Streitkräftebasis

Handeln in Stabsstrukturen als Mittel in der Krise

Handeln in Stabsstrukturen als Mittel in der Krise

  • Amtshilfe
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Dresden
Lesedauer:
4 MIN

Hauptmann Hannes Markert vom Landeskommando Sachsen koordiniert im Führungs- und Lagezentrum des DRKDeutsches Rotes Kreuz Landesverbandes Sachsen die Amtshilfe der Kameraden in den Impfzentren. Dem Dresdner Offizier kommen dabei seine Erfahrungen und Weiterbildungen bei den Streitkräften und zwei Auslandseinsätze zugute.

Ein Soldat und zwei DRK-Mitarbeiter in Rettungsjacken vor dem Eingang des Lagezentrums

Hauptmann Hannes Markert mit Mitarbeitern des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes. Der Dresdner unterstützt seit einigen Wochen im Führungs- und Lagezentrum der Hilfsorganisation.

Bundeswehr/Anne Weinrich

„Wir bringen hier beim DRKDeutsches Rotes Kreuz die militärische Kompetenz der Stabsarbeit ein, also in speziellen Strukturen zu denken und zu arbeiten“, sagt Hauptmann Hannes Markert. Der 41-Jährige sitzt im Führungs- und Lagezentrum des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes (FLÜZ) an seinem Rechner. Auf dem Bildschirm laufen Zahlenreihen zu Impfzentren und gelieferten Impfdosen. Seit November vergangenen Jahres ist er hier Teil der Amtshilfe der Bundeswehr während der Corona-Pandemie. Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt hatte zusammen mit dem DRKDeutsches Rotes Kreuz die Bundeswehr um Hilfe gebeten, um den Einsatz der Soldaten beim Aufbau der Impfzentren zu koordinieren. Allein 1.043 Pflegeeinrichtungen in Sachsen werden durch das DRKDeutsches Rotes Kreuz mit Impfstoff versorgt. In mittlerweile 13 stationären, zwei Behelfsimpfzentren und drei rollenden Impfzentren können sich die Menschen nach einer Priorisierungsliste immunisieren lassen.

Impfungen mit Mobilen Teams und in Zentren

Eine grauhaarige Dame wird von einer Frau mit blauem Kittel in den Arm geimpft.

In Sachsen koordiniert das Deutsche Rote Kreuz die Impfkampagne für die Bevölkerung. Zuerst werden die Seniorinnen und Senioren der Altenheime immunisiert.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Im Führungs- und Lagezentrum des DRKDeutsches Rotes Kreuz arbeitet ein sechsköpfiges Team daran, die Abläufe rund um das Impfen in Sachsen so reibungslos wie möglich zu gestalten. Von der Logistik der Impfstofflieferung über die Impfterminvergabe-Webseite bis zum Beschwerdemanagement ist hier gutes Projektmanagement gefragt: „Wir koordinieren den Einsatz unserer Kameraden vor Ort in den Impfzentren, unterstützen bei allen anfallenden Arbeiten im DRKDeutsches Rotes Kreuz-Lagezentrum und verdichten gleichzeitig das territoriale Lagebild der Bundeswehr“, erklärt Hauptmann Markert. Der Offizier ist im Landeskommando Sachsen sonst Leiter eines Regionalen Planungs- und Ausbildungsunterstützungstrupps. Dort kümmert er sich mit seinem Team darum, dass die Soldaten, die als Reservisten in den Bezirks- und Kreisverbindungskommandos eingesetzt werden, für ihren Einsatz ausgebildet und alle Voraussetzungen erfüllt sind.

Maßgeschneiderte Ausbildung für die Amtshilfe

Ein Soldat sitzt vor einem Rechner.

Datenbanken, das Impftermintool oder die Einplanung der Helfenden Hände“ in den Impfzentren: Im Lagezentrum des DRKDeutsches Rotes Kreuz unterstützt Hauptmann Hannes Markert seine Kollegen der anderen Hilfsorganisationen.

