Gemeinsam üben für den medizinischen Ernstfall
Spezialistinnen und Spezialisten aus der Bundeswehr und dem zivilen Gesundheitswesen trainieren in Koblenz die Dekontamination Verletzter.
Bundeswehr und NATO-Partner trainieren in Niedersachsen bei einer gemeinsamen Übung die Kooperation mit zivilen Behörden und Organisationen.
Vom 14. bis 26. Juni 2026 übt die Bundeswehr bei CIMIC Quadriga mit NATO-Partnern, Polizei, Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz und weiteren zivilen Organisationen die zivil-militärische Zusammenarbeit. In Niedersachsen, unter anderem in Nienburg, Verden, Eystrup, Walsrode oder Hannover, werden Abläufe in der Krisenvorsorge oder die gemeinsame Einsatzkoordination durchgespielt.
Sicherheit ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Sollte es in Deutschland zu einem Szenario der Landes- oder Bündnisverteidigung kommen, müssen Bundeswehr und zivile Akteure eng zusammenarbeiten. Alliierte Truppen werden im Ernstfall in großem Maßstab und mit einem Bedarf an Kraftstoff, Verpflegung und Unterkünften durch Deutschland in Richtung NATO-Grenzregion verlegen. Gleichzeitig muss der Transport von Munition, Material und Verpflegung organisiert werden, während mit hybriden Angriffen im Informationsraum, aber auch mit Attacken auf kritische Infrastruktur wie Straßen, Schienen und Energieanlagen in Deutschland zu rechnen ist. Die genauen Abläufe sind im Operationsplan Deutschland geregelt.
Da ein Teil der deutschen Streitkräfte dann ebenfalls an die NATO-Grenze geht, steigt der zivile Unterstützungsbedarf in Deutschland. Je stärker die Bundeswehr beispielsweise im Baltikum in der Verteidigung des Bündnisgebiets gebunden ist, desto mehr Verantwortung müssen hierzulande Rathäuser, Technisches Hilfswerk oder gewerbliche Akteure übernehmen.
Zivil-militärische Zusammenarbeit wird daher immer unverzichtbarer – auch wenn sie nicht erst hier beginnt. Denn ohne Logistikunternehmen, die den Streitkräften Lkw zur Verfügung stellen, oder die Deutsche Bahn, die den Schienenverkehr sicherstellt, funktionieren die militärischen logistischen Ketten nicht. Auch die alliierten Truppen könnten sich ohne zivile Unterstützung nicht schnell und reibungslos durch Deutschland bewegen.
Das alles muss gut koordiniert sein. Bei CIMIC Quadriga 2026, der größten multinationalen Übung der zivil-militärischen Zusammenarbeit (englisch: Civil Military Cooperation, CIMIC) im NATO-Bündnis, wird genau das trainiert: die effektive Koordination der zivilen und militärischen Akteure.
„Sicherheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie gelingt nur, wenn Streitkräfte mit zivilen Partnern eng zusammenarbeiten. Militärische Lösungen allein führen nicht zum Ziel.“
Der Übungsraum von CIMIC Quadriga ist Niedersachsen. Rund um den Standort Nienburg an der Weser – wo das Kommando Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr beheimatet ist – aber auch die Regionen um Hannover, Verden oder Neustadt am Rübenberge sind in die freilaufende Übung eingebunden. In diesem Gebiet trainieren während der Übung die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gemeinsam mit verbündeten Streitkräften und zivilen Partnern aus 28 Ländern die zivil-militärische Durchhaltefähigkeit.
Die Bundeswehr übt mit zivilen Partnern in Niedersachsen Krisenvorsorge und Einsatzkoordination im Suwalki Korridor im Baltikum. In 150 Lagen wird der Umgang mit hybriden Angriffen, Militärkolonnen und Störungen in Kritischer Infrastruktur trainiert.
Bundeswehr/Nathalie PoulheimSo wird während der Übung beispielsweise ein Convoi Support Center – eine improvisierte, militärisch organisierte „Raststätte für Kolonnen“ – von einer zivilen Spedition betrieben, um militärische Ressourcen freizugeben. Feste zivile Infrastruktur wie etwa Industrie- oder Gewerbehallen stehen den militärischen Logistikkräften zur Verfügung, um Material und Ausrüstung zwischenzulagern und Fahrzeuge instand zu setzen. Polizeidienststellen und Feuerwehr trainieren den engen Austausch mit den Soldatinnen und Soldaten während der Übung genauso wie zivile Kliniken und Rettungsdienste. Auch der Flughafen Hannover, regionale Verkehrsbetriebe und unterschiedliche Energiefirmen sind in die Übung eingebunden.
