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Luftwaffe
Abschreckung und Partnerschaft

Vom Grenzschutz bis zu Luftoperationen – die Luftwaffe in Litauen

Landes- und Bündnisverteidigung

Im Ernstfall führen sie Kampfjets und Flugabwehrraketeneinheiten – die Männer und Frauen des mobilen Gefechtsstands „Red Hawk“ der Luftwaffe. Anfang 2026 sind sie dort, wo sie im Verteidigungsfall allerdings nicht zu finden wären – an der Ostflanke der NATONorth Atlantic Treaty Organization.

Ein Schild mit dem Schriftzug "Restricted Area" auf einer Containertür zum DCRC

Hinter dieser Containertür sitzen die Aircraft Controller des DCRCDeployable Control and Reporting Centre. Von hier aus werden NATONorth Atlantic Treaty Organization-Kampfjets zu ihren Zielen geführt – im Frieden und im Verteidigungsfall.

Bundeswehr/Jana Neumann

Für die Führung des Luftkriegs sind in der Bundeswehr drei Gefechtsstände der Luftwaffe zuständig: zwei stationäre Control and Reporting Center (CRCControl and Reporting Center) und ein mobiles Deployable Control and Reporting Centre (DCRCDeployable Control and Reporting Centre) – Rufname „Red Hawk“. Der Vorteil des DCRCDeployable Control and Reporting Centre gegenüber den stationären Varianten: Es kann weltweit aufgebaut und betrieben werden. Seit einigen Monaten steht „Red Hawk“ in Litauen – in unmittelbarere Nähe zu Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad.

Im Fokus des Gegners

Im Verteidigungsfall würden die Soldatinnen und Soldaten des DCRCDeployable Control and Reporting Centre ihren Gefechtsstand irgendwo im Bündnisgebiet aufbauen, abgesichert durch schwerbewaffnete Infanteristen und Luftverteidigungssysteme. Denn „Red Hawk“ wäre für den Aggressor ein wichtiges Ziel, erklärt Oberst André Megow, Kontingentführer des DCRCDeployable Control and Reporting Centre in Litauen. Der Grund: Seine Soldatinnen und Soldaten führen und koordinieren im Ernstfall in einem zugewiesenen Luftraum den Luftkrieg – sei es die Abwehr feindlicher Jets, Bomber und Flugkörper oder die Unterstützung eigener Luftoprationen.

Seit Anfang 2026 ist „Red Hawk“ dennoch auf Bitten der litauischen Regierung in der Baltenrepublik und setzt ein Zeichen der Bündnissolidarität. „Wir zeigen damit, dass wir an der Seite unserer Verbündeten stehen,“ erläutert Oberst Megow. Man arbeite vor Ort eng zusammen, lerne voneinander und habe ein besseres Gespür für die Lage, so der Kontingentführer. Er fügt hinzu: „Das Bewusstsein der Litauer für die konkrete Bedrohung ist ihnen in ihrem ernsthaften Umgang mit dem Thema anzumerken. Mit direktem Blick auf die Grenze kann man hier die Gefahr durch den russischen Nachbarn nicht ignorieren.“

Dass die Anwesenheit des deutschen DCRCDeployable Control and Reporting Centre in Litauen auf der anderen Seite der Grenze wahrgenommen wird, sei eingepreist und sogar erwünscht. Es sei auch nicht das erste Mal, dass „Red Hawk“ im Baltikum stehe. Es gehe darum zu zeigen, dass man geschlossen handle und seine Technik im Friedensbetrieb professionell beherrsche. „Daraus kann das Gegenüber dann ableiten, wozu wir im Ernstfall im Stande sind“, erklärt Megow. Zudem habe man entsprechende Absicherungsmaßnahmen zum Eigenschutz ergriffen: „Wir gehen mit unseren Fähigkeiten hier nicht an unsere Grenzen. Einen Blick aus der Nähe auf unser gesamtes Fähigkeitsspektrum lassen wir nicht zu“, betont der Oberst.

Ein Soldat schließt die Eingangstür. Am Zaun hängt ein Holzschild mit der Aufschrift „DCRC“.

Der mobile Gefechtsstand besteht aus Containern und Zelten. Um sie herum ist eine streng bewachte Sperrzone eingerichtet.

Bundeswehr/Jana Neumann
Ein Soldat mit Kopfhörer sitzt vor mehreren Bildschirmen.

An das DCRCDeployable Control and Reporting Centre sind dutzende Radare angeschlossen. Sie geben den Aircraft Controllern ein klares Lagebild über alle Bewegungen im Luftraum.

