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Heer
Übung Freedom Shield

Litauen: Der Gegenangriff bringt die Entscheidung

Die Panzerbrigade 45 hat aufmunitioniert und ist bereit. Ihr steht der Höhepunkt der Übungsserie Freedom Shield bevor: das Gefecht der verbundenen Waffen eines Kampftruppenbataillons auf dem litauischen Übungsplatz Pabradė. Dabei treffen klassische Gefechtsführung und neue Technologien aufeinander – vom Kampfpanzer bis zum Einsatz von Drohnen.

Kampfpanzer bei der Schussabgabe mit Feuerball und sichtbarem Projektil.

Bundeswehr/Mario Bähr

Kampfpanzer Leopard, Schützenpanzer Puma, litauische Vilkas-Radschützenpanzer, dazu Pioniere, Artilleristen und Kampfunterstützer nehmen Gefechtsgliederung ein. Die Dimensionen sind gewaltig und fordern den Übungsplatz Pabradė im Ganzen. Für den scharfen Waffeneinsatz eines der Bataillone entsteht im Schwerpunkt ein Übungsareal von rund fünf mal fünf Kilometern. Alle Waffen und Systeme der Panzerbrigade 45 sind gefechtsbereit.

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Freedom Shield: Groß üben, um besser zu werden

Kampfpanzer mit Fangnetz über dem Turm.

Bundeswehr/Mario Bähr

Aber nicht nur die Größenordnung ist enorm. Auch neue Verfahren, Taktiken und Techniken setzen die Soldaten ein. Damit wird den Erfahrungen etwa aus dem Ukrainekrieg Rechnung getragen.

„Ich bin überzeugt, dass es um den richtigen Fähigkeitsmix geht“, erklärt Brigadegeneral Christoph Huber, Kommandeur der Panzerbrigade 45. Sie wächst derzeit zu voller Stärke auf und ist fest in Litauen stationiert. „Für unsere Soldatinnen und Soldaten gehören die Kampf- und Schützenpanzer, Hubschrauber, Artillerie, Luftwaffe, aber auch Fähigkeiten zur Drohnenabwehr zum einen, wie auch der Drohneneinsatz zur Aufklärung, aber auch zur Wirkung, dazu.“

Die Brigade übt dabei den Einsatz der Systeme, mit denen sie heute bereits ausgestattet ist oder in naher Zukunft ausgestattet sein wird, gemeinsam mit dem klassischen Waffenverbund. Innovativ zu üben sei dabei entscheidend, so Huber. Noch sei nicht alles perfekt, aber die Brigade werde jeden Tag besser. Als Teil der 10. Panzerdivision und der NATO leiste sie ihren Beitrag zur Verteidigung des Bündnisgebietes.

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Realität als Grundlage guter Ausbildung

Ein Drohnenschwarm über einem Waldstück.

Bundeswehr/Mario Bähr

Das Gefechtsschießen bei Freedom Shield ist in mancher Hinsicht besonders: Alle Waffensysteme der Brigade kommen scharf zum Einsatz. Eine aufwendige Sicherheitsorganisation gewährleistet nicht nur die Sicherheit der Soldaten, sie garantiert auch den Einsatz von Waffensystemen in vielen Dimensionen. Abgesessene Infanterie, Kampfpanzer, Artillerie, Kampfhubschrauber und sogar Kampfjets kommen real zum Einsatz.

Wie auch bei der vorangegangenen Zweiparteien-Gefechtsübung sind Drohnen in allen Phasen von der Aufklärung bis hin zur Zielbekämpfung mit dabei. Der Anspruch: Ausbilden so nah wie möglich an der Kriegsrealität.

Wie sich das anfühlt, erleben Grenadiere in einer ganz frühen Phase des Gefechtes. Sie sind die Ersten, die ganz weit vorne, eingesetzt in kleinen Trupps, Feindkontakt haben. Feldposten klären Bewegungen des Gegners auf und sammeln Informationen. Sie sind das Frühwarnsystem der eigenen Truppe.

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Feldposten meldet Drohnenkontakt

Ein Soldat mit Waffe in einer Mulde im Waldboden.

