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Spezialkräfte in der Landes- und Bündnisverteidigung

NATO-Großübung Cold Response 2026

Royal Navy/UK Ministry of Defence

Landes- und Bündnisverteidigung

Spezialkräfte in der Landes- und Bündnisverteidigung

Sie sind wenige, erzielen aber eine große Wirkung und schaffen die Voraussetzungen, dass nachfolgende Kräfte erfolgreich kämpfen können.

Wenn andere Truppen an ihre Grenzen stoßen, treten die Spezialkräfte in Aktion. Ihre Operationen eröffnen der Führung Handlungsoptionen – und schaffen oft erst die Voraussetzungen dafür, dass nachfolgende Kräfte ihren Auftrag überhaupt erfüllen können.

Das Aufgabenspektrum der Spezialkräfte in der Landes- und Bündnisverteidigung ist breit gefächert. Zu Wasser, an Land und in der Luft führen Spezialkräfte Missionen aus, bei denen andere Einsatzkräfte an ihre Grenzen stoßen. Dazu gehören die Spezialaufklärung ebenso wie der offensive direkte Einsatz gegen gegnerische Hochwertziele. Auch das Ausschalten hybrider Bedrohungen vor, an oder hinter feindlichen Linien zählt zu den typischen Einsatzarten der Spezialkräfte. In Krisen- und Kriegsgebieten unterstützen sie zudem strategisch bedeutende Akteure. Dazu können auch irreguläre Kräfte wie Widerstandsnetzwerke zählen.

Schlüsselfunktion: Spezialaufklärer und Wegbereiter 

Bei Angriffen auf das NATO-Bündnisgebiet tragen Spezialoperationen wesentlich dazu bei, dass nachfolgende militärische Kräfte erfolgreich kämpfen können. Spezialkräfte eröffnen Handlungsoptionen für die militärische Führung. Und sie tragen im Krisen- und Kriegsfall wesentlich dazu bei, Hintergrundinformationen für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger bereitzustellen. Denn zu ihren wichtigsten Aufträgen gehört, frühzeitig Schlüsselinformationen in der Tiefe des gegnerischen oder feindbesetzten Raums zu gewinnen.

Dazu zählen Angaben über Truppenbewegungen oder über die räumliche Verteilung oder Verlagerung von Ressourcen wie Waffensystemen, Munition oder Materialreserven. Wenn sie für die gegnerische oder die eigene Operationsführung relevant sind oder werden können, gehören auch Erkenntnisse zu Einrichtungen oder Infrastruktur dazu. Wichtig: Die so genannte Spezialaufklärung (Special Reconnaissance) ist ein fester Bestandteil der militärischen Aufklärung. Denn die gewonnenen Schlüsselinformationen können für die Entscheidungsfindung auf operativer, militärstrategischer und sicherheitspolitischer Ebene essenziell sein. Spezialkräfte sind jedoch nicht nachrichtendienstlich tätig. Diese Aufgabe obliegt den Geheimdiensten.

Ein Soldat im Portrait Brigadegeneral Torsten Glockzin, Direktor der Spezialkräfte der Bundeswehr Bundeswehr
Spezialkräfte sind Wegbereiter und Katalysatoren. Ihr frühzeitiges Agieren in der Tiefe des gegnerischen Raumes schafft die Voraussetzungen für effektive Folgeoperationen.

Ein weiterer Kernauftrag der Spezialkräfte sind Kampfeinsätze hinter feindlichen Linien: Sie neutralisieren feindliche Radar- und Flugabwehrsysteme. Sie nehmen führungswichtige Technik in Besitz. Oder sie setzen relevante gegnerische Personen fest. Mit nur wenigen Soldatinnen und Soldaten erzielen Spezialkräfte somit eine große strategische Wirkung – auch in der Tiefe des gegnerischen Raums, in dem sie weitgehend autark agieren.

