oder viel mehr im Zulauf in unseren Streitkräften. Merken Sie das bei sich auch?

Auch hier ganz klar ja. Wir erwarten schon in diesem Jahr und auch in den kommenden Jahren einen großen Zulauf an neuem Material. Ich kann hier nicht zu sehr ins Detail gehen, einfach weil das wirklich State of the Art-Technik ist und entsprechend in Teilen auch geheim. Was ich aber sagen kann ist, dass die ersten Systeme, die aus einem Maßnahmenpaket für die Steigerung der Verteidigungsfähigkeit zu uns kommen, unbemannte Systeme sind. Das können Sie sich als Sensoren vorstellen, die Sie in der Nähe der Front platzieren und die ihre Aufklärungsergebnisse dann über Funk oder Glasfaser nach hinten, also weg von der Front übermitteln, wo diese dann von den Soldatinnen und Soldaten ausgewertet werden können. 

Wir gehen also davon weg, unser Personal in gepanzerten Fahrzeugen direkt an der Front zu exponieren und damit auch einer größeren Gefahr auszusetzen und machen die Arbeit stattdessen in geschützteren Bereichen. Außerdem werden wir in Zukunft auch noch mehr auf Drohnen setzen. Das hat ebenfalls den Vorteil, dass ich weniger Bewegung am Boden habe. Gleichzeitig sind die unbemannten Fluggeräte günstig und leicht zu beschaffen, wohingegen ein Mensch, den ich einer Gefahr aussetzen muss, unersetzbar ist. 

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