Bundeswehr/Anne Weinrich

„Jetzt hier beim DRKDeutsches Rotes Kreuz während der Corona-Pandemie zu helfen, bedeutet für mich direkte zivil-militärische Zusammenarbeit“, erzählt der Sachse, der mit seiner Familie in Dresden wohnt. 2000 war er zur Bundeswehr gekommen und hatte unter anderem im sächsischen Schneeberg als Gebirgsjäger und an der Offizierschule des Heeres als S3-Offizier gedient. „Hier im FLÜZ profitiere ich jetzt besonders von den Übungen im Landeskommando selbst, meiner Ausbildung zum Offizier für Zivil-Militärische Zusammenarbeit in Nienburg und an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler.“ Außerdem ist Markert ausgebildeter Stabsmanager: Er weiß, wie zivile Stabsstrukturen funktionieren und aufgebaut sind und wie die Bundeswehr in beratender Funktion unterstützen kann. „Wir sprechen quasi „Zivil“ und können direkt als Übersetzer fungieren“, so Markert. Im Auslandseinsatz war er in Afghanistan und im Kosovo.
Täglich um 9.15 Uhr trifft Markert sich jetzt im gemischt zivil-militärischen Team im DRKDeutsches Rotes Kreuz zur Morgenlage. Der Stand der Impfstofflieferungen, anstehende Änderungen der Impfverordnung und der Aufbau weiterer Impfzentren werden besprochen.

Impfstoffverteilung als logistisches Meisterwerk

Ein Soldat und ein DRK-Mitarbeiter sprechen stehend in einem Büro über eine Tabelle, die sie in den Händen halten.

Enge Zusammenarbeit: der DRKDeutsches Rotes Kreuz_Cheflogistiker Lars Werthmann und Hauptmann Hannes Markert vom Landeskommando Sachsen.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Das Sächsische Sozialministerium hatte im Freistaat Sachsen das Deutsche Rote Kreuz damit beauftragt, die Impfungen gegen das Corona-Virus zu planen und zu koordinieren. Dazu gehört unter anderem der Betrieb der Impfzentren, die Verteilung des Impfstoffs und die Koordinierung des medizinischen Personals, das von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen bereitgestellt wird. „In den sächsischen Impfzentren sind im Moment rund 100 Soldatinnen und Soldaten als „Helfende Hände“ eingesetzt. Dazu kommen einige in mobilen Impfteams und ein Truppenarzt.

Zu den Kollegen, die in den letzten Wochen zusammen mit Hauptmann Markert dafür gesorgt haben, dass die Impfkampagne in Sachsen anläuft, gehört Lars Werthmann, der Chef-Logistiker des DRKDeutsches Rotes Kreuz. „Über meinen Tisch geht die Logistik aller Verbrauchsgüter, die in den Impfzentren benötigt werden. Dazu gehören unter anderem Schutzhandschuhe, Kanülen und 1000 andere Dinge.“

Teamwork mit der DRKDeutsches Rotes Kreuz-Lagezentrumsleitung

Eine Frau mit Locken in DRK-Rettungsjacke an der gläsernen Eingangstür des Führungs- und Lagezentrums

Lobt die Zusammenarbeit mit den Kameraden der Bundeswehr: Dagmar Häfele, die Leiterin des DRKDeutsches Rotes Kreuz-Führungs- und Lagezentrums.

Bundeswehr/Anne Weinrich

„Für uns ist die Zusammenarbeit mit den Bundeswehr-Soldaten hier vor Ort unwahrscheinlich wichtig, denn das Denken in „Katastrophen“-stabs-Strukturen ist ihnen geläufig. Prozesse müssen nicht erst erklärt werden, die Abläufe sind eingeübt“, sagt Dagmar Häfele. Sie leitet das Führungs- und Lagezentrum des DRKDeutsches Rotes Kreuz in Dresden. Eigentlich arbeitet sie als Referatsleiterin im Landesamt für Steuern und Finanzen. Entsandt vom Technischen Hilfswerk, ist sie seit 20. November 2020 mit der Leitung des Führungs- und Lagezentrums betraut. „Diese Kameradschaft und auch die Fähigkeit, zu führen, das ist wirklich das Besondere an der Zusammenarbeit mit den Soldaten“, lobt sie ihre uniformierten Kollegen auf Zeit. Besonders zwischen den Feiertagen waren die Soldaten gefragt, um den Zeitplan für die ersten Impfungen einzuhalten. Am 27. Dezember 2020 wurden in Sachsen die ersten Senioren in Altenheimen immunisiert.

Für Hauptmann Markert wird es auch in den nächsten Wochen ums Impfen gehen: Vorerst ist die Amtshilfe der Bundeswehr im Führungs- und Lagezentrum des DRKDeutsches Rotes Kreuz-Landesverbandes Sachsen bis April 2021 bewilligt.

von Cornelia Riedel  E-Mail schreiben

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