Streitkräftebasis

Crawl-Walk-Run! Laufen lernen für NATO Response Force

Crawl-Walk-Run! Laufen lernen für NATO Response Force

  • Logistik
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
4 MIN

Vorbereitung des Stabes Logistikregiment 1 auf den Auftrag NRFNATO Response Force 2022-24“ in Form eines Handlungstrainings im Logistischen Übungszentrum an der Logistikschule der Bundeswehr. Der Stab soll die verschiedenen Einheiten/Dienststellen, wie beispielsweise den Sanitätern, ITInformationstechnik-Kräften und Feldjägern, und deren Fähigkeiten kennen und anwenden können.

Soldaten sitzen in einer großen Halle, ein Soldat spricht zu ihnen.

In dem beübten Szenario schreiben wir den 12. Dezember. Der Befehl zur Einsatzunterstützung der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Brigade ist gerade raus. Hauptauftrag: Die Folgeversorgung sicherstellen, um die Einsatzbereitschaft der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Brigade möglichst hoch zu halten.

Bundeswehr/Petra Reiter

Das am 24. September 2020 in Burg neu aufgestellte Logistikregiment 1 hat den Auftrag, für die NATO Response Force (NRFNATO Response Force) 2022-24, einschließlich der Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) 2023, den Stab und die Stabs-/Versorgungskompanie des Unterstützungsverbandes (UstgVbd) zu stellen. Neben Logistikern werden in diesem UstgVbd auch Feldjäger, Sanitäter, Panzergrenadiere und ITInformationstechnik-Kräfte unter einheitlicher Führung zusammengefasst. Aus einem logistischen Netzwerk im Einsatzgebiet heraus soll dieser UstgVbd die logistische Erst- und Folgeversorgung, sowie die sanitätsdienstliche Versorgung der gegenüber der NATO angezeigten deutschen Einsatzkräfte während der NRFNATO Response Force sicherstellen. Oberstleutnant Roland Bögel, Kommandeur des Logistikregiments 1 und, wie er selbst sagt „viel wichtiger“, designierter Kommandeur des UstgVbd ,ist sich sicher: „Das ist das logistisch Größte, was wir je gemacht haben!“
Dem Stab des UstgVbd und Teile der ihm zukünftig unterstellten Einheiten und Verbände stand beim bevorstehenden Handlungstraining im Logistischen Übungszentrum (LogÜbZ) an der Logistikschule der Bundeswehr Großes bevor. Dabei bildete ein auf drei Übungstage verteilter 24-Stunden-Gefechtstag den Höhepunkt. Es kam besonders darauf an, in einem fiktiven Einsatzszenario gemeinsam zu agieren und Herausforderungen bei der Erbringung der Unterstützungsleistung zu meistern.

Crawl-Walk-Run

Ein Soldat steht an einem Pult vor einer Gruppe sitzender Soldaten.

Zuletzt war Deutschland 2018-2020 in dieser Rolle. Das Beüben verschiedener Szearien mit den beteiligten Einheiten und Verbänden soll die Einsatzfähigkeit sicherstellen.

Bundeswehr/Petra Reiter

Im LogÜbZ habe man bereits vor über einem Jahr mit den Vorbereitungen für dieses Handlungstraining begonnen, schilderte Oberstleutnant Christoph Schladt, stellvertretender Leiter des LogÜbZ. Getreu dem Motto vom designierten Kommandeur des Unterstützungsverbandes sagt er: „Wer, wenn nicht wir!“. Die Handlungstrainer des LogÜbZ gestalten diesen Prozess, gemeinsam und unter der Führung von Oberstleutnant Roland Bögel. Laufen zu lernen, in den drei Phasen „Crawl-Walk-Run“ oder auch „Kriechen-Gehen-Laufen“.
Noch in Lauflernschuhen haben sich die rund 80 Akteure des Handlungstrainings bereits im März hier im LogÜbZ getroffen. Dort wurden Grundlagen besprochen und eingeübt, wie sie miteinander ihre logistische Aufgabe erfüllen können. Während des Trainings wurden die Abläufe und Verfahren optimiert. Ziel: ein tieferes gemeinsames Verständnis für die einzelnen Teilfähigkeiten und deren Zusammenwirken mit dem Ergebnis einer bestmöglichen Unterstützung der deutschen NRFNATO Response Force-Kräfte zu entwickeln. Im LogÜbZ wurden alle Zellen und Zentralen des Stabes des Unterstützungsverbandes aufgebaut und eingerichtet. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Operationszentrale und der Einsatzzentrale Logistik. Die Einheiten und Verbände des Unterstützungsverbandes, sowie das Versorgungsbataillon der NRFNATO Response Force-Brigade, richteten ihre Gefechtsstände in den beiden großen Ausbildungshallen des LogÜbZ, den sogenannten Center Courts, ein.

Leben und Handeln in der Lage

Ein Soldat steht vor einer Landkarte an einer Wand und zeigt auf etwas auf der Karte.

