Streitkräftebasis

Reserve im Einsatz gegen die Schweinepest

Reserve im Einsatz gegen die Schweinepest

  • Amtshilfe
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Brandenburg
Lesedauer:
5 MIN

Einsatz der Territorialen Reserve für den Heimatschutz: Im Landkreis Märkisch-Oderland helfen 120 Reservistinnen und Reservisten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU) aus neun Bundesländern bei der Fallwildsuche. Im Rahmen der Amtshilfe unterstützen sie die örtlichen Behörden bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest.

Soldat mit gelber Warnweste und erhobener Hand auf einem Feld.

Fund! Ein Soldat zeigt seiner Suchgruppe an, dass er etwas entdeckt hat. Reservistinnen und Reservisten durchkämmen auf der Suche nach Fallwild den Oderbruch.

Bundeswehr/Felicia Englmann

„Suchgruppe Nord an Gefechtsstand. Kommen.“ Die bayerischen Soldaten haben an einem Wassergraben einen Haufen Haut- und Fellreste entdeckt. Ob sie von einem Wildschwein stammen, ist nicht ganz klar. Auf der anderen Seite des Grabens liegt ein Stück Wildschweinschwanz. „Hier Gefechtsstand.“ Die Suchgruppe meldet die Koordinaten und das Suchquadrat an den Gefechtsstand. Ein Soldat zieht mit Markierspray einen Kreis um den Fund, steckt einen Bambusstab daneben, markiert auch diesen mit Farbe und einem Stück blauen Flatterband. Veterinäre holen die Funde später ab. Und weiter geht’s über Äcker und Wiesen – auf der Suche nach Fallwild. Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest.

Suche nach toten Tieren in schwierigem Gelände

Ein Soldat im Feldanzug besprüht einen Bambusstab mit Farbe. Darunter liegt ein halber Wildschweinschädel.

Markieren und Weitermelden: Knochen eines Wildschweins liegen im Wald. Ein Soldat markiert die Stelle. Später können Veterinäre die Funde anhand der Koordinaten wiederfinden und prüfen.

Bundeswehr/Felicia Englmann

120 Reservedienst-Leistende sind im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland im Rahmen der Amtshilfe zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest eingesetzt. In der Region gab es im September 2020 die ersten bestätigten Fälle der Tierseuche. Nun gilt es, eine Zone außerhalb des eigentlichen Risikogebiets systematisch nach toten Wildschweinen, sogenanntem Fallwild, zu durchsuchen. Eine mühsame Aufgabe im weitläufigen Oderbruch und den schwer zugänglichen Seelower Höhen. Waren die toten Tiere infiziert, muss das Risikogebiet ausgeweitet werden. Die Reservistinnen und Reservisten kommen aus Kompanien der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU) aus neun Bundesländern: Brandenburg selbst, dazu Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein. Sie gehören zur Territorialen Reserve der Streitkräftebasis. Die RSU-Kräfte dienen vor allem dem Heimatschutz.

Freiwillige engagieren sich für den Heimatschutz

Ein Soldat im Feldanzug steht im Dickicht und blickt sich um.

Herausforderung: Auch an dichter bewachsenen Stellen kann Fallwild liegen. Die Helfer und Helferinnen tragen Warnwesten der örtlichen Behörden.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Im Gefechtsstand in der Kreisstadt Seelow laufen die Funksprüche auf. Die RSU-Kompanie Brandenburg hat ein Wildschwein entdeckt. Soldaten aus Rheinland-Pfalz melden mehrere Knochenstücke, Zähne und abgerissene Beine auf einem kleinen Hügel. Die meisten Funde sind kleinteilig. Die RSU-Kompanie Brandenburg hat vor Ort die Führung des Einsatzes übernommen, das Kreisverbindungskommando Märkisch-Oderland hält den Kontakt mit der zivilen Seite: mit dem Landratsamt und den Veterinären. Diese sind dafür zuständig, die Funde zu begutachten und im Labor auf den Erreger der Afrikanischen Schweinepest testen zu lassen. Zudem baut der Landkreis an seiner Ostgrenze einen Zaun, um zu verhindern, dass neue infizierte Wildschweine in den Oderbruch eindringen. Seit 9. November 2020 ist die RSU in diesem Einsatz, eine Woche später kamen Kameradinnen und Kameraden aus ganz Deutschland dazu. Inzwischen unterstützen 120 Soldatinnen und Soldaten der RSU-Kräfte im Landkreis Märkisch-Oderland. Alle haben sich freiwillig gemeldet. Der Einsatz ist zunächst bis 7. Dezember 2020 geplant und damit der zeitlich sowie personell umfangreichste Einsatz der Heimatschutzkräfte.

Schnell, zuverlässig, durchhaltefähig

Soldaten im Feldanzug und mit Masken stehen im Freien.

Wichtiger Auftrag: Oberst Olaf Detlefsen, Kommandeur des Landeskommando Brandenburg, im Gespräch mit Soldaten.