Ein Kampfschwimmer der Bundeswehr seilt sich aus einem Hubschrauber auf ein ziviles Frachtschiff ab

Zugriff auf See: Beim Boarding verdächtiger Schiffe – hier eines Mehrzweckfrachters bei einer Übung auf der Ostsee – greifen die Kampfschwimmer der Marine zeitgleich vom Wasser und aus der Luft zu

Bundeswehr/Benjamin Bendig
Ein Soldat der Aufklärungskompanie des Kommandos Spezialkräfte (KSK) bedient eine Aufklärungsdrohne

Blick ins Detail: Mit Mikro-Aufklärungsdrohnen können in Echtzeit Nahaufnahmen erstellt werden, um den Zugriff auf Personen, Fahrzeuge, Waffensysteme oder andere Zielobjekte vorzubereiten oder zu begleiten

Bundeswehr/KSK

Vor und hinter der Front: Abwehr hybrider Bedrohungen

Die Spezialkräfte der Bundeswehr kommen auch in der Abwehr terroristischer Bedrohungen und subversiver Kräfte zum Einsatz, wenn beispielsweise verteidigungswichtige kritische Infrastruktur, militärische Kräfte und Mittel gegen hybride Kriegführung zu verteidigen sind. Das Ziel ist, den Handlungsspielraum der Operationsführung aufrechtzuerhalten und bei Bedarf auch wiederherzustellen – an und hinter der Frontlinie, zum Beispiel auf besetztem NATO-Territorium.

Auch im Inland können Spezialkräfte in der Landes- und Bündnisverteidigung eingesetzt werden, beispielsweise um das reibungslose Funktionieren der Drehscheibe Deutschland für den Aufmarsch von NATO-Kräften sicherzustellen, wenn diese durch feindliche militärisch bewaffnete Kräfte sabotiert wird. Dies tun sie dann zur Unterstützung mit den für die Gefahrenabwehr zuständigen Polizeibehörden. In Ausnahmefällen können Spezialkräfte der Bundeswehr inländische Sicherheitsbehörden über die Amtshilfe nach Artikel 35 GG unterstützen.

Nicht neu, aber risikoreicher als zuvor

Die Rahmenbedingungen für Spezialoperationen in der Landes- und Bündnisverteidigung unterscheiden sich dabei maßgeblich von denen im internationalen Konflikt- und Krisenmanagement, das bisher Schwerpunkt der Spezialkräfte war.  Der mögliche Gegner jetzt ist kriegserfahren, besser ausgerüstet und ausgebildet, als es terroristische Gruppierungen oder irreguläre Kämpfer sind. Der Kampf ist härter, die Verluste sind höher – auch die eigenen. 

Anders als es beispielsweise in Afghanistan oder Mali der Fall war, verfügt die eigene Seite in einem Artikel-5-Szenario in der Regel zudem nicht über die gleiche Handlungsfreiheit, zum Beispiel im Luftraum. Modernste Aufklärungsmittel von Drohnen bis zum Satelliten schaffen zudem einen nahezu transparenten Raum, in dem auch Operateure der Spezialkräfte ständig Gefahr laufen, entdeckt zu werden. Operationen in der Tiefe hinter feindlichen Linien sind somit ungleich risikoreicher – und die Aufträge verschieben sich.

Ein Beispiel: Bei der Erzielung weitreichender Schläge gegen den Feind – Deep Strikes genannt– stand bisher die Markierung eines Ziels für einen Lenkflugkörper per Laser im Fokus der Operateure. Das hat sich geändert, so Brigadegeneral Glockzin: „Auf einem gläsernen Gefechtsfeld unerkannt zu operieren, ist nahezu unmöglich. Es gilt vielmehr, hinter der Frontline ein Wurmloch für einen gezielten Schlag zu schaffen.“ Dabei handelt es sich um einen festgelegten Korridor, zeitlich und räumlich, in dem die feindliche Flugabwehr ausgeschaltet und das Ziel tatsächlich zerstörbar ist. Hier greifen Spezialaufklärung und Kampfeinsatz eng ineinander, um den Deep Strike wirksam vorzubereiten. Glockzin betont: „Erfolg oder Misserfolg von Spezialkräfte-Operationen können eine immense Tragweite für Verlauf und Ausgang eines Krieges entfalten. Für eine erfolgreiche Landes- und Bündnisverteidigung sind die Fähigkeiten der Spezialkräfte unentbehrlich.“

Ein Soldat steht auf der Heckklappe eine Helikopters und schiesst mit einem Maschinengewehr

Schutz aus der Luft: Ein Doorgunner der Spezialkräfte der Luftwaffe gibt Feuerschutz für die Kommandosoldaten am Boden

Bundeswehr/Leon Belz
Spezial-Sanitätskräfte der Bundeswehr versorgen einen Verwundetendarsteller mit einer Beinverletzung

Bei Spezialoperationen – hier eine simulierte Schwerstverletzung – übernehmen die Soldatinnen und Soldaten der Special Operations Medical Support Teams (SOMST) die lebenserhaltenen Maßnahmen, bis ein Abtransport der Verwundeten möglich ist

Bundeswehr/KSK

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