Covid-19: Kommunikation ist wichtig

Covid-19: Kommunikation ist wichtig

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Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
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Reservist unterstützt bei der Einführung einer Informationsplattform im Sanitätsregiment 1.

„Danke, dass Sie sich freiwillig bereit erklärt haben, als Reservisten in Uniform zu helfen“, wendet sich Oberstleutnant Heiko Schraml an sieben Reservistinnen und Reservisten in der Blücher-Kaserne in Berlin-Kladow. Dem stellvertretenden Kommandeur des hier stationierten Sanitätsregiments 1 Führungsbereich Berlin sind Reservistinnen und Reservisten in diesen Tagen und Wochen besonders wichtig.

Kaserneneinfahrt der Blücher-Kaserne in Berlin-Kladow.

In der Blücher-Kaserne in Berlin-Kladow ist ein Verband des Sanitätsregiments 1 stationiert

Bundeswehr/Detlef Schachel

Reservisten bilden wichtige Säule

Zum einen, weil hier Reservisten, die sich freiwillig zur Unterstützung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gemeldet haben, eingeschleust werden. Nach einem Tag, ausgefüllt mit der Überprüfung der „Papierlage“, der Einkleidung und gegebenenfalls auch einer Auffrischung des Impfstatus, sind die Freiwilligen im System. Und damit sind sie zugleich auch bereit für einen künftigen, bedarfsgerechten Abruf. Zum anderen, weil zu dem Kladower Sanitätsverband neben vier aktiven Kompanien mit rund 550 Soldaten auch die nichtaktive, aus Reservisten bestehende 10. Kompanie zählt.

Drei Soldaten stehen vor einer Tafel im Lagezentrum des Sanitätsverbandes und besprechen die Lage.

Im Lagezentrum des Verbandes sind alle wichtigen Informationen auf einen Blick verfügbar

Bundeswehr/Detlef Schachel

Zu dieser Kompanie gehört seit 2019 auch Hauptmann Arne P. Wegner. „Er ist dort auf dem Dienstposten des Stabspsychologen beordert“, freut sich Oberstleutnant Schraml über den Zugewinn. Denn der gebürtige Westfale Wegner hat nicht nur Psychologie im bayrischen Eichstätt und in Ingolstadt sowie in Manila studiert, er verfügt auch über einen erfolgreichen trilingualen juristischen Abschluss mit Studienanteilen in Berlin, Cambridge und Genf/Lausanne. Zudem promoviert der heute in Berlin lebende 29-Jährige Wegner gerade zum Thema „Besteht ein Recht auf Glück?“ in Anlehnung an den in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verankerten Pursuit of Happiness (Streben nach Glück).

Informationsfluss optimieren

Derzeit ist Hauptmann Arne Wegner erst einmal glücklich, im Zuge seiner aktuellen Reserveübung im Lagezentrum des Kladower Sanitätsverbandes mitzuarbeiten. Hier laufen alle Informationen zusammen. Der tägliche Tagesablauf, der sogenannte “Battle Rhythm“, beginnt um 07:00 Uhr mit der Aufbereitung der während der Nacht aufgelaufenen Informationen. „Wir beenden unseren Dienst, wenn alle Aufträge abgearbeitet sind“, gibt Wegner Einblick in den zeitlichen Umfang der Arbeit.

04 Hauptmann der Reserve Wegner erklärt einem Kameraden die Bundeswehr Community Gruppe.

Gar nicht so einfach, einem Kameraden die Arbeitsweise der App auch unter Einhaltung der aktuellen Abstandsregel zu demonstrieren - Hauptmann Wegner versucht es dennoch

Bundeswehr/Detlef Schachel

Mehrmals die Woche finden Videokonferenzen mit der Regimentskommandeurin, Oberstarzt Dr. Stephanie Krause, in Weißenfels statt, ebenso Abstimmungen mit den unterstellten Kompanien und dem eigenen Stab. Keine leichte Aufgabe, wenn sich zudem etwas mehr als die Hälfte des Personals im „Corona-Home-Office“ bereithält. „Klassische Kommunikationsmittel wie Telefon oder Mailverkehr stoßen da rasch an ihre Grenzen“, erinnert sich Hauptmann Wegner an den Ausgangspunkt von Überlegungen, wie der Informationsfluss verbessert werden kann.

