Streitkräftebasis
Landes- und Bündnisverteidigung

Was macht ein Joint Operation Center?

Was macht ein Joint Operation Center?

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Datum:
Ort:
Bonn
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24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – Es ist immer jemand da im Lagezentrum des Nationalen Territorialen Befehlshabers. Das wird, wie in der NATO, „Joint Operation Center“ genannt, kurz die JOCJoint Operation Center. Es dient der teilstreitkräfteübergreifenden Aufbereitung von Informationen für die Führung und militärischen Umsetzung von Entscheidungen.

Sieben Soldaten sitzen in zwei Reihen und arbeiten an Computern. Im Hintergrund Screenshots über Beamer an der Wand sichtbar.

Bildschirmarbeit: Das Team der JOCJoint Operation Center erstellt digital ein umfassendes Lagebild für den Nationalen Territorialen Befehlshaber, Generalleutnant Martin Schelleis.

Bundeswehr/Roland Alpers

Das Joint Operation Center (JOCJoint Operation Center) gehört zum Kommando Streitkräftebasis und versorgt den Nationalen Territorialen Befehlshaber, Generalleutnant Martin Schelleis, im Schichtbetrieb 24/7 mit Informationen zur aktuellen Lage. Militärisch bedeutet das Wort „Lage“ den Bericht zur Situation aller durch die Streitkräftebasis selbst eingesetzten oder zu unterstützenden deutschen und alliierten (befreundeten) NATO-Streitkräfte im In- und Ausland. 

Dazu arbeiten die Soldatinnen und Soldaten hier auf der Hardthöhe in einem besonderen Raum mit historischem Hintergrund: Bis zum Ende des Kalten Krieges wurde in diesem abhörsicheren und einschlaggeschützten Teil des Gebäudes der deutsche Verteidigungsminister über die militärische Lage in Europa und der Welt informiert. Heute ist hier – eingeteilt in unterschiedliche Aufgabenbereiche – das Team der JOCJoint Operation Center untergebracht und wertet die gegenwärtige Lage aus. Aber wie läuft das ab?

Aufbau und Aufgaben der JOCJoint Operation Center

Soldaten sitzend an Bildschirmen, ein Soldat steht. Das Team der JOC im Dienstbetrieb.

Das Personal in der JOCJoint Operation Center bespricht sich mit dem Referatsleiter Einsatzführung, Oberstleutnant i.G.im Generalstabsdienst Stefan Hofmaier (l.). Im Hintergrund im sogenannten „Aquarium“ der Leiter der JOCJoint Operation Center, Oberst i.G.im Generalstabsdienst Christian Kroll.

Bundeswehr/Roland Alpers

Die Besatzung des Lagezentrums wechselt wochenweise. Dazu werden die Soldatinnen und Soldaten für sieben Tage aus ihrer ursprünglichen Verwendung freigestellt und arbeiten in zwei Schichten: Zurzeit sind es neun Personen in der Tag- und zwei in der Nachtschicht. Auch der Leiter JOCJoint Operation Center wechselt von Woche zu Woche. Er oder sie führt das Team und ist während der Nacht in ständiger Rufbereitschaft. Je nach Bedarf und Lage kann das Team der JOCJoint Operation Center weiter aufgestockt werden.

Während der Berichterstattung ist Oberst i.G.im Generalstabsdienst Christian Kroll der Leiter JOCJoint Operation Center: „Das Lagezentrum ist der verlängerte Arm des Nationalen Territorialen Befehlshabers und in ständiger Bereitschaft. Wir sind die „first line of response“ – das bedeutet, hier gehen alle Informationen ein, die Auswirkungen auf die Streitkräftebasis haben. Diese Daten werden ausgewertet und wir erstellen ein umfassendes Lagebild.“

Das trägt Kroll als Leiter JOCJoint Operation Center einmal wöchentlich Generalleutnant Martin Schelleis im sogenannten „LVU“ (Lagevortrag zur Unterrichtung) vor. Darin wird der Nationale Territoriale Befehlshaber über den aktuellen Stand informiert, um entsprechende Entscheidungen einzuleiten oder selbst zu treffen. Diese setzt dann das Team Einsatzführung um Referatsleiter Oberstleutnant i.G.im Generalstabsdienst Stefan Hofmaier um. „Wenn sich zwischenzeitlich akute Ereignisse ergeben, die einer Entscheidung der Führung bedürfen, unterrichte ich als Leiter JOCJoint Operation Center den Inspekteur bei Bedarf“, erläutert Kroll weiter. „Darüber hinaus habe ich in der JOCJoint Operation Center eine koordinierende Funktion und regele den Dienstbetrieb.“

