Streitkräftebasis
Ausbildung für Fahrlehrende

Fahrlehrendenausbildung Klasse A: Die Königsklasse

Fahrlehrendenausbildung Klasse A: Die Königsklasse

  • Ausbildung
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
4 MIN

Ohne Fahrlehrende kein Führerschein: Die Streitkräftebasis sichert den Nachwuchs für die Feldjäger Krad-Eskorte und Kradmelder. Einmal im Jahr findet an der Logistikschule der Bundeswehr die Ausbildung der zukünftigen Fahrlehrerinnen und -lehrer Klasse A (Motorrad) statt.

Ein Motorradfahrer fährt durch tiefen Sand.

Eine Herausforderung für jeden Kradfahrer: Das Tiefsandfahren. Hier kann das Vorderrad schon einmal anfangen zu schwimmen und die Maschine kippen. Aber auch das will gelernt sein

Bundeswehr/Nicole Brandt

Der Fahrlehrende Motorrad sitzt nicht unmittelbar neben seiner Fahrschülerin oder seinem Fahrschüler wie beispielsweise beim Autofahren. Er fährt grundsätzlich hinter ihnen. Das ist eine besondere Herausforderung für beide Seiten. „Als Fahrlehrer Klasse A kann ich nur verbal eingreifen. Ich muss weit vorausdenken und Dinge schnell aufnehmen, um diese dann rechtzeitig weiterzugeben. Nur dann lernen die Schülerinnen und Schüler, auch schwierige Situationen zu bewältigen oder rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden“, erklärt Hauptfeldwebel Christopher G. In der Streitkräftebasis findet diese anspruchsvolle Ausbildung zur Fahrlehrerin / Fahrlehrer A-Klasse einmal im Jahr an der Logistikschule der Bundeswehr statt. „Die Königsklasse“, da sind sich die Fahrlehrenden in spe und ihre Ausbildenden einig.

Ohne Fahrlehrende kein Führerschein

Ein Motorrad fährt in Schräglage auf einem Platz auf eine am Boden liegende Holzlatte zu.

Übung macht den Meister: Damit der Fahrer und sein Motorrad zu einem eingespielten Team werden, trainieren sie verschiedene Fahrweisen und Situationen. Hier soll eine Holzlatte in Schräglage überfahren werden

Bundeswehr/Petra Reiter

„Im Straßenverkehr gibt es Situationen, in denen man machtlos ist. Deshalb ist eine gute Ausbildung der Fahrschülerinnen sowie Fahrschüler und allen voran der Fahrlehrenden wichtig“, betont Ausbilder Thorsten N. Der Stabsfeldwebel hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist seit mittlerweile zwölf Jahren Fahrlehrer für zukünftige Motorradfahrinnen und -fahrer. Er bildet auf zwei verschiedenen Maschinen – eine für die Straße und eine für das Gelände – in zehn Wochen an der Logistikschule der Bundeswehr angehende Fahrlehrende der Klasse A (Motorrad) aus. „Ohne die Ausbildenden der Motorradfahrer würde es weder Feldjäger noch Kradmelder in der Truppe geben“, unterstreicht der 44-Jährige die Notwendigkeit der Fahrlehrendenausbildung.

Auf dem Dienstplan stehen neben fahrpraktischem Unterricht auf der Straße und im Gelände, die Ausbildung in Verkehrspädagogik, Straßenverkehrsrecht und Fahrzeugtechnik. „Denn auch bei Motorrädern sind Fahrerassistenzsysteme wie Kurven- und Schräglagen-ABS, Antischlupfregelung und „Wheelie Control“ (verhindert, dass das Vorderrad beim Beschleunigen abhebt) normal“, erklärt der Berufssoldat.

Voraussetzungen für Fahrlehrende

Ein Motorradfahrer fährt durch tiefen Sand.