In den geübten Szenarien orientieren sich die Akteure explizit an den Herausforderungen eines Bündnisfalls an der NATO-Ostflanke: einen Angriff Russlands auf das Baltikum. In der ersten Woche der Übung trainieren die deutschen CIMIC-Teams in einer theoretischen Lage, die rund um den Suwalki-Korridor, der Landverbindung zwischen Litauen und Polen, spielt. In der zweiten Woche wird explizit mit internationalen CIMIC-Teams die Drehscheibe Deutschland geübt. Hierbei liegt der Fokus auf dem Bundesland Niedersachsen als Transitregion für eine große Anzahl an internationalen Militärkolonnen auf dem Weg nach Osten. Mithilfe von über 150 Lageeinspielungen unterschiedlicher Intensität werden in den zwei Wochen verschiedene Szenarien mit realen deutschen hoheitlichen und gewerblichen Akteuren durchgespielt. Aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen werden im Anschluss an die Übung die Abläufe für einen möglichen Ernstfall weiterentwickelt.
Ziel von CIMIC Quadriga 2026 ist, die zivil-militärische Zusammenarbeit mit dem Fokus auf den fließenden Übergang vom Friedens- zum Spannungs- beziehungsweise Bündnisfall zu stärken sowie die entsprechende gemeinsame Einsatzkoordination zu trainieren. Die rege Teilnahme an der Übung zeigt, dass zivil-hoheitlichen Akteuren wie Polizei, Feuerwehr und öffentlicher Verwaltung, aber auch der Wirtschaft in Deutschland ihre wichtige Rolle bei der Verteidigung als gesamtstaatliche Aufgabe immer bewusster wird.
Da alliierte Truppen durch Deutschland geführt werden müssen, besprechen internationalen Expertinnen und Experten für zivil-militärische Zusammenarbeit mit Polizei und kommunaler Verwaltung das geplante Vorgehen
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Blaulichtorganisationen und zivile Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk oder das Deutsche Rote Kreuz sind aktiv in die Übung eingebunden. Hier lässt sich ein CIMIC-Team von der Nienburger Polizei einweisen.
Bundeswehr/Ralf Heberer
Wie wichtig eine reibungslose zivil-militärische Zusammenarbeit ist, zeigt sich insbesondere in Krisensituationen. Deshalb wird sie in Übungen wie CIMIC Quadriga regelmäßig geübt.
Bundeswehr/Ralf HebererCIMIC Quadriga 2026 ist eine Übung der Bundeswehr zur zivil-militärischen Zusammenarbeit unter Krisen- und Kriegsbedingungen. Ziel ist es, die Koordination gemeinsamer Abläufe und Kommunikationswege realitätsnah zu trainieren.
Soldatinnen und Soldaten aus insgesamt 28 Nationen üben gemeinsam mit Behörden, Blaulichtorganisationen, Kliniken, privaten Unternehmen und weiteren zivilen Akteuren in Niedersachsen (zum Beispiel in Hannover, Nienburg, Verden oder Neustadt am Rübenberge) die Koordination und Zusammenarbeit in komplexen Einsatzszenarien.
In Krisen- oder Kriegssituationen kann militärisches Handeln nur erfolgreich sein, wenn zivile Infrastruktur und Behörden eng eingebunden werden. Die Zusammenarbeit ermöglicht eine bessere Koordination von Versorgung, Logistik, Sicherheit und medizinischer Unterstützung und stärkt das gegenseitige Verständnis sowie Vertrauen aller Beteiligten.
Der Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) ist der militärische Anteil an der Gesamtverteidigung Deutschlands. Er führt zentrale militärische Bestandteile der Landes- und Bündnisverteidigung mit den notwendigen zivilen Unterstützungsleistungen zusammen. Da bei CIMIC Quadriga die militärische und zivile Zusammenarbeit im Ernstfall geübt wird, können Erkenntnisse aus der Übung auch zur Weiterentwicklung des OPLAN DEU beitragen.