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Wehrbeauftragte: „Ich bin hier, um Ihnen zuzuhören“

Wehrbeauftragte: „Ich bin hier, um Ihnen zuzuhören“

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Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
7 MIN

Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Eva Högl hat vom 29. bis 31. März die Gebirgsjägerbrigade 23 sowie die unterstellten Gebirgsjägerbataillone 231 und 232 in Bad Reichenhall und Bischofswiesen besucht. Innerhalb von drei Tagen erhielt sie einen umfassenden Einblick in die Aufträge und aktuellen Handlungsfelder der Gebirgstruppe und konnte sich ein Bild über die Stimmung der Soldatinnen und Soldaten im Berchtesgadener Land machen.

Eine Zivilistin und eine Soldatin stehen vor einem Kettenfahrzeug und reden miteinander.

Die Kompaniechefin der Grundausbildungseinheit, Hauptmann Sandra Muth, erklärt Eva Högl, wie die Grundausbildung abläuft. Anschließend wird Högl mit dem Geländetransportfahrzeug BVBeschaffung und Vertragsangelegenheiten 206 Hägglunds (hinten) zum nächsten Programmpunkt gefahren.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Als Hilfsorgan des Bundestages bei der Kontrolle der Streitkräfte kann die Wehrbeauftragte auf Weisung des Bundestages oder des Verteidigungsausschusses aktiv werden. Zur Gebirgstruppe ist Eva Högl aber „aus eigener Initiative“ gekommen, wie sie betont. „Ich möchte mich über die Gebirgsjägerbrigade 23 informieren. Besonders interessiert mich, wie die Gebirgsjäger ihre Aufträge Auslandseinsatz, Ausbildung und Amtshilfe in Zeiten der Corona-Pandemie erfüllen“, erklärt die Wehrbeauftragte zu Beginn ihres Besuches. Ein entsprechend vielseitiges Programm mit vielen Gesprächen erwartet die Anwältin der Soldaten.

Am ersten Tag der Visite wird sie vom Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Maik Keller, begrüßt: „Ich freue mich über Ihr Interesse an der Truppe – insbesondere an der Gebirgsjägerbrigade 23.“ In einem persönlichen Gespräch mit dem Brigadekommandeur und einem anschließenden Lagevortrag wird sie über die aktuellen Themen und Aufträge der Brigade informiert. „Insbesondere die Einsatzgestellung und Ausbildung unserer Soldaten vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie stellt die Gebirgsjägerbrigade 23 vor besondere Herausforderungen“, erläutert Keller.

Baumaßnahmen in der Hohenstaufen-Kaserne

Zwei Soldaten und zwei Zivilisten mit Mund-Nasenschutz stehen neben einem Flipchart.

Oberstleutnant Thomas Nockelmann (l.) erläutert der Wehrbeauftragten Eva Högl die geplanten und im Bau befindlichen Infrastrukturprojekte in der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

In einem anschließenden Kasernenrundgang informiert sich die Politikerin über den Stand der Bauprojekte, die unter anderem infolge der Agenda Attraktivität beschlossen worden waren: „Über allen Bauvorhaben innerhalb der Kaserne steht die Trennung von Wohn- und Funktionsbereichen“, berichtet der Kasernenkommandant, Oberstleutnant Thomas Nockelmann. Mit der Agenda Attraktivität definiert der Arbeitgeber Bundeswehr auch das Leben und Wohnen der Soldatinnen und Soldaten in den Kasernen neu. Moderne Unterkünfte werden so auch in der Hochstaufen-Kaserne bis 2026 Standard. Darüber hinaus wird auch der Bau der hochmodernen Indoor-Schießhalle sowie des vielseitigen Kletterturms zur Steigerung der Ausbildungsqualität vorgestellt.

Bei ihrer Visite geht es der seit Mai 2020 amtierenden Wehrbeauftragten besonders um Tuchfühlung vor Ort. Sie will die Sorgen und Probleme der Soldaten aufnehmen und sich ein vollumfängliches Bild aus unterschiedlichen Blickwinkeln verschaffen. In den folgenden fünf Stunden nimmt sich Eva Högl Zeit für Gespräche mit Vertretern aller Dienstgradgruppen sowie den Truppenpsychologen und Militärpfarrern des Standortes. „Ich bin nicht hier, um Ihnen einen Vortrag zu halten, sondern um Ihnen zuzuhören und Ihre Anliegen mit nach Berlin zu nehmen“, erklärt die Wehrbeauftragte zu Beginn der ersten Gesprächsrunde.

Gesprächsthema Coronahilfe

Drei Personen sitzen getrennt voneinander an Tischen.

In verschiedenen Gesprächsrunden können die Soldatinnen und Soldaten ihre Anliegen schildern.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

„Die Soldatinnen und Soldaten zeigten sich sehr motiviert, engagiert und größtenteils zufrieden. Die Themen in den Gesprächsrunden waren vor allem geprägt von den Umständen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen in der Ausbildung und Einsatzbereitschaft. Die Amtshilfe ist eine zusätzliche Herausforderung für die Soldaten. Dabei sollten die Kapazitäten nicht überstrapaziert werden“, fasst die Wehrbeauftragte die Gespräche zusammen.

