Einsatzleitwagen der Bundeswehrfeuerwehr
Als Einsatzleitwagen nutzt die Bundeswehrfeuerwehr verschiedene Autos.
- Gerätetyp:
- Feuerwehr
- Streitkräfte:
- IUD
Ein kühler Morgen im April: Nebelschwaden über der Schwäbischen Alb, alles ist still und friedlich. Plötzlich Alarm, Motoren starten und Funkgeräte knistern. Es ist kurz nach neun, als Christoph N. in sein Feuerwehrfahrzeug steigt. Die zivil-militärische Übung Roter Heuberg beginnt.
Auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr in Stetten am kalten Markt kommen am 11. und 12. April 2026 jeweils rund 400 Einsatzkräfte sowie 300 Betreuer und Ausbilder aus Baden-Württemberg, der Schweiz und Liechtenstein zusammen: Bundeswehr-Feuerwehrleute Seite an Seite mit ihren zivilen Gefahrenabwehrorganisationen.
Es sind zwei Tage voller Herausforderungen für die Einsatzkräfte, bei denen sich zeigt, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. Denn alle eint ein gemeinsames Ziel: vorbereitet zu sein, wenn es ernst wird.
Zusammen mit Christoph N. treffen auch seine Kolleginnen und Kollegen der Bundeswehr-Feuerwehr (BwF), von zivilen Feuerwehren, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk am Sammelpunkt ein. Die Übung beginnt.
Auf die Einsatzkräfte warten 21 realitätsnahe Übungsszenarien aus dem gesamten Fähigkeitsspektrum: vom Verkehrsunfall über Dekontaminationsaufgaben bis hin zu Hausbränden und sogar ein brennender Hubschrauber. Simulierte Maschinenausfälle, Gaffer und Störer erschweren die Übungsszenarien zusätzlich und sorgen für die nötige Realitätsnähe.
Das weiß auch Christoph N., aber Sicherheit steht an erster Stelle, gerade wenn es schnell gehen muss. Dann heißt es, einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn das Adrenalin ins Blut schießt.
Der 27-Jährige hat im Oktober 2023 seine 18-monatige Ausbildung im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Bundeswehr-Feuerwehr abgeschlossen. Jetzt ist er Brandmeister und bereit für den Einsatz.
Die Einsatzlagen sind vielfältig, auch hier beim Roten Heuberg: „Man muss sich ständig neu auf die Situationen einstellen“, sagt er, „denn jede Lage ist anders.“
Übungsbeobachter sind immer mit dabei und bewerten die Einsatzkräfte. Wie schnell und erfolgreich war der Einsatz, was kann verbessert werden und welche Alternativen hätten bestanden? Alles wird besprochen und die Übenden erhalten direkt Feedback.
Feuerwehrzüge aus je drei Fahrzeugen starten im Konvoi zu den Übungsstationen. In den Fahrzeugen ist es ruhig. Konzentriert. Noch wissen die Einsatzkräfte nicht, was sie erwartet.
Die eigentliche Lage erfahren sie erst an der Station. Dann heißt es: Schnell handeln, denn wenn Menschen in Gefahr sind, zählt jede Sekunde.
Der Zugführer erkundet die Lage, schätzt Gefahren ein und entscheidet, was zu tun ist.
Er koordiniert den Einsatz und teilt den Gruppenführern ihre Aufgaben zu. Angriffstrupp, Wassertrupp und Maschinist arbeiten Hand in Hand und stehen in ständigem Austausch mit ihrem Gruppenführer.
Ein Schwerpunkt der Übung liegt auf der Rettung von Menschen, denn das hat bei der Feuerwehr immer die erste Priorität – noch vor der Brandbekämpfung.
Statisten spielen Verletzte, schreien, bluten, sind eingeklemmt. Für weiteren Druck sorgen darüber hinaus die Übungsbeobachter: immer nah am Geschehen, immer mit Blick auf die Stoppuhr.
Der Zeitdruck sei wichtig für die Realitätsnähe, betont Christoph N: „Der simulierte Stress ist notwendig, denn den haben wir auch im Einsatz.“
Ein Grundsatz, der sich durch alle Szenarien zieht und wenig Raum zum Durchatmen lässt. Die nächste Station wartet schon, und wieder macht sich der Feuerwehrzug auf den Weg.
