Patriot: Das Rückgrat der Luftverteidigung
Zum Ende des Kalten Krieges in die Bundeswehr eingeführt, muss es auch 35 Jahre später seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Mitte Januar verlegten zwei Flugabwehrsysteme Patriot in den Südosten Polens. Ihr Auftrag: Schutz des NATO-Luftraums und des wichtigsten logistischen Umschlagpunkts für Hilfslieferungen an die Ukraine. Inzwischen haben die deutschen Kräfte die US-amerikanischen Patriot-Einheiten abgelöst und die vollständige Einsatzbereitschaft hergestellt.
Einsatzbereitschaft hergestellt: Deutsche Luftverteidigungssysteme des Typs Patriot haben Stellung in der Nähe von Rzeszów in Polen bezogen
Bundeswehr/Marc SteinbrecherEs sind zwei beladene Startgeräte des Waffensystems Patriot, die am 23. Januar 2025 auf ihre vorgesehenen Positionen fahren. Innerhalb von Minuten haben die deutschen Soldatinnen und Soldaten ihre Fahrzeuge abgestellt und die Startvorrichtungen für die Lenkflugkörper aufgerichtet. Parallel räumen nur etwa 100 Meter entfernt US-amerikanische Kräfte andere befestigte Stellungen, um Platz für weitere Fahrzeuge der deutschen Patriot-Systeme zu schaffen. „Diese beiden Einheiten schützen NATO-Bündnisgebiet und zugleich, und das ist ganz wichtig, die logistische Versorgung der Ukraine“, stellt Verteidigungsminister Boris Pistorius vor Ort gegenüber seinem polnischen Amtskollegen Władysław Kosiniak-Kamysz und internationalen Medienvertretenden fest.
Knapp 100 Fahrzeuge und rund 200 Soldatinnen und Soldaten verlegte die Bundeswehr vom 13. bis 17. Januar nach Rzeszów nahe der polnischen Grenze zur Ukraine und leistet damit einen deutschen Beitrag zur NATO-Unterstützungsmission NSATU (Nato Security Assistance and Training for Ukraine). Den Großteil an Material und Personal stellt hierbei die Flugabwehrraketengruppe 21 aus Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Flugabwehrsysteme Patriot sowie ein Gruppengefechtsstand (Group Operation Center, GOC) sind Teil des Kontingents für die Mission. Hinzu kommt weiteres Unterstützungspersonal, um Versorgung, Kommunikation und Führungsfähigkeit des Verbands zu gewährleisten. Sechs Monate sollen die Soldatinnen und Soldaten den Luftraum des NATO-Partners Polen schützen.
Wie schon bei den vorherigen Missionen in der Slowakei, Polen und Litauen blieb auch dieses Mal den Flugabwehrkräften nur wenig Zeit, die Mission vorzubereiten. Dennoch ist Oberstleutnant Christoph Schmaler, der stellvertretende Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 21 und erster Kontingentführer des Einsatzverbands, grundsätzlich zufrieden: „Innerhalb kürzester Zeit haben die Soldatinnen und Soldaten erneut eine solche Mission hervorragend vorbereitet, die Verlegebereitschaft zeitgerecht hergestellt und Personal und Material nach Polen verbracht.“ In nur wenigen Tagen habe man sich zudem mit den US-Patriot-Kräften abgestimmt und einen taktischen Ablaufplan für die Ablösung erstellt. So konnte der Schutzauftrag lückenlos übernommen werden, so Schmaler.
Die zuvor am Flughafen nahe Rzeszów stationierten US-Patriot-Einheiten stammen aus dem 5th Bataillon des 7th Air Defense Artillery Regiment der U. S. Army. In einer formellen „Transfer of Authority“-Zeremonie am 3. Februar zollte der Bataillonskommandeur, Lieutenant Colonel Daniel Corbett, seiner Einheit größten Respekt dafür, dass sie seit Februar 2022 drei Missionen erfüllt hat und dabei insgesamt über zwei Jahre in Polen war. Er stellte zudem fest, dass sich der Schutz dieses logistischen Umschlagpunkts notwendigerweise zur „Nummer 1“ in ganz Europa entwickelt habe. Hier schloss sich Oberstleutnant Schmaler an: „So wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt, so müssen sich auch unsere Bemühungen entwickeln. Im Streben nach Frieden dürfen wir nicht aufhören, uns gegenseitig zu unterstützen.“
Sinnbild für die NATO-integrierte Luftverteidigung: Luftverteidigungssysteme des Typs Patriot der Bundeswehr und US-amerikanische Avenger-Systeme schützen gemeinsam den Luftraum im Südosten Polens
Bundeswehr/Marc SteinbrecherDoch auch nach dem Abzug der US-Patriot-Einheiten bleibt die Bundeswehr in dieser Mission nicht allein. Für den umfassenden Schutz des Luftraums stehen weitere NATO-Partner an der Seite der deutschen Flugabwehrkräfte. Unter anderem unterstützen die USA weiterhin mit Luftverteidigungssystemen des Typs M1097 Avenger im Nah- und Nächstbereich sowie zusätzlich mit verschiedenen Systemen bei der Kleinstdrohnenabwehr. Kürzlich verlegte zudem die norwegische Luftwaffe F-35-Multi-Role-Kampfflugzeuge und das Flugabwehrsystem NASAMS in die Region. Gemeinsam mit der polnischen Luftwaffe steht somit ein umfassender Schutz der kritischen Infrastruktur in Rzeszów bereit, um potenziellen Bedrohungen aus der Luft wirksam begegnen zu können.
von Marc Steinbrecher