Bundeswehr/Felicia Englmann

„Ich bin froh, dass Sie da sind“, sagte Landrat Gernot Schmidt zu den Kontingentführern, der aus ganz Deutschland angereisten RSU-Kräfte – im Freien, aufgrund der Corona-Lage. In der Kreisstadt Seelow ist die Operationszentrale der Bundeswehrkräfte in einem Gebäude des Katastrophenschutzes eingerichtet. Besprechungen finden nur mit Kontingentführern statt, die Soldatinnen und Soldaten werden nach Bundesländern und dadurch nach Kohorten getrennt untergebracht. Trotz der Corona-Lage ist die Bekämpfung der Tierseuche wichtig. „Die Eindämmung der Schweinepest wird nicht nur so verstanden, dass Brandenburg freigehalten wird, sondern dass ganz Deutschland und Europa freigehalten werden“, erklärt Oberst Olaf Detlefsen, Kommandeur des Landeskommando Brandenburg, die Bedeutung dieses Heimatschutz-Einsatzes. Drei Landkreise in Brandenburg sind aktuell betroffen. Oberst Detlefsen über die Bundeswehr in der Schweinepest-Amtshilfe: „Unsere Stärke ist: Wir sind schnell da, wir sind zuverlässig und wir halten durch.“

Einsatz in schwierigem Gelände

Soldaten laufen in einer Reihe einen abgeernteten Acker entlang.

Marsch! In Abständen zwischen vier und acht Metern laufen Soldatinnen und Soldaten die Suchbereiche ab.

Bundeswehr/Felicia Englmann

Mannshohe Brennnesselstauden, Schilfgürtel, Dornengestrüpp, schwerer, feuchter Boden, unzählige Entwässerungsgräben: Natur und Gelände im Oderbruch erschweren die Suche. Vier bis acht Meter Abstand sollen die Reservistinnen und Reservisten halten, wenn sie die Suchgebiete abgehen. An den Seelower Höhen, einem steilen, bewaldeten Geländesprung, ist dies besonders schwierig. Hauptbootsmann Christoph Benett, vom Landeskommando Hamburg für den Einsatz entsandt, ist mit Kameradinnen und Kameraden aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg an den dicht bewachsenen Hängen unterwegs. Nasses Laub bedeckt die Steigung. „Wir haben diese Herausforderung als Soldaten gerne angenommen“, sagt er. Benett ist Stadtjäger in Lübeck und daher einer der Sachkundigen vor Ort, der erkennen kann, ob Kadaverteile tatsächlich von Wildschweinen stammen. In fast jedem RSU-Kontingent ist ein Jäger dabei. Benett: „Indem wir helfen, die Seuche zu bekämpfen, stehen wir Soldatinnen und Soldaten auch ein Stück weit für Tierschutz ein.“

Viele Fähigkeiten, eine Motivation

Eine verrostete Granate liegt auf einem Acker. Die Fundstelle ist markiert.

Schweres Erbe: Im Oderbruch und an den Seelower Höhen finden die Helfer immer wieder Kampfmittel.

Bundeswehr/Felicia Englmann

„Suchgruppe Nord an Gefechtsstand. Kommen.“ Die Gesichter der Soldaten aus Schleswig-Holstein sind ernst. „Munitionsfund.“ Auf einem frisch gepflügten Acker liegen eine unexplodierte Granate und andere Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Seelower Höhen waren Schauplatz einer der letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, noch immer stecken Kampfmittel im Boden. Auf dem Geländesprung sind, dicht überwachsen, Stellungssysteme erhalten. Narben des Kriegs sind an alten Bäumen sichtbar. Munitionsfunde gibt es an jedem Einsatztag. Einsatzerfahrene Fachkräfte im Umgang mit Kampfmitteln, auch sie gibt es in der RSU, markieren die Funde und richten Sicherheitsabstände ein. Die Vielfalt der Reservedienst-Leistenden zeigt sich in diesem Einsatz nicht nur in der Regionalität, auch in den Fähigkeiten, Dienstgraden, Erfahrungen und Qualifikationen aus dem zivilen Leben. Jägerin Ricarda Arlt von der RSU-Kompanie Niederbayern etwa ist erst im Sommer 2020 als Ungediente zur Reserve gekommen und jetzt in ihrem ersten Einsatz. Sie spricht aus, was all die unterschiedlichen Freiwilligen, die hier zusammenkommen, eint: „Ich möchte in Katastrophenfällen helfen.“

Unterstützung auch in Sachsen

Nicht zu vergessen, auch in Sachsen hilft die RSU-Kompanie im Kampf gegen Afrikanischen Schweinepest. Gemeinsam mit den Helfern des Technischen Hilfswerks aus Sachsen und Thüringen, dem Bundesforst, der Freiwilligen Feuerwehr Klein Pribus und dem Bundeswehrdienstleistungszentrum aus Dresden sind Soldatinnen und Soldaten im Amtshilfeeinsatz gegen die Afrikanische Schweinepest in der Oberlausitz.

von Dr. Felicia Englmann  E-Mail schreiben

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