Streitkräftebasis
Treibstoffversorgung

Deutscher Vorsitz beim Central Europe Pipeline System

Deutscher Vorsitz beim Central Europe Pipeline System

  • Logistik
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Erfurt
Lesedauer:
5 MIN

Das Central Europe Pipeline System (CEPS) Programme Board hat einen neuen Vorsitzenden. Brigadegeneral Robert Wilhelm, stellvertretender Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, hat die Aufgabe als sogenannte Chairperson übernommen.

Grüne Rohre einer Fernleitung.

Teile des Pipeline-Systems der Fernleitungs-Betriebsgesellschaft.

Bundeswehr/Horst Saal

Das Central Europe Pipeline System (CEPS) ist eines von neun NATO-Pipeline-Systemen, die in den 1950er Jahren durch die Alliierten verlegt wurden. Diese Fernleitungssysteme haben das Ziel, Luftstreitkräfte schnell mit Treibstoff zu versorgen. Der Verlauf des CEPS erstreckt sich durch Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. Darüber hinaus nutzen es auch die USUnited States-Streitkräfte. Das CEPS hat eine Gesamtlänge von rund 5.200 Kilometern und beinhaltet 36 Tanklager, davon 13 in Deutschland. Hier erstreckt sich die Pipeline über eine Länge von circa 1.900 Kilometern. Hinzu kommen Verladestationen für Straßentankwagen und Eisenbahnkesselwagen.

Eigentümer und Betreiber des Pipeline-Netzes in Deutschland ist die Bundesrepublik Deutschland. Vertreten wird diese durch das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBwBundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr). Pflege, Wartung, Instandhaltung, Betrieb, Bewachung und Absicherung übernimmt die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG). Diese wurde im Jahr 1956 dafür gegründet und gehört zu 51 Prozent dem Bund.  Die Ausrichtung des CEPS sowie die Überwachung der Leistungen, das Festlegen von Priorisierungen und die gemeinsame Entscheidungsfindung über Maßnahmen wird multinational in einem Aufsichtsgremium durchgeführt: dem sogenannten CEPS Programme Board. Es handelt unter Berücksichtigung der kollektiven Interessen aller Mitgliedstaaten und trifft im Konsensprinzip Entscheidungen zur Genehmigung von gemeinsamen Richtlinien und Verfahren, Finanzierungsfragen sowie Betrieb und Wartung. Der Vorsitz des CEPS Programme Board dauert turnusmäßig zwei Jahre. Im Jahr 2022 übergibt die USA das Amt an Deutschland.

CEPS unter deutschem Vorsitz

Zweri Männer stehen vor einer Leinwand

Blick in die Betriebszentrale der Fernleitungs-Betriebsgesellschaft mit Herrn Herzner (li.) und Herrn Saal (re., beide FBG)

Bundeswehr/Phillip Kreuzpaintner

Durch das Bundesministerium der Verteidigung wurde im Oktober 2021 Brigadegeneral Robert Wilhelm als Vorsitzender für das Aufsichtsgremium des CEPS nominiert. Der stellvertretende Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr (LogKdoBw) bringt alle erforderlichen Qualifikationen sowie Fähigkeiten für diese verantwortungsvolle, neutrale und vermittelnde Rolle mit. Neben fachlichem „Know-how“ erfordert es auch diplomatisches Verhandlungsgeschick auf multinationaler Ebene. Da das LogKdoBw mit dem Spezialpionierregiment 164 über die einzigen Pipeline-Pionierfähigkeiten der Bundeswehr verfügt, sitzt er als stellvertretender Kommandeur des Kommandos an der Schnittstelle zu den militärischen Experten im Pipeline-Betrieb. Als Luftwaffenuniformträger bringt er das notwendige Verständnis über die Bedürfnisse von fliegenden Systemen mit. Durch verschiedene Verwendungen innerhalb der NATO und im internationalen Bereich verfügt er über umfangreiche Erfahrung im multinationalen Umfeld.

Im Januar 2022 wurde die Nominierung von Brigadegeneral Wilhelm angenommen und er wurde zur Chairperson des Programme Board CEPS (das bedeutet: Vorsitzender des Aufsichtsgremiums) ernannt. Somit ist er für zwei Jahre Vermittler zwischen den sechs am CEPS beteiligten Nationen.

Welche Aufgaben gehen damit einher?

Ein Soldat und ein Zivilist in einer Anlage im Gespräch

Brigadegeneral Robert Wilhelm (li) im Gespräch mit einem Mitarbeiter der Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (re).

Bundeswehr/Horst Saal

Nach seiner Nominierung war es Brigadegeneral Wilhelm zunächst wichtig, das CEPS-System näher kennenzulernen. Er warf einen „Blick ins Gelände“ und besuchte die Anlagen, Büros und handelnden Personen. Hierzu gehören das Programmbüro in Versailles (Frankreich), das Sekretariat in Capellen (Luxemburg) und die für den Betrieb des deutschen Anteiles am CEPS eingerichtete Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG) mit Sitz in Bonn. Bei dem Besuch der deutschen Systemanteile in Verantwortung der FBG wurde die Funktionsweise und das Leistungsvolumen der Fernleitungen erläutert. Dadurch konnte sich Brigadegeneral Wilhelm einen Eindruck über die Dimensionen und das Leistungsvermögen der FBG verschaffen. Er besuchte auch einen „Kunden“ des CEPS: die Hydrantenbetriebsgesellschaft (HBG) in Frankfurt am Main, die in Teilen für die Treibstoffversorgung des dortigen Flughafens zuständig ist.

