Streitkräftebasis
Safety Fuel 2022

Sichere Kraftstoffversorgung in jeder Lage

Sichere Kraftstoffversorgung in jeder Lage

Datum:
Ort:
Schleswig-Holstein
Lesedauer:
4 MIN

Kein Motor läuft ohne Kraftstoff. Deshalb ist die Bundeswehr bei Einsätzen und Übungen auf eine reibungslose Versorgung angewiesen. Zur Kraftstoffversorgung militärischer Luftfahrzeuge wurde in Europa in den 1950ern ein NATO-Pipelinesystem errichtet. Aber wie funktionieren die Versorgung und Lagerung von Kraftstoff ohne eine feste Infrastruktur?

Pipelinerohre führen zu einer Verteilerstation mit mehreren Schiebern.

Pipelinesystem mit einer Verteilerstation Feldtanklager

Bundeswehr/Sebastian Sänger

Hier sind die Spezialpioniere des Logistikkommandos der Bundeswehr (LogKdoBw) gefragt. Das Spezialpionierregiment 164 (SpezPiRgt 164) aus Husum hält für die Sicherstellung der Kraftstoffversorgung Feldtanklager bereit. Diese im englischen als Bulk Fuel Installation (BFI) bezeichneten Lager, werden durch die Pipelinepioniere außerhalb fester Infrastruktur, also im Felde, schnell aufgebaut und betrieben. Sie dienen zum Beispiel der Kraftstoffversorgung von Luftfahrzeugen. Zum Üben dieser Fähigkeit in multinationalen Einsätzen, kooperiert das LogKdoBw mit dem Logistics Inspectorate des Hungarian Defence Forces Command (HDFC) der ungarischen Streitkräfte. Das Ziel dieser strukturierten Partnerschaft in Logistik (SPiL) ist die Entwicklung von logistischen Fähigkeiten einschließlich gemeinsamer Ausbildungsinhalte und -abläufe sowie Verfahren zur Herstellung binationaler Interoperabilität (Zusammenspiel verschiedener Systeme). Das bedeutet, dass Soldatinnen und Soldaten unterschiedlicher Streitkräfte übergreifend zusammenarbeiten können und so die Grundlage für gemeinsame Einsätze geschaffen wird. Ein Teilprojekt dieser Partnerschaft ist „SAFETY FUEL“ (kurz: SAFU). Bei dieser Übung geht es um die Entwicklung der Fähigkeit zum gemeinsamen, binationalen und interoperablen Aufbau und Betrieb eines Feldtanklagers. Dabei planen und trainieren die Soldatinnen und Soldaten der 8. Kompanie des Spezialpionierregiments 164 mit der Hungarian Defence Forces (HDF) Material Supply and Store Base (MSSB) Hand in Hand. Die erste gemeinsame Ausbildung fand im Jahr 2011 am Spezialpionier Ausbildungs- und Übungszentrum in Putlos statt. Bereits seit 2012 gibt es das offizielle Kooperationsformat mit der Übungsreihe SAFU im Bereich Feldtanklager. SAFU wird jährlich unter wechselnder Verantwortung in Ungarn oder Deutschland durchgeführt.

Seit September unter deutscher Führung

Straßentankwagen wird an einer Befüllungsstation mit Kraftstoff befüllt.

Ein Straßentankwagen wird an einer Befüllungsstation betankt. Der LKWLastkraftwagen fährt den Kraftstoff dann zum Fahrzeug.

