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Scharfes Training auf Kreta: Wo die Flugabwehr den Ernstfall probt

Landes- und Bündnisverteidigung

Scharfes Training auf Kreta: Wo die Flugabwehr den Ernstfall probt

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Die NATO Missile Firing Installation (NAMFI) auf der griechischen Insel Kreta ist der einzige Raketenschießplatz in Europa, auf dem die bodengebundene Luftverteidigung der Bundeswehr scharf schießen kann. Im Jubiläumsjahr der Luftwaffe trainieren dort Patriot- und IRIS-T-SLM-Verbände den Ernstfall – und sichern sich die NATO-Zertifizierung.

Zwei militärische Lkw mit Startgeräten der Flugabwehrsysteme Patriot und IRIS-T SLM stehen auf Kreta.

Seite an Seite üben deutsche Flugabwehreinheiten mit Patriot- (l.) und IRIS-T-SLM-Systemen (r.) auf dem NAMFI-Übungsgelände auf Kreta. Beide Systeme bilden das Rückgrat der bodengebundenen Luftverteidigung der Bundeswehr.

Bundeswehr/Tom Twardy

Die NAMFI auf Kreta ist für die deutsche bodengebundene Luftverteidigung ein Ort ohne Alternative. Die Flugabwehrraketen-Einheiten der Bundeswehr kommen regelmäßig auf den Raketenschießplatz, um mit ihren Lenkflugkörpern unter realen Bedingungen scharf zu schießen. Weit genug entfernt von zivilem Luftverkehr und bewohntem Gebiet können sie hier den vollen Wirkungsbereich der Systeme ausnutzen.

Genau das macht den Platz so wertvoll. Auf der Anlage direkt an der Küste und dem vorgelagerten Seegebiet zählt nicht die Theorie aus dem Lehrsaal, sondern der eine Moment, in dem der Flugkörper das Abschussgerät verlässt. Jeder Handgriff muss sitzen, jede Sekunde der Einsatzkette wird gemessen. Für viele Bedienerinnen und Bediener ist der scharfe Schuss auf Kreta der Höhepunkt ihrer Ausbildung – und der Beleg, dass die Mannschaft im Ernstfall liefern kann.

Ein Platz mit Geschichte

In den frühen 1960er-Jahren stellte sich für die NATO eine praktische Frage: Mit Nike Hercules und HAWK kamen weitreichende Flugabwehrraketen in die Bestände der Armeen der Bündnisstaaten. Doch wo ließen sich solche Lenkflugkörper überhaupt scharf verschießen, ohne den dicht beflogenen mitteleuropäischen Luftraum zu gefährden? Die Antwort fiel 1964 mit dem Abkommen über die NAMFI, das mehrere NATO-Staaten gemeinsam schlossen. Ab 1968 wurde der Platz auf Kreta zur festen Adresse für Generationen von Flugabwehrsoldaten und -soldatinnen der NATO-Staaten. 

Die NAMFI ist ein gemeinschaftlich betriebener Platz des Bündnisses, kein nationaler Truppenübungsplatz. Hier trainieren bis heute vor allem die europäischen NATO-Partner ihre bodengebundene Luftverteidigung – Griechenland als Gastgeber, dazu Nationen wie Deutschland und die Niederlande. Was an der kretischen Küste über die Jahrzehnte zusammenwuchs, ist mehr als eine Schießbahn. Es ist ein Stück gelebter Allianz.

Nike Hercules, HAWK, Patriot, IRIS-T SLM – die Systeme wechselten und ergänzten sich über die Jahrzehnte. Der Zweck des Platzes blieb. Wer hier ausgebildet wird, übt für eine wichtige Aufgabe in der Landes- und Bündnisverteidigung: einen anfliegenden Gegner abzufangen, bevor er Schaden anrichtet.

Eine Flugabwehrrakete mit orangefarben-weißem Rumpf startet steil in einen hellblauen Himmel.

Eine Flugabwehrrakete steigt kurz nach dem Abschuss mit einer markanten Rauchfahne steil in den Himmel. Bei den Schießübungen im hügeligen Gelände der NAMFI auf Kreta zeigen NATO-Staaten die Leistungsfähigkeit ihrer bodengestützten Luftverteidigung.

Bundeswehr/Sandra Elbern

Zwei Systeme, ein Platz

2026 nutzt die Luftwaffe den Raketenschießplatz auf Kreta gleich doppelt. Die Flugabwehrraketengruppe 61 aus Todendorf trainiert mit dem System IRIS-T SLM die bodengebundene Luftverteidigung mittlerer Reichweite. Sensorik, Feuerleitung und Einsatz der Lenkflugkörper: Die Crews üben das Zusammenspiel unter Bedingungen, wie sie nur die NAMFI bietet. Für die Luftwaffe ist das eine Premiere. Erst im Februar 2026 stellte sie IRIS-T SLM in Dienst. Auf Kreta feuert sie mit dem Flugabwehrsystem nun zum ersten Mal scharf – ein Prüfstein für eine Fähigkeit, die in der bodengebundenen Luftverteidigung der Bundeswehr gerade erst aufgebaut wird.

Parallel dazu schießen die Patriot-Verbände scharf. Für die Flugabwehrraketengruppen 21, 24 und 26 ist das mehr als Routine: Erst der erfolgreiche scharfe Schuss auf Kreta führt zur NATO-Zertifizierung. Damit weist ein Verband nach, dass er die Standards des Bündnisses erfüllt und im Verbund einsatzbereit ist. Wer hier besteht, zählt. Der Platz prüft also System und Mannschaft zugleich. Treffen die Verfahren, sitzt der Crew-Drill, hält die Technik? Auf Kreta gibt es darauf eine eindeutige Antwort.

Gelebte Allianz

Seit Jahrzehnten arbeiten auf der NAMFI Soldatinnen und Soldaten aus verschiedenen NATO-Staaten zusammen. Sie nutzen dieselbe Anlage und dieselben Verfahren. Diese Zusammenarbeit ist Teil dessen, was die Luftverteidigung im Bündnis ausmacht. Wenn die Flugabwehrraketen-Einheiten auch in diesem Jahr auf Kreta scharf schießen, trainieren sie für genau den Fall, den niemand erleben will: einen Angriff aus der Luft. Marschflugkörper, Drohnen, Kampfflugzeuge – die Bedrohung ist real, und sie kann jederzeit kommen. Genau dafür müssen die Crews bereitstehen.

von Thomas Skiba

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