Bundeswehr/Mario Bähr

Bei kluger Taktik, ausreichender Deckung oder Kampfkraft können Feldposten den Gegner auch beschießen, um ihn in eine bestimmte Richtung zu zwingen. Die Feldposten liegen stark vereinzelt unter dichtem Bewuchs. Sie sind die Ersten, die mit einer ganz neuen Art zu kämpfen in Kontakt kommen.

„Für uns sind Drohnen eine neue, andere Bedrohung, die alle Sinne verlangt. Die sonst klassische erste Feindberührung hat sich verändert. Sie findet tatsächlich unbemannt statt und der Feind schafft es, mehr Gelände in weniger Zeit abzuarbeiten“, so ein Grenadier.

Kurz darauf ist es auch schon zu hören, kurz über den Baumwipfeln, dieses aggressive Surren der ganz neuen Bedrohung. Dass der Gegner an dieser Stelle den Kontakt sucht und Drohnen einsetzt, haben die Grenadiere erwartet. Jetzt gilt: bewegen, auflockern und Gegenmaßnahmen treffen.

Die Vilkas-Panzer der litauischen Infanterie wie auch die Schützenpanzer Puma der deutschen Grenadiere haben dafür entlang einer Seenkette Stellung bezogen. Das Gebiet ist günstig. Sie nutzen den leicht aufsteigenden Waldboden und liegen am Hinterhang, auf der abfallenden Geländeseite. Mit ihren Waffen wirken sie über die Geländekuppen in Richtung Feind.

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In die Enge ziehen, Flanken schützen, ausweichen

Ein litauischer Soldat an einem Maschinengewehr.

Bundeswehr/Mario Bähr

Die Drohnen kennzeichnen die Spitzen der gegnerischen Kräfte. Das Lagebild im Bataillonsgefechtsstand wird immer konkreter. Anspannung liegt über dem gesamten Übungsplatz. Ein aufwendig gestalteter Zielbau fordert die Schützen und verzeiht keine Zielfehler. Ferngesteuert tauchen entlang des Gefechtsstreifens immer wieder dynamisch Ziele auf. Der Gegner ist also real, jeder Treffer wird gezählt.

Das Bataillon verteidigt. Aber es führt auch ein bewegliches Abwehrgefecht. Gelände vorübergehend zu verlieren, ist kalkuliert. Das Bataillon gewinnt so Zeit, der Gegner folgt den ausweichenden Kräften. Durch geschicktes Ausnutzen des Geländes oder auch den Einsatz von Pionieren wird der Feind in eine bestimmte Richtung gezogen. Sperren riegeln andere Geländeabschnitte vollständig ab. Die Artillerie sichert die Flanken oder zerschlägt gezielt den Vorstoß des Gegners.

Am Ende soll es heißen: Jeder Zentimeter des NATO-Gebiets wurde erfolgreich verteidigt.

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Übergänge – neuralgische Punkte im Gefecht

Eine gewaltige Sprengung im Sandboden mit hoher Rauchsäule.

Bundeswehr/Mario Bähr

Nichts beeinflusst das Kräfteverhältnis und mögliche Truppenbewegungen so stark wie das Gelände. Wer das Gelände beherrscht, bestimmt das Gefecht. Das gilt auch für den Gefechtsverband bei Freedom Shield in Pabradė.

Der Kampf am Übergang ist eine der anspruchsvollsten Gefechtsarten überhaupt. Er beschreibt nicht nur das Überwinden von Flüssen. Es geht vielmehr um das Passieren von Engstellen, die Truppenbewegungen in jeglicher Form kanalisieren. An diesen Punkten ist die Truppe eingeengt – und genau darin liegt die Gefahr.

Am Geländezug und den moorigen Abschnitten des Flusses Bevara soll das Bataillon deshalb zum Gegenangriff übergehen. Für die Panzerbrigade 45 ist dazu das Gefecht der verbundenen Waffen der Schlüssel. Kampftruppen, Pioniere, Aufklärung, Artillerie, Elektronische Kampfführung, Drohnen, Flugabwehr und viele weitere Fähigkeiten müssen koordiniert zusammenwirken.