Nicht nur auf der Straße, auch im Gelände oder im Wald müssen gewisse Grundfahraufgaben beherrscht werden: Hier wird Fahren auf unebenem Sandboden trainiert

Bundeswehr/Nicole Brandt

Hauptfeldwebel Christopher G. ist bereits Fahrlehrer an der zentralen Ausbildungseinrichtung für Logistik in der Streitkräftebasis. Die Lehrberechtigung A fehlte ihm noch, um zukünftig Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer in allen Fahrerlaubnisklassen ausbilden zu können. Wie seine zehn Trainingskameradinnen und -kameraden musste auch der 35-Jährige zunächst anhand seines Fahrtennachweisheftes 100 Kilometer Geländefahrten und 1.000 Kilometer Straßenfahrten mit dem Motorrad belegen. Zudem müssen die zukünftigen Fahrlehrenden Klasse A ein zweiwöchiges Praktikum im Kraftfahrausbildungszentrum Kümmersbruck, der einzigen Motorradfahrschule der Bundeswehr, absolviert haben. „Hier habe ich den aktiven Fahrschulbetrieb erlebt, konnte Unterrichte begleiten und selber Sachen ausarbeiten“, erinnert sich Christopher. Mit einem Lächeln fügte er hinzu, dass er natürlich auch Motorrad gefahren sei.

Sekundenschnelles Reagieren

Motorradfahrende auf einem Waldweg.

Im Gelände sollen die Trainingsteilnehmenden Sicherheit beim Fahren auf verschiedenen Untergründen bekommen

Bundeswehr/Nicole Brandt

Wie ihre Kameradinnen und Kameraden anderer Fahrerlaubnisklassen müssen auch die Fahrlehrenden der Klasse A die sogenannten Grundfahraufgaben aus dem Effeff beherrschen. Dazu gehören zum Beispiel Fahren eines Slaloms in Schrittgeschwindigkeit, Ausweichen ohne und nach Abbremsen, Fahren in Schrittgeschwindigkeit oder Stop and Go. Neben dem Erklären und Zeigen dieser Fertigkeiten müssen Fahrlehrerinnen und -lehrer diese anleiten können. „Dabei ist die größte Herausforderung, dass ich mit dem arbeiten muss, was meine Fahrschülerin oder mein Fahrschüler vor mir mitbekommen, was verstanden wird über die Funkverbindung“, erklärt Christopher. An der Logistikschule habe er zudem Tipps und Kniffe an die Hand bekommen, wie er seine Schülerinnen und Schüler sicher anleiten kann. Die Ausbildenden hätten auf mögliche Probleme aufmerksam gemacht und gezeigt, wie diese umgangen werden können. Es sei beispielsweise wichtig, vorbereitet zu sein, wenn der einzig mögliche Kontakt zum Schüler oder der Schülerin – per Funk – abbrechen sollte. „Aus diesem Grund wird vor dem angeleiteten Fahren mit unseren Fahrschülerinnen und -schülern besprochen, welche Zeichen wir uns geben und wie wir uns verhalten, falls nur noch Rauschen oder gar kein Ton mehr zu hören ist.“

Herausforderung Kopf

„Gute Fahrlehrende fahren mit dem Motorrad und nicht mit dem Auto hinter ihren Schülerinnen und Schülern“, so vermittelt es Ausbilder Thorsten seinen Trainingsteilnehmenden. Dann könne er oder sie viel mehr zeigen, auch mal vorfahren, vormachen und anleiten. Die Angst, dass das Motorrad wegrutscht, ist weit verbreitet. „Wenn ich als Fahrlehrer selbst mit dem Motorrad fahre, kann ich gerade in solchen Situationen, wo sich Angst im Kopf breit macht, meine Fahrschülerinnen und -schüler auf meiner Maschine mitnehmen und sie vom Gegenteil überzeugen.“ Thorsten schmunzelt und fügt hinzu: „Der Reifen weiß doch gar nicht, dass die Straße nass ist. Das weiß nur der Kopf.“

Auch Christopher kennt den Gegner „Kopf“ beim Fahren: „Durch das Sicherheitstraining zu Beginn des Lehrgangs weiß ich, wie sich das Motorrad verhält und wie ich mich verhalten muss“, erzählt er. „Dennoch gibt es Situationen, da fällt es sehr schwer, einfach Gas zu geben.“ Das sei anfangs vor allem im Gelände so gewesen. Die angehenden Fahrlehrer und -lehrerinnen erlangen eine hohe Fachkompetenz. Im Training lernen sie, wie sie trotz der Distanz zu Fahrschülerinnen und -schülern Sicherheit geben und ihr Wissen vermitteln können. Christopher G. hat das Training bestanden und kann nun zukünftige Motorradfahrende für die Truppe ausbilden.

von Kathleen Boungard  E-Mail schreiben

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