Bundeswehr

Luftkrieg ist wieder der Maßstab

Die Aircraft Controller des DCRCDeployable Control and Reporting Centre sind am ehesten noch mit zivilen Fluglotsen vergleichbar. Sie stehen im direkten Funkkontakt mit den Piloten. An ihren Arbeitsplätzen sehen sie alle Bewegungen im Luftraum, die von den angeschlossenen Sensoren erfasst werden. Im Friedensbetrieb leiten sie militärische Jets und Transportflugzeuge durch den viel beflogenen Luftraum über Deutschland. Zudem führen sie die Alarmrotten zur Überprüfung unbekannter ziviler und militärischer Flugzeuge, die sich nicht an die Regeln des Luftverkehrs halten – beispielsweise bei Grenzverletzungen.

Sie unterstützen auch die zivile Luftsicherung bei Luftnotlagen. Dabei kann es sich um medizinische Probleme an Bord eines Passagierflugzeugs handeln oder um technische Probleme, die eine Kommunikation auf zivilen Funkkanälen verhindern. Aber auch die Entführung eines Flugzeugs fällt in diese Kategorie.

Diese Aufgaben bildeten in der jüngeren Vergangenheit den Schwerpunkt für die Soldatinnen und Soldaten des DCRCDeployable Control and Reporting Centre. Doch seit Russlands umfassendem Krieg gegen die Ukraine und den hybriden Angriffen auf Europa steht das Training zur Führung von Luftoperationen im Mittelpunkt. Denn „Red Hawk“ ist Teil der der integrierten Luftverteidigung der NATONorth Atlantic Treaty Organization . Die Aircraft Controller sorgen dafür, dass alle Luftfahrzeuge zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind – sei es zur Luftbetankung oder zum Abfangen feindlicher Jets. Im Verteidigungsfall heißt das für jeden Controller, mehrere Kampflugzeuge gleichzeitig im Luftkampf zu führen.

Die Bedrohungslage habe aber auch noch eine weitere Konsequenz, erklärt Oberst Megow: „Wir haben jetzt auch eine große Bedrohung aus der Luft, nicht zuletzt durch den massenhaften Einsatz von Drohnen, wie es sich in den gegenwärtigen Konflikten zeigt. Deshalb ist die Einbindung der Flugabwehr extrem wichtig. Nur im Verbund der fliegenden und der bodengebundenen Kräfte können wir den Luftraum schützen.“ Und genau dieses Zusammenspiel der Flugabwehrraketenkräfte mit ihren PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-Systemen und den fliegenden Einheiten koordiniert „Red Hawk“ in seinem Luftraum. 

Ein Airbus A400M betankt in Eurofighter-Kampfjets in der Luft.

Dafür zu sorgen, dass Eurofighter-Kampfjets und Tankflugzeug zur richtigen Zeit am richtigen Ort zusammenkommen, ist Aufgabe der Aircraft Controller

Bundeswehr/Christian Timmig
Zwei Tornado-Kampfjets fliegen in Formation über Patriotsysteme, die am Boden stehen.

Nur durch ein effektives Zusammenspiel von Flugabwehrsystemen wie PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target und Kampfflugzeugen kann der eigene Luftraum verteidigt werden. Die Koordinierung des Waffeneinsatzes erfolgt in Gefechtsständen wie dem DCRCDeployable Control and Reporting Centre.

Bundeswehr/Cora Mohrdieck

Die Zukunft des DCRCDeployable Control and Reporting Centre

Erst kürzlich hat das DCRCDeployable Control and Reporting Centre ein Update für sein Gefechtsführungssystem erhalten. GIADS 4 steht für die vierte Version des German Improved Air Defence System. Der Datenaustausch werde dadurch erheblich leistungsfähiger und sicherer, sagt Megow mit Blick auf das neue Niveau von Verschlüsselung.

Hier wird die Entwicklung des DCRCDeployable Control and Reporting Centre aber nicht stehen bleiben. Die Luftwaffe arbeitet bereits daran, die Infrastruktur des DCRCDeployable Control and Reporting Centre aus den Zelten und Containern weiter zu modularisieren und auf LKW zu bringen. Der Grund: Nur durch die Erhöhung der Mobilität wird sich der Gefechtsstand künftig der Aufklärung des Gegners entziehen können. Bis dahin wird „Red Hawk“ noch in seiner aktuellen Form für einen sicheren Flugverkehr sorgen und im Ernstfall seinen Beitrag zur Luftverteidigung über Europa leisten.

Y-Magazin: Luftkampf

Y-Magazin: Luftkampf PDF, nicht barrierefrei, 13,8 MB
Das Cover vom Y-Magazin „Luftkampf“ mit Illustration eines Kampfflugzeuges

Bundeswehr/C3

von Ole Henckel

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