Nur wenn es gelingt, das Gefecht aktiv zu drehen, also aus der Defensive in die Offensive zu kommen, lässt es sich für die eigenen Kräfte entscheiden.

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Alles auf Angriff und Entscheidung

Kampfpanzer bei der Schussabgabe mit Feuerball.

Bundeswehr/Mario Bähr

Der Gegenangriff bringt die Entscheidung. Er fordert höchste Konzentration und verlangt das Bündeln aller Fähigkeiten. Auch und gerade hier kommen neue Gefechtsansätze zum Einsatz und werden geübt.

Das Kampftruppenbataillon muss sich am Übergang gegen Drohnenschwärme durchsetzen. Beim Kampf an der Bevara gilt der Grundsatz „Feuer und Bewegung“. Vieles muss gleichzeitig geschehen: Infanterie kämpft abgesessen im engen und unübersichtlichen Gelände. Kurz darauf nehmen die Schützenpanzer unter dem Schutz ihrer Bordmaschinenkanonen die Grenadiere wieder auf und weichen aus.

Pioniere bereiten Sperren vor, um den gegnerischen Vorstoß zu stoppen. Die Artillerie hat sich vorbereitet, um den gestauten Feind an genau diesen gesperrten Geländeabschnitten zu zerschlagen. Kampfpanzer und Panzergrenadiere wirken mit ihren Bordkanonen in teilweise zusammengefassten Feuerkommandos. Das erhöht die Wirkung im Ziel um ein Vielfaches.

Die Feuerkraft und Mobilität der Panzer bringen den Gegenangriff entscheidend voran.

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Angriff aus der Luft und Kampf in die Tiefe

Zwei Kampfhubschrauber Tiger schweben bei der Schussabgabe über Baumwipfeln.

Bundeswehr/Mario Bähr

Joint Fire Support Teams, die Unterstützungsfeuer vom Boden oder aus der Luft koordinieren, sind fest in die Angriffsplanung integriert. Hubschrauber, Strahlflugzeuge, aber auch Artillerie bringen Geschwindigkeit, Feuerkraft und Reichweite in das Gefecht.

Das Kampftruppenbataillon bei Freedom Shield setzt alle diese Fähigkeiten im scharfen Schuss ein. Beim Gefecht in Pabradė gewährleisten die Rafale, ein französisches Mehrzweckkampfflugzeug, der Kampfhubschrauber Tiger sowie der Eurofighter den Kampf in die Tiefe. Sie wirken weit jenseits der Reichweiten von Kampfpanzern und Panzerabwehrlenkflugkörpern.

Das Ziel des Angriffes ist es, den Gegner endgültig zu zerschlagen. Das gelingt nur durch den entschlossenen Einsatz eines breit aufgestellten Waffenverbundes.

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Freedom Shield der Panzerbrigade 45 Litauen

Ein Soldat blickt in die Kamera.

Bundeswehr/Mario Bähr

Die Brigade ist auf dem Weg zur vollen Einsatzbereitschaft. Im Kern haben das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf mit verstärkenden Kräften des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach sowie die bereits bestehende NATO Multinational Battlegroup Lithuania an der Übung teilgenommen und gekämpft.

Freedom Shield im scharfen Schuss

Der Kommandeur der Panzerbrigade 45, Brigadegeneral Christoph Huber, zieht nach Freedom Shield ein positives Fazit:

„Wir haben viel ausgebildet, sind besser geworden, Tag für Tag. Das Gefecht der verbundenen Waffen der Panzertruppen haben wir für die Brigade weiterentwickelt, besonders wenn es um den Einsatz von Drohnen geht. Wir haben mit und gegen Drohnen gekämpft. Höhepunkt war der scharfe Schuss zweier verstärkter Kampftruppenbataillone. Auch dort haben wir zusammen geübt und wir haben zusammen gekämpft. Wir haben die Übung Freedom Shield erfolgreich abgeschlossen. Ich bin stolz auf die Frauen und Männer der Panzerbrigade 45 'Litauen' und der sie verstärkenden Elementen aus den gesamten Streitkräften. Ein starkes Team!“

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