Bereits mehr als einhundert Mitglieder

So schlug man der Regimentskommandeurin vor, eine geschlossene Gruppe in der Bundeswehr Community des Cyber Innovation Hub zu gründen. Netiquette Guidelines wurden entwickelt, die die Freiwilligkeit der Mitarbeit voranstellen. Die Gruppe soll, zunächst im Rahmen der Covid-19-Pandemie, die Funktion eines „Schwarzen Brettes“ für die Regimentsführung und deren Dienststellenleiter erfüllen. Damit ist zugleich auch angedeutet, dass man sich einen Weiterbetrieb nach Corona-Zeiten durchaus vorstellen kann. „Bereits eine Woche nach Betriebsbeginn konnten wir mehr als einhundert Beitritte verzeichnen“, gibt Wegner einen aktuellen Zwischenstand.  

Blick auf ein Smartphone mit geöffneter Bundeswehr Community App.

Alle Gruppenmitglieder auf einen einheitlichen Wissensstand bringen - durch die App kein Problem

Bundeswehr/Detlef Schachel

Auch wenn die freiwillige Gruppe kein offizielles Führungsmittel ist, wie es die Netiquette vermerkt, ist deren Vorteil klar – rasche Information aus erster Hand ohne Umwege. Und ganz praktisch ist sie zudem auch. So wurde auf diesem Weg der Besuch des Kommandeurs des Kladower Sanitätsverbandes bei den im Berliner Bundeswehrkrankenhaus eingesetzten Soldaten des Sanitätsregimentes 1 angekündigt. Daraufhin traf man sich in der Kantine des Krankenhauses zum Austausch über die aktuellen Themen.

Reservisten werden eingebunden

Über die zurückliegenden Wochen wurden durch die Kladower Sanitätstruppe bisher nahezu siebzig hilfsbereite Reservistinnen und Reservisten in das System eingepflegt. Darunter auch jene sieben, für deren Bereitschaft sich Oberstleutnant Schraml gerade bedankt hatte. Bevor sie jedoch die Heimreise antreten, gibt ihnen Hauptmann Wegner noch mit auf den Weg: „Treten Sie der Bundeswehr Community gern bei und halten Sie sich so auf aktuellem Stand.“ Zu den Angesprochenen gehört auch der Feldwebel der Reserve Daniel Schoder. Der 47-Jährige hat sich zum Ende seiner aktiven Dienstzeit im Wetterdienst und später als Geschützführer einer Panzerhaubitze 2000 über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr weiter qualifiziert.

06 Feldwebel der Reserve Schoder steht vor seinem Auto mit dem Kennzeichen von Ribnitz-Damgarten.

Feldwebel der Reserve Schoder ist aus Ribnitz-Damgarten angereist und kann nun von dort herangezogen werden

Bundeswehr/Detlef Schachel

So erwarb er Abschlüsse als Rettungssanitäter, Rettungsassistent und Notfallsanitäter, die Lehrbefähigung für den Rettungsdienst und sogar als Organisationsleiter Rettungsdienst. Daraufhin arbeitete der gebürtige Rostocker seit nunmehr 17 Jahren im Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises Vorpommern-Rügen, zuletzt als Notfallsanitäter. „Da wir in meiner Heimatregion recht wenige Corona-Infektionsfälle haben, möchte ich nun hier helfen“, beschreibt Schoder seine Motivation. Die Arbeitskollegen und auch sein Chef haben diese Entscheidung mitgetragen, „zumindest solange, wie wir zu Hause eine relativ entspannte Corona-Lage haben“, ergänzt der Familienvater noch, bevor er sich verabschiedet.

Oberstleutnant Heiko Schraml ist sich sicher, dass er einige der Reservistinnen und Reservisten in den kommenden Tagen und Wochen wiedersehen wird. Das Sanitätsregiment 1 ist bereit.


von Detlef Schachel
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