Das Training spiegelt 24 Stunden in der taktischen Lage wieder. An drei aufeinanderfolgenden Tagen wird in je acht Stunden in der Lage Altraverdo gelebt und agiert. „Lassen Sie sich darauf ein. Seien Sie neugierig“, fordert Oberstleutnant Bögel.

Bundeswehr/Petra Reiter

In dem beübten, fiktiven Szenario „Altravedo“ hat die NATO bereits im März den Bündnisfall nach Art. 5 des NATO-Vertrages ausgerufen. Dieser besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere Vertragsparteien als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird. Die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets ist in einem solchen Fall, durch Zusammenwirken der Kräfte, wiederherzustellen. Nachdem es trotz einer zur Abschreckung angelegten großen Übung mit wesentlichen Teilen der NRFNATO Response Force in Altravedo zu weiteren Eskalationen an der Landesgrenze gekommen ist, knüpft ein paar Tage später das fiktive Szenario an. Der Befehl für den Einsatz geht an alle raus. Hauptauftrag des UstgVbd ist die Folgeversorgung, um die Einsatzbereitschaft der NRFNATO Response Force möglichst hoch zu halten. Fahrzeuge, Großgerät und 2.522 Soldatinnen und Soldaten des UstgVbd sind im Einsatzraum angekommen. Verpflegungsvorräte, Betriebs- und Kraftstoffe müssen aufgefüllt und ausgegeben werden. Die Instandsetzer, genauer gesagt die KfzKraftfahrzeug-Mechatroniker, brauchen einen geeigneten Platz, denn ein Bergepanzer ist ausgefallen und dieser muss schnellstmöglich repariert werden. ITInformationstechnik-Kräfte müssen den Gefechtsstand per Datenverbindung anbinden und einrichten, Satellitenkommunikation muss sichergestellt werden, notwendige Software muss funktionieren. Die Sanitäter müssen ihre Sanitätseinrichtung, die Verwundetenleitstelle und den Basisversorgungspunkt einrichten.
„Jetzt geht es nur noch miteinander“, betont Bögel, „Alle verlassen sich auf uns. Wir verlassen uns auf einander. Ich verlasse mich auf Sie!“

Aufrecht in Richtung Zertifizierung

Ein Soldat steht vor einer Tafel mit Karten und redet.

Das Logistikregiment unter der Führung von OTL Bögel wurde im Oktober 2020 in Dienst gestellt. Erst nach dem Ende der NRFNATO Response Force 2024 werden diesem Regiment Bataillone unterstellt und es nimmt seinen ursächlichen Auftrag war.

Bundeswehr/Petra Reiter

„Wir sind hier ein großes Stück weitergekommen und nun eindeutig in der Phase des „Walks“ angekommen“, lobt Bögel nach dem Handlungstraining. Auch zum jetzigen Zeitpunkt gebe es noch keinen „perfekten“ UstgVbd. Vielmehr sei der Rucksack mit den Aufträgen weiter gefüllt worden. In Folgeveranstaltungen müssten nun weitere Absprachen getroffen werden. Es seien Befehle und Regelungen zu erstellen, die in diesem sehr komplexen Konstrukt aus vielfältigen Einzelfähigkeiten und auf unterschiedlichsten Ebenen Handlungssicherheit gäben.
Der nächste große Schritt auf dem Weg zum „Run“, wird in der zweiten Novemberhälfte anvisiert. „Mit im Wesentlichen derselben Truppe werden wir auch wieder hier im LogÜbZ unter Beweis stellen, dass mein Unterstützungsverband in der Lage sein wird, den Unterstützungsauftrag NRFNATO Response Force 2022-2024 professionell und zuverlässig zu erfüllen“ ist sich Oberstleutnant Roland Bögel sicher. Davon überzeugt werden sollen dann der Kommandeur mobile Logistiktruppen der Streitkräftebasis, Oberst Kai Häußermann, und der Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, Generalmajor Gerald Funke.

„Das Logistische Übungszentrum ist ein wesentlicher Baustein, um die Befähigung zur Auftragserfüllung während NRFNATO Response Force 2022-24 herzustellen“, dankt Oberstleutnant Roland Bögel den Handlungstrainern und dem Leiter des Logistischen Übungszentrum.

von Kathleen Riediger  E-Mail schreiben

Die Akteure

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  • Ein Soldat steht an einer Landkarte und zeigt mit einem Stift auf einen eingegrenzten Bereich
    Logistische Unterstützung

    Oberstleutnant Bijan Pirnia

    Den truppenstärksten Verband bildet das Logistikbataillon Land (LogBtl L) mit einer Kopfstärke von ca. 1.200 Soldatinnen und Soldaten. Das Bataillon führt insgesamt sieben Kompanien verschiedener Fähigkeiten. Drei der sieben Kompanien stellt das LogBtl 171 aus Burg, zwei Kompanien werden durch das LogBtl 161 aus Delmenhorst und die weiteren zwei durch das LogBtl 172 aus Beelitz gestellt. Oberstleutnant Bijan Pirnia ist im LogBtl 171 eingesetzt, er ist für die Koordinierung und Aufstellung des LogBtl L NRFNATO Response Force 2022-2024 verantwortlich. Er erklärt „Wir haben den Auftrag die Folgeversorgung der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Brigade L sicherzustellen. Ein besonderes Merkmal bildet dabei die „schwere Instandsetzungskompanie“ mit der wir befähigt sind, „Dickblech“ wie den Marder und Puma zu schrauben. Dies erfolgt im Einsatzland aus der sogenannten Logistischen Basis im Einsatz (LogBasis i.E.) heraus. Ferner sind wir grundsätzlich dazu befähigt mit abgesetzten Einheiten der Brigade zu folgen, um die Versorgungswege zu verkürzen.

