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Übung Volcanex CHIP

CH-53 und CH-47: Gegenwart und Zukunft der Luftwaffe fliegen gemeinsam

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CH-53 und CH-47: Gegenwart und Zukunft der Luftwaffe fliegen gemeinsam

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Die Luftwaffe und die Koninklijke Luchtmacht der Niederlande haben mit je zwei Transporthubschraubern CH-53 und CH-47 erstmals in Holzdorf zusammen trainiert. Dabei lernten die deutschen Soldatinnen und Soldaten die Fähigkeiten ihres künftigen Waffensystems kennen: beim Transport von Personal, von Außen- und Innenlasten, beim schnellen Abtransport von Verwundeten und beim Tanken im Gelände.

Zwei Hubschrauber, einer davon mit Tandemrotoren, beim Anheben von Außenlasten.

Gegenwart und Zukunft der Luftwaffe bei der Übung Volcanex CHIP: Noch ist die CH-53 (vorn) der größte Transporthubschrauber der Luftwaffe, ab dem vierten Quartal 2027 wird die CH-47 (hinten) in der Block-II-Variante sie nach und nach ablösen

Bundeswehr/Cora Mohrdieck

Das dunkle Brummen der CH-53 vom Hubschraubergeschwader 64 und das etwas hellere, „flappende“ Tandemrotoren-Geräusch der CH-47 Chinook erfüllen die Luft. Als Zweierformation dröhnen sie über den Fliegerhorst im brandenburgischen Holzdorf, um dort jeweils ein Wiesel, ein gepanzertes Kettenfahrzeug, an die Haken zu nehmen und mit dem Fahrzeug als Außenlast weiterzufliegen.

Dies ist nur eine von vielen Aufgaben, die Deutsche und Niederländer in der zweiten Aprilhälfte 2026 in und um Holzdorf miteinander trainiert haben. Volcanex CHIP heißt diese erste kombinierte Hubschrauberübung, die von der European Air Group, kurz EAG, initiiert wurde. CHIP steht für Cargo Helicopter Interoperability Project. „Wir wollen diese Übung in Zukunft alle zwei Jahre mit möglichst vielen Nutzernationen durchführen, das nächste Mal 2028 in den Niederlanden“, sagt Lieutenant Colonel (Oberstleutnant) Fred Wesseling. Er ist bei der EAG der Senior Resident National Officer (SRNO), der leitende nationale Beauftragte der Niederlande. Jedes Mitgliedsland ernennt einen SRNO, der das ranghöchste Mitglied des Stabes seiner Nation innerhalb der EAG ist. „Unser Ziel bei Volcanex CHIP ist es, die Nutzer der CH-47 zusammenzubringen, damit sie voneinander lernen und noch besser miteinander arbeiten können“, so Wesseling. „Gleichzeitig wollen wir die binationale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden fördern.“

Für die Übung Volcanex CHIP sind zwei CH-47-Hubschrauber der niederländischen Luftstreitkräfte von der Airbase Gilze-Rijen nach Holzdorf eingeflogen. Nur drei Flugstunden trennen die beiden Standorte. Vom Fliegerhorst in Holzdorf wurden dann an drei Tagen zahlreiche wichtige Verfahren geübt: der Transport von Personen und von Lasten, das Betanken der Hubschrauber im Gelände bei laufenden Rotoren und der schnelle Abtransport von Verwundeten, Casualty Evacuation (CasEvac) genannt, da er ohne einen medizinischen Rüstsatz stattfindet.

Enge Partnerschaft der Chinook-Nutzerstaaten

Luitenant-kolonel (Oberstleutnant) Sander Spithoven, der Staffelkapitän der 298. Staffel aus den Niederlanden, war zum ersten Mal in Holzdorf. Er ist begeistert von den Trainingsmöglichkeiten. „Hier gibt es mehr Platz als in den Niederlanden, auch für Tief- und Nachtflüge“, sagt er. „Wir sind ein kleines Land mit vielen Menschen, darum ist es für uns großartig, hier zu üben.“

Das Wichtigste an dieser binationalen Übung sei das gegenseitige Kennenlernen, nicht nur der Crews, sondern auch der Abläufe – egal, ob es um Geschwindigkeit, Tanken oder Flugmanöver gehe. „Mit jeder gemeinsamen Übung wächst die Interoperabilität“, so Spithoven. „Mit den 60 Chinook, die die Bundeswehr bald haben wird, ist Deutschland ein großer Partner für künftige Missionen. Denn wenn wir irgendwohin in den Einsatz gehen, werden wir das immer mit Partnern tun.“ Umso wichtiger sei es, eine enge Verbindung und Partnerschaft mit allen Chinook-Nationen aufzubauen und zu pflegen.