Ein Team, drei Zellen

Damit immer alle den gleichen Wissensstand haben, findet jeden Morgen um 8.30 Uhr ein Lage-Update statt. Dabei erfolgt auch die Übergabe der Nacht- an die Tagschicht. „Aufgrund des russischen Krieges in der Ukraine arbeitet die JOCJoint Operation Center momentan mit erhöhter Auslastung“, erklärt Oberstleutnant i.G.im Generalstabsdienst Stefan Hofmaier, Referatsleiter Einsatzführung. „Aber sie ist noch nicht maximal besetzt.“ Sein Referat arbeitet eng mit der JOCJoint Operation Center zusammen und stellt zwei Personen für die sogenannte „Zelle Einsatzführung“. Das ist einer von drei Teilbereichen innerhalb der JOCJoint Operation Center.

Doch alles beginnt in der „Zelle Informationsmanagement“: Hier kommen alle Informationen an und es gehen nur hier welche raus – Income und Outcome wird das im NATO-Jargon genannt. Auch der Alarmspruch der NATO zur Stärkung der Ostflanke ging im Februar hier ein. Danach musste alles sehr schnell gehen. „Notice to move“ in fünf Tagen. Das bedeutet, vom Zeitpunkt der Alarmierung (Notice, englisch für Meldung) bis zur Verlegung der deutschen Truppe nach Litauen (Move, englisch für Bewegung), dürfen nicht mehr als fünf Tage vergehen. Dieses Zeitfenster hat die JOCJoint Operation Center mit den beteiligten Soldatinnen und Soldaten aus allen Teilstreitkräften eingehalten. Der Weg dahin war gepflastert mit vielen Stolpersteinen und Unwägbarkeiten. Aber, die Routine macht’s. Denn es gibt in der Bundeswehr feste Abläufe und Planungen für die unterschiedlichen Einsätze.

Ein Rädchen greift ins andere

Eine Grafik mit orange markierten drei Zellen, Verbindungspfeilen und einem Feld „Nationaler Territorialer Befehlshaber“.

So arbeiten die drei Zellen zusammen und beraten die Führungsebene.

Bundeswehr/Nathalie Poulheim

Eingehende Befehle, Informationen oder Alarmierungen leitet die „Zelle Informationsmanagement“ in einem ersten Schritt an die richtigen Stellen weiter. In einem zweiten Schritt wird von der „Zelle Lageführung“ ein umfassendes Lagebild erstellt. Auf dieser Basis trifft der Nationale Territoriale Befehlshaber Entscheidungen, die von der „Zelle Einsatzführung“ in Weisungen und Befehle gegossen werden.

„Wir in der Einsatzführung kümmern uns zum Beispiel um alles rund um die Verlegung der deutschen Truppe“, erklärt Oberstleutnant i.G.im Generalstabsdienst Stefan Hofmaier, Referatsleiter Einsatzführung. „Damit alles in der vorgegebenen Zeit am richtigen Ort ankommt, wird der sicherste Weg gefunden. Denn nicht jede Brücke in der NATO trägt einen Schwerlasttransporter mit Gerät. Es werden Übernachtungs- und Betankungsmöglichkeiten lokalisiert und die Verpflegung für die Soldatinnen und Soldaten organisiert. Im Falle von Defekten oder Schäden, wird Ersatz oder ein Reparaturteam geschickt. Die Sicherheit der Verlegung überwachen die Feldjäger, die deutsche Militärpolizei.“

Verlässlicher NATO-Partner

Doch JOCJoint Operation Center und Einsatzführung haben noch andere sogenannte Handlungslinien: Zum Beispiele Hilfeleistungen der Bundeswehr (Corona, Flüchtlinge) oder Katastrophenhilfe (Flut). Als „Drehscheibe Deutschland“ unterstützt die Bundeswehr alliierte Streitkräfte beim Transit durch Host Nation Support. Auch diese Aufgaben koordiniert die Einsatzführung der Streitkräftebasis unter der Leitung von Oberstleutnant i.G.im Generalstabsdienst Stefan Hofmaier auf Basis des Lagebilds aus der JOCJoint Operation Center. „Die Bundeswehr plant und übt immer weit voraus“, berichtet Hofmaier. „Diese Prozesse vereinfachen die Durchführung.“ Und so leistet die JOCJoint Operation Center aus dem historischen Raum auf der Bonner Hardthöhe einen zentralen Beitrag dazu, dass die Bundeswehr mit ihren Soldatinnen und Soldaten ein verlässlicher Partner für die Bündnisverteidigung der NATO ist.

von Anja Ticheloven  E-Mail schreiben

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