Heer

Das digitale Herz der NATO-Speerspitze schlägt

Das digitale Herz der NATO-Speerspitze schlägt

  • Digitalisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
4 MIN

Egal woher sie kommen, ITInformationstechnik-Spezialisten auf der ganzen Welt verstehen die gemeinsame Sprache von Bits und Bytes. Oberst i.G.im Generalstabsdienst Manfred Kutz ist Fachmann für Führungsunterstützung im Kommando Heer. Er erklärt, wie sich ITInformationstechnik-Spezialisten der NATONorth Atlantic Treaty Organization vorbereiten, um Tausende Soldaten der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Speerspitze zu vernetzen und sie fit für den Einsatz zu machen. In Strausberg hat dazu jetzt eine erste Konferenz stattgefunden.

Ein Soldat in grüner Uniform hält vor Soldaten aus vier verschiedenen Nationen eine Präsentation in einem Saal.

Einsatzvorbereitung im Konferenzsaal: ITInformationstechnik-Spezialisten der NATONorth Atlantic Treaty Organization bereiten sich auf den Einsatz für die Schnelle Eingreiftruppe 2023 vor. Oberst Manfred Kutz, unser Gesprächspartner, hält einen Vortrag.

Bundeswehr/Marco Dorow

In der Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) der NATONorth Atlantic Treaty Organization, der Schnellen Eingreiftruppe, arbeiten Soldatinnen und Soldaten aus verschiedenen Nationen zusammen, aber alle haben unterschiedliche Ausstattungen und verwenden verschiedene Verfahren. Bevor die Truppe in drei Jahren in Bereitschaft geht, müssen sich die ITInformationstechnik-Fachleute der Einsatztruppe intensiv abstimmen und vorbereiten. Wie ein Schüler muss die Speerspitze vor ihrer Bereitschaft eine Reihe von Prüfungen meistern und sich zertifizieren.

Herr Oberst Kutz, wie gelingt es, die Kommunikation so vieler Soldaten untereinander zu vernetzen und zu synchronisieren, damit die VJTFVery High Readiness Joint Task Force ihr Abschlussexamen besteht? 

Eine US-amerikanische Soldatin in graugrüner Uniform sitzt neben deutschen Soldaten.

Bei der VJTFVery High Readiness Joint Task Force werden nicht nur die taktischen Elemente auf dem Gefechtsfeld miteinander digital verknüpft. Auch die Verbindung zur NATONorth Atlantic Treaty Organization muss stehen. Dazu nehmen an der CISCommunication and Information Systems-Konferenz Vertreter aus NATONorth Atlantic Treaty Organization-Stäben teil.

Bundeswehr/Marco Dorow

Oberst Kutz: Vernetzung ist ein ganz wichtiges Stichwort. Ein so großer multinationaler Einsatzverband wie die VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 muss gut vernetzt sein und kommunizieren können, um ihren Auftrag in voller Kraft zu meistern. Unsere Aufgabe als ITInformationstechnik-Spezialisten ist es, eine einheitliche Führung zu gewährleisten, von der NATONorth Atlantic Treaty Organization an der Spitze bis runter zur tiefsten Ebene auf dem Gefechtsfeld, auf dem unterschiedliche Nationen Seite an Seite kämpfen können müssen. Sicherheit spielt für uns dabei eine ganz besondere Rolle, denn es soll verschlüsselt kommuniziert werden. Das ist eine von mehreren NATONorth Atlantic Treaty Organization-Vorgaben, die wir erfüllen müssen, um unsere Prüfung zu bestehen.

Wie gelingt es den ITInformationstechnik-Spezialisten, dieses Netz aufzubauen?

Vor einem Zelt knieend verlegen zwei Soldaten während einer Übung Kabel und verknüpfen sie mit IT-Geräten.

Die ITInformationstechnik-Spezialisten der Truppe müssen die Speerspitze, sprich: ihre Kommunikationssysteme, physisch vernetzen. Die Konferenzen, die weit im Vorfeld der VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Bereitschaftsphase laufen, bilden dafür die Grundlage.

Bundeswehr/Marco Dorow

Wir nutzen ein bewährtes Prinzip der NATONorth Atlantic Treaty Organization, das Federated Mission Networking. Zu Deutsch: Jede Nation kommt mit ihren Ideen, mit ihren Entwicklungen und bringt sich ein, das Ganze natürlich im Vorfeld national zertifiziert, überprüft und akkreditiert. Und dann geht es ans Zusammenschalten. Hier schauen wir, ob der Informationsaustausch über die vernetzten und angepassten Systeme funktioniert, wie die Truppe es für den Einsatz braucht. Wir entwickeln die Informationsaustauschbeziehungen, also wer muss mit wem Informationen austauschen. Die Beziehungen werden vorher klar definiert und das geht über alle Bereiche hinweg – also über die Logistik, über die Kampftruppe und über die Stäbe und Operationszentralen. Jeder hat besondere Anforderungen des Informationsaustauschs. Und da müssen wir als Fachleute immer wieder zusammenkommen, wie beispielsweise bei den CISCommunication and Information Systems-Konferenzen. CISCommunication and Information Systems steht für Communication and Information Systems. Bereits in dieser Woche, also zweieinhalb Jahre vor Beginn der VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Bereitschaftsphase, haben wir uns nun bei der ersten CISCommunication and Information Systems-Konferenz getroffen.

Wie läuft eine CISCommunication and Information Systems-Konferenz ab?