Bundeswehr/Sebastian Sänger

SAFU 2022 findet unter deutscher Verantwortung auf dem Truppenübungsplatz Putlos statt. Ziel der diesjährigen Übung ist es, nach gemeinsamen Übungen mit den ungarischen Streitkräften die volle operationelle Einsatzbereitschaft der binationalen logistischen Fähigkeit festzustellen. Hierdurch ist es künftig möglich, die gemeinsame Fähigkeit in weitere multinationale Übungen oder in Einsätze zu integrieren und so eine reibungslose Kraftstoffversorgung sicherzustellen. Für das Jahr 2023 ist die Einbindung von SAFU in ein multinational angelegtes Großvorhaben der Luftwaffe vorgesehen. Eine weitere Besonderheit ist in diesem Jahr, dass die Übung unter möglichst realistischen Einsatzbedingungen durchgeführt wird. Dazu haben die deutschen und ungarischen Soldatinnen und Soldaten das Feldlager „Ostseeblick“ auf dem Truppenübungsplatz Putlos bezogen. Dieses wird durch die 4. Kompanie des Spezialpionierregiments 164 betrieben. Dabei werden alle Bereiche – von der Verpflegung über die Unterbringung bis hin zur Reinigung der Uniformen in einer Feldwäscherei – abgedeckt. Für insgesamt drei Wochen leben die Soldatinnen und Soldaten nun im Feldlager und üben den Feldtanklagerbetrieb auf dem hierfür extra eingerichteten Übungsgelände „Georgenhof“.

Übung in insgesamt drei Phasen

Deutsche und ungarische Soldateninnen und Soldaten installieren eine Dichtung

Deutsche und ungarische Soldatinnen und Soldaten installieren eine Dichtung mit Dichtungsring an einer Abzweigung der Pipeline

Bundeswehr/Sebastian Sänger

In der ersten Phase wurde ein bestehendes Feldtanklager durch die Übungstruppe übernommen und hinsichtlich der Einsatzbereitschaft überprüft. Wenn nötig, wurden Maßnahmen zur Wiederherstellung beziehungsweise Instandhaltung ergriffen. Im weiteren Verlauf wurden notwendige Erweiterungen und Ertüchtigungen der Anlage geplant sowie durchgeführt. Dazu wurde die Anlage in verschiedenen Bereichen durch neues Pipelinematerial ergänzt und neu aufgebaut, um so die notwendige Kapazität zur Lagerung des Kraftstoffs zu erreichen. Aufgrund der besonderen Schutzbestimmungen und Sicherheitsauflagen, müssen die Soldatinnen und Soldaten bei ihrer Arbeit antistatische Kleidung tragen. Dazu wurden sie mit Overalls und entsprechenden Arbeitsjacken ausgestattet.

Auch die Entnahme und das Befüllen der Tanks mit Flugturbinenkraftstoff wurde geübt. Hierzu muss die Be- und Entladung von Straßentankwagen simultan erfolgen können, um Transferzeiten zu verkürzen. Während der Übung wird zur Abbildung eines realen Versorgungsauftrages das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ mit Flugturbinenkraftstoff versorgt. Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Phase wird in der nächsten die Belastbarkeit des DEU-HUN Feldtanklagers unter Einsatzbedingungen geprüft. In Phase drei, der letzten Übungswoche, soll mit dem Abschluss des Evaluierungsprozesses und der Zertifizierung der „Full Operational Capability“ (volle Einsatzbereitschaft) durch den ungarischen Generalmajor Zoltán Schmidt (Inspekteur des Logistic Inspectorate HUN Defense Forces Command) sowie Brigadegeneral Robert Wilhelm (stellvertretender Kommandeur des LogKdoBw), das Ziel der gesamten Übung erreicht werden. Hierzu muss der DEU-HUN Feldtanklagerzug zunächst eine Vielzahl von Kriterien erfüllen, die durch ein Evaluierungsteam überprüft werden. Das davon abgeleitete Ergebnis, wird als Empfehlung an die beiden Generale der SPiL abgegeben. 
Zukünftig gilt es, die gewonnenen Fähigkeiten weiter zu stärken und das binationale Zusammenwirken zu verstetigen. Der Grundstein dafür ist mit einer erfolgten Erklärung der vollen operationellen Einsatzbereitschaft der binationalen Einheit gelegt.

von Sebastian Sänger  E-Mail schreiben

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