„Ich finde es immer Interessant und spannend, mich neuen Themenfeldern zu widmen und darüber etwas Neues kennenzulernen. Man hat hier die Möglichkeit zu sehen, wie wir das machen, mit der Treibstoffversorgung von zivilen und militärischen Flughäfen.“

Der “Chair“, wie er genannt wird, hat vor allem eine international vermittelnde Rolle zwischen den einzelnen Partnernationen. Hier besteht die Herausforderung, das gemeinsame Projekt im Konsensprinzip zu gestalten und weiter zu entwickeln. Dabei ist und bleibt Brigadegeneral Wilhelm neutral. Er vertritt in seiner Funktion als Chairperson nicht die deutschen Interessen sowie Vorstellungen für das CEPS. Diese werden durch einen deutschen Vertreter aus dem Bundesministerium der Verteidigung in den jeweiligen Sitzungen eingebracht.

Aktuelle Herausforderungen

Derzeit ist das Thema Weiterentwicklung des CEPS zur Versorgung der östlichen NATO-Partner. Dazu werden verschiedene Konzepte durch die internationalen Partnernationen eingebracht. Diese und eine damit einhergehende Budgetierung müssen anschließend mit allen beteiligten Staaten abgestimmt und durch diese gebilligt werden.

Für das CEPS in seinem ganzheitlichen Bestehen, seiner Weiterentwicklung und Modernisierung sind natürlich auch finanzielle Mittel notwendig. Diese werden durch Beitragszahlungen der einzelnen beteiligten Nationen, vor allem aber durch die Einnahmen aus der Lagerung und den Transportleistungen von Flugtreibstoff eingebracht. Unter anderem beziehen der Flughafen Schiphol in den Niederlanden und die Flughäfen Köln/Bonn sowie Frankfurt Flugbetriebsstoff über das CEPS. Da es jedoch ein NATO-System ist, haben militärische Erfordernisse stets Vorrang, sollte dies einmal notwendig sein. Innerhalb der durch Brigadegeneral Wilhelm geleiteten Sitzungen wird auch entschieden, welche Tarife für Transportleistungen angesetzt werden, welche Finanzbeiträge durch die Nationen zu leisten sind und wie die Mittel beispielsweise für Infrastrukturmaßnahmen verwendet werden.

Auf die gesamte deutsche oder gar europäische Energieversorgung hat das CEPS keine Auswirkungen. Die Fernleitungen sind nicht für die Versorgung mit beispielsweise Gas oder Wasserstoff ausgelegt. Sie wurden ausschließlich für die Versorgung von Flughäfen mit Flugbetriebsstoff konzipiert und werden auch nur dafür genutzt.

Übung „SAFETY FUEL“

Das Bevorraten und Bereitstellen von unterschiedlichen Flugbetriebsstoffen sowie die Fähigkeit des Pipeline- Pionierwesens sind für das LogKdoBw von besonderer Bedeutung. Mit der Fähigkeit der Instandsetzung des CEPS, zum Beispiel nach einem Sabotageakt oder wie zuletzt tatsächlich im Rahmen der Ahr-Hochwasserkatastrophe geschehen, verfügt das dem LogKdoBw unterstellte Spezialpionierregiment über eine Unikatfähigkeit in Europa und für das CEPS.

Darüber hinaus hat das Regiment die Fähigkeit, auch feldmäßig Treibstoffvorräte zu lagern und bereit zu stellen. Im Rahmen des Deutschland-Ungarn-Projektes (DEU/HUN) der „Strukturierten Partnerschaft in der Logistik“ findet auch in diesem Jahr die jährlich wiederkehrende bi-nationale Übung „SAFETY FUEL“ statt. Dabei übt das LogKdoBw, vertreten durch den Leitverband Spezialpionierregiment 164, zusammen mit ungarischen Logistikkräften das feldmäßige Bevorraten und Bereitstellen von Flugturbinenkraftstoff in einem multinationalen Umfeld durch den Aufbau und Betrieb einer sogenannten „Bulk-Fuel-Installation“ (kurz: BFI) – einem Tanklager zur feldmäßigen Lagerung. Ein DEU/HUN-Feldtanklagerzug betreibt diese BFI mit dem übergeordneten Ziel, diese logistische Fähigkeit zukünftig in die Realversorgung bzw. zur logistischen Unterstützung von Übungen oder Missionen (NATO, EU) einzubinden. Während dieser Übungen wurden gemeinsame Verfahrensvorschriften erarbeitet, erprobt und geübt. Dabei wurden inzwischen so große Fortschritte erzielt, dass mit der diesjährigen Übung, Brigadegeneral Wilhelm, gemeinsam mit dem ungarischen Logistikchef Generalmajor Zoltán Schmidt, die volle Einsatzbereitschaft dieser binationalen Fähigkeit überprüfen – und voraussichtlich auch offiziell zertifizieren kann.

von Sebastian Sänger  E-Mail schreiben

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