  • Das Terrestrische Übertragungssystem für Richtfunkverbindungen bis 80km steht beim IT-Bataillon 282 in Kastellaun
    Führungsunterstützung

    Hauptmann Ike Goldhammer

    Auch wenn das für das Handlungstraining im LogÜbZ eingerichtete Betriebsführungselement des Service Delivery Points NUK nicht über unzählige Bildschirme zur Überwachung der ITInformationstechnik-Dienste verfügt und auch keine Satelliten angeschlossen sind, bildet die Truppe um Hauptmann Ike Goldhammer ein realistisches Einsatzszenario ab. Goldhammer gehört zur 5. Kompanie des ITInformationstechnik-Bataillons 282 aus Kastellaun. 120 Fachleute werden benötigt, um die ITInformationstechnik-Dienste bereit zu stellen und zu überwachen. „Wir rechnen mit einem rund 30- fußballfeldgroßen Unterstützungsverband, den wir anschließen müssen“, erklärt Hauptmann Ike Goldhammer.

  • Ein Soldat steht vor einem Fahrzeug der Feldjäger
    Feldjägerunterstützung

    Hauptmann Simon Eckhof

    „Gemeinsam mit einer Teileinheit der kroatischen Militärpolizei sind wir Feldjäger der 5. Kompanie des Feldjägerregiment 3 aus Veitshöchheim das kleinste Unterstützungselement“, erzählt Hauptmann Simon Eckhof. Er stellt mit seinen rund 50 Kameradinnen und Kameraden die Beweglichkeit der Truppe im Einsatzraum sicher. „Wir sind aber auch für militärpolizeilichen Spezialaufgaben, wie Drogenfunde oder Personenidentifikationen zuständig“, erklärt er. Darüber hinaus hält die Militärpolizei den unverzichtbaren Kontakt zum Einsatzland aufrecht. Hier im LogÜbZ hatten die Feldjäger zwei Fälle aufzuklären: Erst tauchte ein vermisster Soldat wieder auf und dann fuhr ein Schützenpanzer in einen zivilen Zaun. Eckhoff und sein Team mussten den Soldaten identifizieren und den Verkehrsunfall aufklären und dokumentieren.

  • Soldaten übergeben einen Übungspatienten an das Rettungszentrum bei einer dynamischen Fähigkeitsdarstellung
    Sanitätsunterstützung

    HF Warnke, OSF Gottschall und SF Stiebritz

    Vom Sanitätslehrregiment aus Feldkirchen kamen Hauptfeldwebel Sabrina Warnke, Oberstabsfeldwebel Jürgen Gottschall und Stabsfeldwebel Mario Stiebritz zum Handlungstraining. „Ich arbeite hier als PECCPatient Evacuation Coordination Centre-Dispatcher. Die PECCPatient Evacuation Coordination Centre, Patient Evacuation Coordination Cell, ist vergleichbar mit der Informationsleitstelle bei der Feuerwehr und den Rettungsdiensten“, erzählt die Soldatin. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liege darin, alle Notfallmeldungen aufzunehmen und dann Fahrzeuge rauszuschicken, um Patienten und Verwundete aufzunehmen. So wurde es auch im LogÜbZ geübt. Für NRFNATO Response Force 2022-24 hat das Regiment ein Feldkrankenhaus der Ebene 2 im Gepäck. Das ist ein, wie sie betont, mini, mini, mini Kreiskrankenhaus mit elf Betten und einem OP. Darüber hinaus richten sie im Einsatzraum einen großen Basisversorgungspunkt, kurz BVP, ein. Der BVP versorgt nicht nur die nationalen Unterstützungskräfte mit Sanitätsmaterial, sondern auch die multinationale VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Brigade. „Die Sanitätskräfte vor Ort werden also durch uns versorgt“, erklärt Warnke.
    „Darüber hinaus koordinieren wir die Rückverlegung aller erkrankten und verletzten deutschen Soldatinnen und Soldaten.“ Diese Aufgabe erfüllen sie gemeinsam mit dem Patient Evacuation Coordination Centre, dem PECCPatient Evacuation Coordination Centre in Koblenz, der Verwundetenleitstelle der Bundeswehr.
    260 Soldatinnen und Soldaten stellen während NRFNATO Response Force 2022-2024 die sanitätsdienstliche Versorgung der Truppe sicher.

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