Einsatzbekleidung

Vektorenschutz - Sicherheit vor Krankheitserregern

Vektorenschutz - Sicherheit vor Krankheitserregern

Datum:
Ort:
Erding
Lesedauer:
2 MIN

Unsere Truppe ist in Einsätzen und Übungen vielen Gefahren ausgesetzt. Eine davon ist nahezu unsichtbar und geht von sogenannten Vektoren aus. Darunter versteht man Insekten und Zecken sowie Milben, die lebensgefährliche Krankheitserreger übertragen können. Einen Schutz davor bietet die dauerhafte Vektorenschutzausrüstung (VS-AusrüstungVektorenschutzausrüstung).

Zwei Zecken auf einem Stück Stoff

Zecken auf einer Bundeswehr-Uniform mit Vektorenschutzausrüstung

Bundeswehr/Michael Faulde

Das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe in Erding (WIWeBWehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe) aus dem Organisationsbereich Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung in der Bundeswehr befasst sich intensiv unter anderem mit der Entwicklung solcher Schutztechnologien.

Direkt in die Bekleidung integriert

Um einer Übertragung von Krankheitserregern durch Stechmücken oder Zecken bei Auslandseinsätzen oder Übungen in Waldgebieten vorzubeugen, ist die Einsatzbekleidung mit einer dauerhaften VS-AusrüstungVektorenschutzausrüstung ausgestattet.

Diese besteht aus einer Wirkstoff-Beschichtung im Material der Uniformen und wird zusammen mit dem Tarndruck direkt bei der Herstellung auf die Stoffbahnen aufgebracht.

Ein getarnter Soldat in hohen Maispflanzen

In der freien Natur lauert die fast unsichtbare Gefahr an vielen Stellen

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Die VS-AusrüstungVektorenschutzausrüstung ist über die gesamte Lebensdauer der Bekleidung wirksam. Eine Nachimprägnierung ist nicht erforderlich und könnte sogar die aufgebrachte Beschichtung zerstören. Einzig die Pflege dieser Bekleidung muss nach bestimmten Vorgaben erfolgen. Damit diese strikt eingehalten werden, erfolgt die Reinigung über Vertragswäschereien.

Wie funktioniert der Vektorschutz?

Als Wirkstoff kommt das bewährte Biozid Permethrin zum Einsatz, das für Insekten und Spinnentiere ein Kontaktgift darstellt.

Das Gift wird über Depots abgegeben. Der Depoteffekt wird über eine Kunststoffschicht um die Textilfaser des Gewebes ermöglicht, in der eine bestimmte Menge des Wirkstoffs Permethrin eingelagert ist. Das Permethrin ist in der Kunststoffmatrix frei beweglich und wandert nach jedem „Wäschereivorgang“ beziehungswese bei Verbrauch an die Oberfläche. So wird die besonders lange und gute Wirksamkeit des Vektorenschutzes garantiert. 

Höhere Sicherheit für die Nutzenden

Dadurch, dass Nutzende somit nur vergleichsweise geringe Oberflächenmengen an Permethrin aufnehmen, ist das Bundeswehrverfahren gegenüber älteren Tauch- und Sprühverfahren deutlich sicherer in der Anwendung.

Auch die Wirkung auf den menschlichen Organismus ist aus diesem Grund geringer, als eine nachträglich aufgebrachte Imprägnierung. Dieser positive Nebeneffekt wurde bereits bei Blut- und Urinuntersuchungen im Rahmen umfangreicher Arbeitsschutzuntersuchungen zusammen mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung bestätigt. Um eine Gesundheitsgefährdung für die Trägerinnen und Träger der Bekleidung von vorn herein auszuschließen, fanden solche Tests auch schon vor der Einführung der VS-AusrüstungVektorenschutzausrüstung statt.

Wie wird die Funktionalität überprüft?

Um die Funktionalität eines solchen Schutzes zu überprüfen, muss zunächst eine bestimmte Mindestwirksamkeit gegenüber Vektoren sichergestellt werden. Dazu prüft das WIWeBWehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe im Rahmen eines sehr anspruchsvollen Zulassungsverfahrens neben dem Wirkstoffgehalt auch die Bioaktivität, also den Einfluss des Wirkstoffes auf die Vektoren.

Wenn diese Anforderungen erfüllt sind, wird die Ausrüstung 100 Laborwäschen unterzogen, um festzustellen, ob auch danach noch ein ausreichend wirksamer Schutz vorhanden ist. Die Vorgehensweise soll dadurch die gesamte Nutzungsdauer solcher Textilien simulieren. Erst, wenn auch diese Testphase erfolgreich durchlaufen wurde, kann die Bekleidung zugelassen werden und zum Einsatz kommen.

Vorteilhafter Schutz

Durch die Nutzung dieser neuen Technologie können Infektionen und krankheitsbedingte Ausfälle in der Truppe vermieden sowie deren Einsatzbereitschaft und die Nutzersicherheit erhöht werden.

Die Bundeswehr gehört weltweit zu den führenden Entwicklern des Vektorenschutzes auf Textilien, durch dessen Nutzung die Kosten für eine separate Imprägnierung der Bekleidung entfallen.

Mittlerweile wird diese Art der VS-AusrüstungVektorenschutzausrüstung aber auch bei vielen anderen NATO-Nationen angewendet.

von WIWeB 

Weiterführende Links