Ein Auto ist von der Straße abgekommen und gegen eine Hauswand geprallt. Rauch steigt auf. Unter dem Fahrzeug liegt ein Kind – regungslos. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert.
Während der Angriffstrupp den Fahrer rettet und aus der Gefahrenzone entfernt, konzentriert sich der als Maschinist eingesetzte Christoph N. mit weiteren Kameraden auf das Kind unter dem Auto. Jeder Handgriff muss sitzen. Hydraulisches Rettungsgerät kommt zum Einsatz – Spreizer, Aggregate und Hebestempel zur Sicherung des Autos. Metall knackt unter dem Druck. Vorsichtig hebt sich das Fahrzeug Zentimeter für Zentimeter. Daneben steht der Wassertrupp bereit und sichert die Einsatzstelle.
Dann endlich: „Person gefunden“, knackt es im Funk.
Das unter dem Auto eingeklemmte Kind wird befreit. Doch bei voller Konzentration auf die Rettung haben die Einsatzkräfte nicht bemerkt: Im Haus hat sich Rauch ausgebreitet. Unter Atemschutz werden auch hier vermisste Personen gesucht und gefunden.
Nach dem Einsatz kehrt kurz Ruhe ein. Christoph N. steht am Feuerwehrfahrzeug. Alle sind schon etwas erschöpft, aber voll konzentriert.
Der Brandmeister ist als Maschinist eingesetzt. Das bedeutet: Er hält im Hintergrund alles am Laufen. Bedient Geräte, stellt Material bereit, sorgt dafür, dass der Angriffstrupp vorne arbeiten kann.
„Wenn der Angriffstrupp vorn steht, muss hinten alles stimmen.“ Sein Blick geht immer wieder nach vorne, zur Einsatzstelle. „Ich muss genau wissen, was gebraucht wird – um das benötigte Material und Gerät schnell bereitstellen. Da ist keine Zeit für lange Absprachen.“
Die Rollen wechseln. Mal Angriffstrupp, mal Wassertrupp, mal Maschinist. Genau das ist Teil der Ausbildung. „Deshalb üben wir alles. Jeder muss jede Funktion können.“
Alle müssen sich blind aufeinander verlassen können. Und genau das wird jetzt auf eine harte Probe gestellt.
„Hallo! Hilfe! Es brennt!“, hallt es durch den Wald. Ein Mann steht am Giebelfenster einer Holzhütte, Panik in der Stimme. Rauch quillt aus dem Haus. Laute Musik dröhnt und vor dem Haus stören alkoholisierte Personen den Einsatz. Niemand weiß, wie viele noch im Gebäude sind.
Christoph N. springt aus dem Fahrzeug. Er ist jetzt im Angriffstrupp. Atemschutz auf, Maske dicht. Der Fokus ist klar: Menschenrettung immer zuerst. Während seine Kameraden draußen die aggressiven Störer im Griff behalten, wird im Inneren jeder Raum abgesucht.
„Du hörst nur deinen Atem und den Funk“, beschreibt der Brandmeister die Situation.
Eine Person wird gefunden, bewusstlos. Schnell raus, dann weitersuchen. Zeitdruck. Stress. Polizei und Rettungsdienst werden nachgefordert.
Dieses Szenario fordert den Kräften alles ab: Technik, Nerven, Kommunikation. „Hier geht es nicht nur ums Löschen“, sagt Christoph N. „Hier geht es um Kommunikation und Kontrolle.“
Dichter Rauch dringt aus einem Wohnhaus. Flammen schlagen im Inneren. Am Fenster im Giebel stehen zwei Personen, eingeschlossen.
Der Ablauf ist klar: Rettung kommt vor Löschen.
Der Flur ist verraucht, die Treppe instabil. Ein Innenangriff wird in einer ersten Lageeinschätzung als zu gefährlich angesehen. Die Entscheidung fällt schnell: Rettung von außen.
Eine Leiter wird in Stellung gebracht. Schritt für Schritt werden die Personen gesichert und nach unten geführt. Parallel dringen weitere Trupps unter Atemschutz dann doch ins Gebäude vor, um nach vermissten Personen zu suchen.