Ein Soldat diskutiert während einer Konferenz.

Für die Eingreiftruppe der NATONorth Atlantic Treaty Organization bringen ITInformationstechnik-Spezialisten aus den Niederlanden, Norwegen, den USAUnited States of America und Deutschland ihre Fachexpertise mit ein. Jede Nation hat andere technische und fachliche Anforderungen, die vereint werden müssen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Unter Leitung des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr kommen Vertreter aller beteiligten Nationen sowie Vertreter aus den NATONorth Atlantic Treaty Organization-Korpsstäben zusammen an einem Tisch. Hier schauen wir, wie können sich die Nationen weiter einbringen mit welchen Fähigkeiten. Mit welchen Informations- und Kommunikationssystemen können sie sich anschließen, um letztendlich ein Gesamtpaket zu schnüren, wie wir die NATONorth Atlantic Treaty Organization Response Force von 2022 bis 2024 und damit auch die VJTFVery High Readiness Joint Task Force im Bereich der Informations- und Kommunikationssysteme ausgestalten. Wir als Heer sind mit unserer Panzergrenadierbrigade 37 der größte Truppensteller und die verantwortliche Nation. Wir brauchen aber auch dringend die Unterstützung aus anderen Bereichen der Bundeswehr, denn nur gemeinsam können wir diese Mammutaufgabe meistern.

Was wird von Ihnen erwartet?

Ein deutscher Kampfpanzer steht bei Sonnenuntergang auf einem Übungsplatz.

Bei nationalen Übungen bereiten sich die Soldaten der VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 bereits auf ihre Rolle als NATONorth Atlantic Treaty Organization-Speerspitze vor. Im Gefecht sollen sie aber alle gemeinsam kämpfen können. Dazu müssen alle Führungssysteme miteinander verknüpft sein.

Bundeswehr/Andy Ebers

Unser Kernziel ist es, den Fortschritt, die Lage der Digitalisierung in den jeweiligen Nationen zu koordinieren und zu synchronisieren. Wir schauen, wie wir die Interoperabilität für VJTFVery High Readiness Joint Task Force gewährleisten, und fragen uns: Müssen wir noch gewisse Übertragungsmedien einschalten? Am Ende der CISCommunication and Information Systems-Konferenz wissen wir, welche Funkgeräte, welche Lagedarstellung und welche Entscheidungstools die Nationen gemeinsam haben, wie wir E-Mails austauschen, wie wir chatten. Wir zeigen von deutscher Seite aus unseren Planungsansatz als Rahmennation. Am Ende der Veranstaltung wird ein Produkt stehen, ein gemeinsames Konzept, ein Plan. Jeder bringt sich bei diesem Plan mit ein und wir wissen dann: Woran müssen wir noch arbeiten und was sollten wir nachsteuern?

Stichwort Digitalisierung. Was hat das damit zu tun?

Ein Soldat arbeitet unter Rotlicht in einem Fahrzeug an einem Laptop.

Die Soldaten der Panzergrenadierbrigade 37 werden für ihren Auftrag als VJTFVery High Readiness Joint Task Force als erstes mit dem neuen digitalen Battle Management System Sitaware ausgestattet.

Bundeswehr/Marco Dorow

Sehr viel. Die Panzergrenadierbrigade 37 wird gerade als erste deutsche Brigade mit dem neuen digitalen Führungssystem ausgestattet. Mit dem sogenannten Battle Management System wird die Brigade als Kern der VJTFVery High Readiness Joint Task Force in der Lage sein, Lageinformationen schneller und präziser zu erhalten, um dann Führungsentscheidungen schneller treffen und umsetzen zu können. Auch in den Gefechtsständen soll mit einem digitalen Lagedarstellungs- und Planungstool die Lage auf dem Gefechtsfeld greifbar dargestellt werden. Zur Digitalisierung der VJTFVery High Readiness Joint Task Force kommen aber auch noch viele weitere ITInformationstechnik-Projekte, auch aus anderen Nationen hinzu, wie beispielsweise aus dem Bereich der Satellitenkommunikation sowie aus den Bereichen Funk und Informationsverarbeitung. Wir haben die Aufgabe, alle Projekte frühzeitig zu synchronisieren, sie zu einem großen Ganzen zusammenfügen und das digitale Herz zum Schlagen zu bringen. Deutschland trägt dabei eine zentrale Rolle.

Wie geht es jetzt weiter?

Ein Soldat sitzt vor einem Laptop, ein anderer steht neben ihm und zeigt auf den Bildschirm.

Zurzeit werden die digitalen Systeme in der Truppe eingerüstet und das Personal daran ausgebildet. Während der CISCommunication and Information Systems-Konferenz wird bereits geplant, wie die Technologien untereinander verknüpft werden können. Das Ziel: Kampfbereitschaft.

Bundeswehr/Marco Dorow

Während wir aktuell gerade die technischen Grundlagen schaffen, beginnen wir bereits im nächsten Jahr, die ersten NATONorth Atlantic Treaty Organization-Überprüfungen mit der neuen Technologie zu durchlaufen. Jede Nation macht sich erst einmal auf nationaler Ebene fit, bildet sein Personal aus und akkreditiert sich für die spätere multinationale Zertifizierung. Unser gemeinsames Ziel ist es, zusammen in 2022 die Zertifizierung für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force zu erhalten und 2023 einsatzbereit und vernetzt in die Bereitschaft zu gehen. Stück für Stück.

von Peter Müller

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