Nützliche Tragtiere

Zwei Soldaten beladen ein Maultier mit Waffen, eine Zivilistin in einem blauen Anzug und ein Soldat schauen zu.

Hauptfeldwebel Steven Pyko (2.v.l.), Zugführer im Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen, erklärt der Wehrbeauftragten Eva Högl das Beladen der Tiere mit der Granatmaschinenwaffe.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Am späten Nachmittag informiert sich Högl über das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen. Nach einem kurzen Gespräch mit der Dienststellenleiterin, Oberfeldveterinär Heike Henseler, kann sich die Wehrbeauftragte bei einer dynamischen Vorführung direkt von den Leistungen der Tiere und Soldaten überzeugen. Neben dem Abladen der Tragtiere aus den Fahrzeugen und dem Beladen der Maultiere werden ihr unter anderem auch das militärische Reiten, die Hufschmiede und die Stallungen der Tiere gezeigt. Die Tiere werden eingesetzt beim begleitenden Einsatz im Angriff, zur Versorgung von abgesetzt operierenden Gebirgsjägern und sind auch bei der Erkundung, Aufklärung oder Überwachung von schwer zugänglichen Geländeabschnitten dabei. „Ich bin ganz begeistert, das Tragtierwesen ist etwas ganz Besonderes. Von seinem Einsatzwert bin ich voll überzeugt“, resümiert Högl zum Abschluss des Programmpunktes.

Was bedeutet „Infanterist der Zukunft“?

Im Vordergrund sprechen eine Zivilistin und ein Soldat miteinander, im Hintergrund stehen Soldaten und ein Fahrzeug.

Der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 231, Oberstleutnant Dennis Jahn (v.r.), erläutert der Wehrbeauftragten das System „Infanterist der Zukunft“ anhand angetretener voll ausgerüsteter Soldaten und die Einsatzmöglichkeiten des GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Auch die Reichenhaller Jager gestalten den Besuch der Wehrbeauftragten abwechslungsreich und informativ. Der Bataillonskommandeur des Gebirgsjägerbataillons 231, Oberstleutnant Dennis Jahn, stellt Högl den Verband zu Beginn in einem kurzen Lagevortrag vor. Auch vom Leistungsvermögen des Gepanzerten Transportkraftfahrzeugs (GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug) Boxer, das bei den Gebirgsjägern nur in Bad Reichenhall eingesetzt wird, überzeugt sich die Wehrbeauftragte. Mit diesem Fahrzeug gewinnt das Gebirgsjägerbataillon 231 an Beweglichkeit, Schutz und Wirkung und kann somit durchschlagskräftiger eingesetzt werden. Der infanteristische Einsatz zu Fuß im Gebirge bleibt dennoch das bestimmende Merkmal dieses Verbandes.

Ausrüstung und Fähigkeiten

Ein Soldat steigt eine Kletterwand hoch, während eine Soldatin einer Zivilistin etwas erklärt.

Heeresbergführerin, Hauptfeldwebel Beatrice Soyer (2.v.l.), erklärt Eva Högl die Ausrüstung der Gebirgsjäger und worauf es beim militärischen Klettern ankommt.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Deshalb darf natürlich auch die ausführliche Einweisung in das gebirgseigentümliche Gerät sowie in die Ausrüstung der Gebirgstruppe durch die einzige aktive Heeresbergführerin, Hauptfeldwebel Beatrice Soyter, nicht fehlen. Der Auftrag der Gebirgsjäger – der Kampf im schwierigen bis extremen Gelände, einschließlich großer Höhen und unter extremen Klima- und Wetterbedingungen – stellt nicht nur hohe Anforderungen an Ausrüstung und Bekleidung im Operationsgebiet der Gebirgsjäger, sondern auch an die Gebirgssoldaten selbst. Diese Fähigkeiten werden der Wehrbeauftragten in einer kleinen Vorführung gezeigt. Jahn macht die Politikerin vor diesem Hintergrund auch darauf aufmerksam: „Die Sicherstellung unseres Kernauftrages im besonderen Fähigkeitsprofil der Gebirgsjägerbrigade 23, die sehr zeitintensive Ausbildung am GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, die Amtshilfe und die regelmäßige Einsatzgestellung – wir kommen gerade erst aus Mali zurück und werden im Oktober 2022 erneut Einsatzkräfte für die Trainingsmission EUTMEuropean Union Training Mission stellen – ist für uns derzeit eher ein Drahtseilakt, der vor allem dem Führungspersonal viel abverlangt.“