Nach der Rettungsaktion wird der Rauch mittels Hochleistungslüfter aus dem Gebäude gedrückt. Endlich bessere Sicht! Jetzt erst beginnt die gezielte Brandbekämpfung.
Als nächstes folgt ein Einsatz in einer Lagerhalle. Im Inneren brennt ein Fahrzeug. Mehrere Personen befinden sich noch im Gebäude.
Unter Atemschutz arbeitet sich der Angriffstrupp vor. Die Einsatzkräfte sind mit Wärmebildkameras ausgestattet. Damit können sie Wärmequellen wie Personen und Brandherde auch durch Rauch und Dunkelheit hinweg erkennen.
„Zwei Personen in der Ecke“, tönt es über Funk.
Die bewusstlosen Personen werden lokalisiert und ins Freie gebracht. Sofort beginnt die Reanimation. Drei weitere Personen, die noch ansprechbar sind, werden gefunden und nach draußen begleitet.
Christoph N. ist jetzt im Wassertrupp und bereitet die Schläuche für den Löschangriff vor. „Wasser marsch!“ Schläuche werden nachgezogen, während die ersten Einsatzkräfte im Dunkeln verschwinden. Wasser trifft auf Feuer, Dampf schießt zurück.
Dann endlich auch hier die Meldung: „Feuer unter Kontrolle. Alle Personen gerettet. Einsatz erfolgreich beendet.“
Die Rettung von Menschen ist das erste Ziel und elementar in fast allen Szenarien. Aber Situationen mit Schwerstverletzten sind noch einmal eine besondere Herausforderung, die daher mit einer eigenen Station beübt wird.
Ein Mann kniet am Boden. Ein Rohr hat seinen Körper durchbohrt – vom Rücken bis in den Bauch. Sein Gesicht ist verzerrt, Schmerzenslaute sind zu hören.
Ein Trupp ist sofort bei ihm, spricht ihn ruhig an, stabilisiert und tastet den Körper nach den Verletzungen ab. Jede Bewegung muss sitzen und Hilfsmittel müssen improvisiert werden. Mit einem Schlauchkoffer wird der Körper fixiert, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Vorsichtig wird das Rohr dann mit der Säge gekürzt.
Das erfordert volle Konzentration, während zugleich und nur wenige Meter entfernt ein Mann mit dem Arm in einer Maschine feststeckt, in einem verunfallten Auto der Motorraum brennt und der Fahrer gerettet werden muss, bevor sich das Feuer ausbreitet.
Drei Einsatzstellen. Ein Zug. Wenig Zeit. Der Zugführer koordiniert, priorisiert und weist die Aufgaben parallel zu.
Der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Fahrzeuge rollen zurück, der Lärm verstummt langsam.
Christoph N. sitzt auf der Kante des Fahrzeugs, die Ausrüstung abgelegt. Er ist erschöpft. Aber zufrieden. „Es ist anstrengend“, sagt er. „Aber genau dafür machen wir das.“
Die Übung hat gezeigt, was zählt: Zusammenarbeit, klare Abläufe und gegenseitiges Vertrauen.
Auch aus Sicht der Führung ist der Rote Heuberg unverzichtbar. Der Leiter der Bundeswehr-Feuerwehr Heuberg bringt es auf den Punkt:
Diese Übung ist seit Jahren ein fester Bestandteil unserer Ausbildung. Sie hat sich bewährt, weil sie realitätsnah ist und die Zusammenarbeit im Notfall funktionieren muss.
Als Einsatzleitwagen nutzt die Bundeswehrfeuerwehr verschiedene Autos.
Das Feuerlöschfahrzeug 1000 wird oft auf Flugplätzen eingesetzt.
Ein Löschfahrzeug für Brände in Häusern – und anderswo.
Ein „rollender Werkzeugkasten“ für Hilfseinsätze aller Art.
Das Flugfeldlöschfahrzeug Z6 – große Löschkraft schnell am Einsatzort.
Das Flugfeldlöschfahrzeug Z8 sorgt für maximale Sicherheit auf den Flugplätzen.
Das Hubrettungsfahrzeug Marine hat eine Drehleiter mit Rettungskorb.
Die Löschraupe – Spezialistin der Bundeswehrfeuerwehr für Moorgebiete
Auf Übungsplätzen ist das Feuerlöschfahrzeug Waldbrandbekämpfung unverzichtbar.