Deutsche lernen in den Niederlanden

Das findet seit Sommer 2024 auch direkt in der niederländischen Staffel statt. Dort sind fünf Deutsche für drei Jahre in einer sogenannten integrierten Verwendung: Zwei Techniker, ein Technischer Offizier und ein Ladungsmeister aus Holzdorf sowie ein Pilot aus Laupheim. Sie lernen hier im praktischen Alltag, wie die CH-47 funktioniert, was sie kann und wie welches Verfahren funktioniert.

Oberstleutnant Spithoven, selbst Chinook-Pilot, freut sich über diesen Austausch. „Die Deutschen sind wirklich Teil unserer Staffel geworden. Sie nehmen an allen Übungen und Trainings teil, um so viel operationelle Erfahrung zu bekommen wie nur möglich.“ Für ihn hat die Ausbildung drei wesentliche Punkte: „Da alle fünf von der CH-53 kommen, lernen sie hier vor allem die Unterschiede zur CH-47 kennen. Sie sollen alles lernen, was wir wirklich gut können und es mit in ihre Arbeit nach Deutschland nehmen, aber sie sollen auch alles ansprechen, was wir vielleicht nicht optimal machen, sodass wir es verbessern können.“

Zwei Soldaten, ein Deutscher und ein Niederländer, stehen gemeinsam vor einem Hubschrauber.

Ladungsmeister Kai F. (l.) und sein Staffelkapitän, Oberstleutnant Sander Spithoven: Der Stabsfeldwebel von der Luftwaffe wird seit zwei Jahren zusammen mit vier weiteren deutschen Soldaten in den Niederlanden auf der CH-47 geschult

Bundeswehr/Cora Mohrdieck

Für Ladungsmeister Kai F. ist seine Zeit in den Niederlanden „eine der schönsten Erfahrungen, die ich in der Bundeswehr bisher gehabt habe“. Der 47-jährige Stabsfeldwebel arbeitet seit 2006 an der CH-53, ist seit 2010 im Flugdienst und seit 2014 bei der Luftwaffe in Holzdorf. Denn vorher gehörten die Transporthubschrauber zum Heer und waren zuletzt neben Laupheim auch in Rheine stationiert.

Mehr Zeit zum Fliegen auf der CH-47

Auf der CH-53 war Kai F. Bordtechniker, das Crewkonzept der CH-47 ist etwas anders. „Hier sitzen wir nicht mehr mit im Cockpit und haben nichts mit der Instandsetzung zu tun. Das gibt uns viel mehr Zeit für die Flüge selbst.“ Rund 400 Flugstunden hat er im Laderaum absolviert, seit er in den Niederlanden ist. „Ich werde überallhin mitgenommen und habe sehr viele Dinge kennengelernt.“ Dazu gehörten bisher Gebirgsflüge in Norwegen, Fast Roping, also das schnelle Abseilen aus der Maschine, und das Absetzen von Tauchern.

2027 kommen er und seine Kameraden nach Deutschland zurück – rechtzeitig bevor die ersten deutschen Chinooks in Holzdorf landen. Da die deutschen CH-47 aber die neue Block-II-Version sind, während die Niederlande Block-I-Maschinen fliegen, wird Kai F. noch eine Zusatzschulung erhalten.

Die Chinook zum Anfassen

Alle, die die Chinook jetzt in Holzdorf gesehen haben, waren neugierig und engagiert bei der Sache. Sie wollten so viele Information wie möglich jetzt schon bekommen. Kai F. beantwortete viele Fragen zu Beladungs- und Rollensystemen und zu den drei Lasthaken. Die CH-53 hat nur einen Haken, wodurch die Außenlast manchmal instabiler sein kann. Wenn ein Fahrzeug wie der Wiesel an zwei Punkten unter der CH-47 eingehängt wird, ist er viel stabiler in der Luft.

„Viele sagen, dass die Chinook aus den 1960er-Jahren ist“, so der Ladungsmeister. „Das stört mich etwas, denn es stimmt so nicht. Die Maschinen, die wir bekommen werden, sind ganz neu, sozusagen frisch vom Band. Die sind mit neuesten Techniken und Systemen ausgestattet. Das ist ein superneuer Hubschrauber in einer Form, die es halt schon lange gibt.“

Aufbruchsstimmung in Holzdorf

Oberstleutnant Christian K., Grundsatzreferent Hubschrauber für die gesamte Hubschrauberflotte der Luftwaffe, sieht in der Übung Volcanex CHIP einen wichtigen Meilenstein bei der Einführung der CH-47 in die Luftwaffe. „Diese Übung bietet ein großes Potenzial, wie man in Europa noch enger und stärker gemeinsam trainieren kann, um geschlossen aufzutreten und die Zukunft gestalten zu können.“

Christian K, der selbst CH-53-Pilot ist, spürt am Standort Holzdorf eine „enorme Aufbruchsstimmung, eine hohe Motivation und Arbeitsfreude, geradezu ein ‚Knistern‘. Der ganze Standort freut sich auf die CH-47. Das wird eine sehr interessante Zeit.“

von Stefanie Pfingsten

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