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Die deutsch-niederländische Brunnenbohrkampagne in der Brunssummerheide

Die deutsch-niederländische Brunnenbohrkampagne in der Brunssummerheide

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Das Bohrgerät der niederländischen Pioniere hat sich Meter um Meter durch die Bodenschichten gearbeitet. Zurück bleibt ein 72 Meter tiefes Bohrloch. Nun beginnt in der Brunssummerheide im Südosten der Niederlande die Arbeit der Geologinnen und Geologen des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr. Über eine Winde lassen sie nacheinander mehrere Messsonden in die Tiefe ab. Die Messsonden fahren bis zum Grund und werden mit festgelegter Geschwindigkeit wieder heraufgezogen. Dabei erfassen sie nicht nur den Durchmesser des Bohrlochs, sondern auch Daten, die Rückschlüsse auf den elektrischen Widerstand der Bodenschichten und die natürliche Gamma-Strahlung des Gesteins zulassen. Anhand der Messwerte beurteilen die Geologinnen und Geologen zunächst, ob die Bohrung ein Erfolg war. Anschließend prüfen sie, ob und wie sich die Bohrung zu einem Brunnen ausbauen lässt.

Ein Bohrgerät steht in einem Waldstück.

Das Bohrgerät des niederländische Bohrzugs Ende August 2026 in der Brunssummerheide

Regiment Genietroepen

Im Spätsommer 2026 traf niederländische Bohrtechnik auf die geologische Expertise des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw). Der in der Brunssummerheide gebohrte Brunnen wird in Zukunft Löschwasser für das Naturschutzgebiet liefern. Die Bohrung ist nicht zuletzt Antwort auf die trockenen, heißen Sommer der vergangenen Jahre. Für die Bundeswehr bot das Projekt zugleich die Gelegenheit, gemeinsam mit den Pionieren des NATO-Partners Niederlande Fähigkeiten zu trainieren, die schon für die Einsatzarmee von großer Bedeutung waren und auch für die Armee der Zeitenwende relevant bleiben: die Erkundung und Erschließung der Ressource Wasser.

Wasser sichert Einsatzfähigkeit

„Wasser ist ein Grundbedürfnis. Es geht um die Versorgung von Feldlagern, um Trinkwasser für Soldatinnen und Soldaten, Brauchwasser für Fahrzeuge oder ABC-Dekontamination. Wenn uns das Wasser ausgeht, geht uns auch die Einsatzfähigkeit aus“, erklärt Major Marius P.*, der die geologische Unterstützungsgruppe in der Brunssummerheide führte.

Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass kritische Infrastruktur wie Pumpstationen, Kläranlagen und Wasserkraftwerke zu unmittelbaren Angriffszielen werden. Fällt die Wasserversorgung aus, ist neben einer Verschärfung der zivilen Lage auch die militärische Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Streitkräfte müssen daher ihre Versorgung selbst sicherstellen können. Dazu sind die Erkundung von Grundwasser, der Bau von Brunnen und die Prüfung ihrer Funktionsfähigkeit entscheidend. Pioniere und geologische Fachkräfte arbeiten dafür Hand in Hand.

Alte Routinen, neue Abläufe

In Deutschland gehört die Zusammenarbeit von Pionieren und den geologischen Unterstützungstrupps zur Routine. Geologinnen und Geologen des ZGeoBw begleiten den Bohrzug des Spezialpionierregiments 164 regelmäßig auf Truppenübungsplätzen und in Liegenschaften der Bundeswehr. Die Aufgaben sind klar verteilt: Mit ihrer Technik und Expertise schaffen die Spezialpioniere den Zugang zum Untergrund und bauen die Brunnen aus. Die geologischen Fachkräfte dokumentieren die Bohrung, bewerten Bodenproben und prüfen, ob die Bohrung und der Ausbau des Brunnens den Planungen entsprechen.

Bodenansprache nennen Fachleute die geologische Einordnung der Bodenproben. Kies, Sand, Schluff oder Ton – jede Schicht wird beschrieben. So entsteht Schritt für Schritt ein Bild des Untergrunds. Wer dessen Aufbau kennt, kann wasserführende Schichten erkennen und Filterstrecken, Rohre und Abdichtungen planen.

Soldaten stehen in einem Waldstück mit einem Bohrgerät.

Die internationale Kooperation am Bohrloch stellt routinierte Abläufe in Frage und verlangt gute Kommunikation

Regiment Genietroepen

Internationale Begegnung am Bohrloch

Innerhalb der Bundeswehr ist die Zusammenarbeit über Jahre gewachsen. Die Abläufe sind eingespielt. Auf internationale Kooperationen lässt sich das jedoch nicht ohne Weiteres übertragen. Unterschiedliche Ausbildungen, Geräte und Verfahren könnten die Zusammenarbeit im Fall der Fälle erschweren.

Deshalb entstand im Frühjahr 2026 die Idee zur deutsch-niederländischen Zusammenarbeit. Am Rande einer Übung traf der niederländische Bohrzug des Pionierbataillons 101 auf die Geologinnen und Geologen des ZGeoBw. Dabei wurde klar: Das ZGeoBw verfügt über eine bei den europäischen NATO-Partnern seltene Fähigkeit. Die Bundeswehr setzt eigene Teams für die Bohrbegleitung ein. Die Niederlande müssen diese Leistung hingegen von zivilen Anbietern beziehen.

Gemeinsame Sprache entsteht durch Übung

Drei Tage lang arbeiteten beide Seiten eng zusammen. Es ging nicht nur um Messungen und Proben: Die Beteiligten mussten Verfahren anpassen, Daten gemeinsam bewerten und Entscheidungen abstimmen. Am Bohrloch verständigten sich die deutschen und niederländischen Soldatinnen und Soldaten auf Englisch. Die gemeinsame Dienstsprache beseitigte jedoch nicht alle Verständigungsschwierigkeiten. Bei der Bohrung griffen beide Seiten auf unterschiedliche Begriffe zurück, erzählt Major Marius P.: „Die deutsche Bohrtechnik verwendet ganz andere Fachbegriffe als die niederländische.“

Auch bei den Arbeitsabläufen mussten beide Seiten neue, gemeinsame Wege gehen. In welcher Reihenfolge erfolgt der Ausbau des Bohrlochs zum Brunnen? Welche Proben werden wann genommen? Welche Daten werden benötigt? Wie werden Ergebnisse dokumentiert und bewertet? Solche Fragen lassen sich nicht mit dem Blick in die Vorschrift beantworten. Sie müssen in der Zusammenarbeit geklärt werden – von der Organisation der Bohrung bis hin zu den technischen Details.

Mehr als ein Brunnen

Die gemeinsame Erfahrung am Bohrloch wird für spätere multinationale Kooperationen relevant sein. Somit liefert die Brunnenbohrkampagne 2026 zukünftig nicht nur Löschwasser im Naturschutzgebiet Brunssummerheide, sondern auch wertvolle Erfahrungen für die weitere Zusammenarbeit mit den Niederlanden als Nachbar und Bündnispartner.

*Name zum Schutz der Person abgekürzt

von Marina Heyink  E-Mail schreiben

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