„Ich verspreche, dass ich mich einsetzen werde“

Ihre Erkenntnisse erhält die Wehrbeauftragte allerdings nicht nur durch Truppenbesuche oder Gespräche. Wichtige Informationsquellen sind für sie auch die direkten Eingaben der Soldaten an sie mit Anliegen oder der Beschreibung von Missständen, ohne dass die Soldaten dabei den Dienstweg einhalten müssen. Für ein unmittelbares Stimmungsbild „aus erster Hand“ kommen an diesem Tag auch die Gespräche mit den Soldatinnen und Soldaten, vom Gefreiten bis zum Oberstleutnant, nicht zu kurz. „Dies ist ein besonderer Standort und ein ganz besonderer Verband. Vor allem der kameradschaftliche Zusammenhalt, das Miteinander und die hohe Motivation haben mir heute sehr imponiert. Die Gesprächsrunden waren sehr intensiv. Die Soldatinnen und Soldaten haben viele Anliegen vorgetragen– von der Infrastruktur über Ausrüstung bis hin zum kameradschaftlichen Zusammenhalt. Ich verspreche, dass ich mich engagiert dafür einsetze, für die angesprochenen Probleme Verbesserungen zu erreichen“, sagt Eva Högl am Ende des zweiten Tages.

Gebirgsjäger gehen nach Mali

Zwei Soldaten liegen in einer kleinen Senke und haben ihre Waffen im Anschlag. Mehrere Personen beobachten die Situation.

Vor der Grundausbildung der Rekruten erfolgt die Ausbildung der Ausbilder. Dabei werden Standards festgelegt, die dann für die jungen Soldatinnen und Soldaten gelten.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Wenn die Wehrbeauftragte einmal im Berchtesgadener Land ist, besucht sie auch gleich noch das Gebirgsjägerbataillon 232 in Bischofswiesen. Der stellvertretende Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Benedikt Zacher, informiert die Wehrbeauftragte in einem kurzen Vortrag über die Aufträge und Herausforderungen der Struber Jager. Etwa 100 Soldaten der 2. Kompanie des Bataillons stellen derzeit die Objektschutzkompanie für den Einsatz in Mali MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen Mali). Weitere 120 Soldaten der 3. Kompanie stehen auf Abruf für die Europäische Trainingsmission EUTMEuropean Union Training Mission (European Union Training Mission) ebenfalls bereit. „Wegen der Corona-Pandemie war und ist sowohl die Einsatzvorbereitung wie auch der Einsatz selbst für die Struber Jager mit erheblichen organisatorischen Aufwand und persönlichen Entbehrungen verbunden. Das bedeutet 14 Tage Quarantäne vor dem Einsatz, Isolation in festen Gruppen vor Übungen und damit verbundene lange Abwesenheiten von der Familie“, erklärt Zacher.

Mehraufwand bei der Grundausbildung

Zum Gebirgsjägerbataillon 232 gehört zudem eine Grundausbildungseinheit. Die Kompaniechefin, Hauptmann Sandra Muth, stellt sie vor. „Am 12. April werden schon die nächsten 167 Rekruten in Bischofswiesen ausgebildet. Für die Grundausbildung stehen insgesamt neun Wochen zur Verfügung. In durchgehenden zwei Wochenblöcken – täglich von 5 Uhr bis 22 Uhr, inklusive Wochenende – werden die Rekruten in getrennten Ausbildungsgruppen und unter einem strengen Hygienekonzept unterrichtet. Vor Beginn eines jeden Ausbildungsblocks sind Schnelltests vorgesehen“, erläutert Muth. Högl zeigt sich begeistert von dem System: „Es ist gut, wenn die Rekruten durchgängig 14 Tage zu Beginn der Grundausbildung zusammen sind, damit sich die Ausbilder sowie die Kompaniechefin ein Bild von ihnen machen können.“

Besuch als Grundlage für späteren Bericht

Eine Zivilistin und ein Soldat stehen vor einem Findling in einer Kaserne.

Brigadegeneral Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, begrüßt die Wehrbeauftragte des Bundestages Eva Högl in der Hohenstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall in Bayern.

Bundeswehr/Sarah Hofmann

Doch bevor die Grundausbildung beginnt, findet die obligatorische Ausbildung der Ausbilder statt, um einheitliche Ausbildungsstandards festzulegen. Kompaniechefin Muth berichtet der Wehrbeauftragten, dass zur Ausbildung auch die Unterrichtseinheit Politische Bildung gehört, bei der Experten den designierten Gruppenführern zeigen, wie man Extremisten frühzeitig erkennen und herausfiltern kann.

Die Wehrbeauftragte legt einmal jährlich ihre gewonnenen Erkenntnisse zur inneren Lage der Bundeswehr im „Bericht des Wehrbeauftragten“ dem Bundestag vor. „In den Jahresbericht fließen die Eingaben, die meldepflichtigen Ereignisse, die Truppenbesuche und sonstigen Gespräche ein, die ich führe. Mir geht es in meinem Bericht vor allem darum, die Soldatinnen und Soldaten zu unterstützen, indem ich Mängel klar anspreche und Positives hervorhebe“, erklärt Eva Högl nach drei Tagen Visite bei der Gebirgstruppe zum Abschluss.

von Sarah Hofmann

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