Streitkräftebasis
Landes- und Bündnisverteidigung

Wie einsatzfähig ist die Bundeswehr?

Wie einsatzfähig ist die Bundeswehr?

  • Logistik
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
3 MIN

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, referiert über die Frage, ob Deutschland zu einer Landes- und Bündnisverteidigung fähig ist. Er kommt zu einem klaren Ja und einem deutlichen Nein.

Ein Soldat steht auf einer Bühne an einem Rednerpult.

Der ranghöchste Soldat der Truppe referierte an der zentralen Ausbildungseinrichtung für Logistik in der Streitkräftebasis über die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr.

Bundeswehr/Petra Reiter

Wie ist es um die Fähigkeit Deutschlands zur Landes- und Bündnisverteidigung bestellt? Mit dieser Frage startete im vergangenen Jahr die Wintervortragsreihe 2021/2022 an der Logistikschule der Bundeswehr. Schulkommandeur Brigadegeneral Boris Nannt konnte die aktuelle Brisanz dieser Thematik damals nicht erahnen. Umso mehr freute er sich, diese Frage am letzten Vortragsabend dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, zu stellen. Vor über 400 geladenen Gästen und Angehörigen der Logistikschule der Bundeswehr, sprach er über Handlungsfelder, um die Truppe auf Vordermann zu bringen und sie effektiver und moderner aufzustellen.

Eine neue Realität

Ein Soldat steht an einem Rednerpult auf einer Bühne.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr möchte die Truppe effektiver, moderner und handlungssicherer aufstellen. Noch in diesem Jahr will er sie spürbar mit Ausrüstung stärken.

Bundeswehr/Petra Reiter

„Die Annexion der Krim war ein Weckruf. Was jetzt ist, ist Alarmierung“, brachte Zorn die Brisanz der Lage auf den Punkt. Rüstungsverträge müssen unterzeichnet und Material muss an die Truppe ausgeliefert werden. Hierfür habe er bereits im letzten Jahr einen Bedarf von 100 Milliarden Euro ausgerechnet. Jetzt wurde der Bundeswehr diese Summe als sogenanntes Sondervermögen zugesichert. Beim Material ginge es Zorn nicht in erster Linie um Panzer. So seien zunächst erst einmal Munitionsbestände aufzufüllen. Weiterhin fehle es der Truppe an moderner Ausstattung: „Manche Geräte stammen aus der Zeit, als ich bei der Bundeswehr anfing.“ So wird noch immer die alte Handquetsche, wie Zorn das Handfunkgerät SEM 52 nennt, bedient, der Schützenpanzer Marder gefahren und der Hubschrauber CH 53 geflogen.

Wir müssen in die Gänge kommen!

Doch nicht nur das Material an sich, sondern auch deren Beschaffung seien dringend überholungsbedürftig. „Die Truppe ist am Anschlag und wir organisieren uns zu Tode.“ So hätten sechs Organisationsbereiche in acht Jahren es nicht geschafft zu klären, wie ein Standard-Rucksack für die Truppe auszusehen habe. Dann habe der Generalinspekteur der Bundeswehr entschieden, einen Vertrag für einen 110 Liter-Rucksack, oliv, zu schließen, der frei am Markt verfügbar sei. „Wir vergehen uns in den Dingen, ohne dass es zu einem Ergebnis kommt.“ Dabei verfolge er keine Goldrandlösung, aber es könne auch nicht sein, dass jede Soldatin und jeder Soldat für jeden Einsatz ein anderes Paket an Bekleidung und Ausrüstungsgegenständen bekommt. Zorn fordert eine homogene Ausstattung für alle Kameradinnen und Kameraden.

Bringen Sie uns nach vorn!

Zwei Soldaten sitzen an einer Tischgruppe auf einer Bühne.

In der anschließenden Fragerunde ging es häufig um den Krieg mitten in Europa, aber auch um die Bedeutung der multinationalen Verzahnung.

Bundeswehr/Petra Reiter

Lobende Worte fand General Zorn für die Motivation in der Truppe. Ebenso für die funktionierende Logistik beim Verlegen von Truppenteilen. Den behördlichen Aufwand bei solchen oder anderen militärischen Prozessen erachtet Zorn als unverhältnismäßig: „Es ist Handlungsbedarf, unsere Wasserköpfe zu durchleuchten.“ Auftragstaktik müsse in den Vordergrund. „Die Truppe braucht Handlungsspielraum“, betonte Zorn, der kein Anhänger von Zertifizierungsprozessen sei. Führungsstrukturen müssten überprüft werden. „Treffen Sie Entscheidungen, bringen Sie uns nach vorn“, so sein Appell an die Soldatinnen und Soldaten der Logistikschule der Bundeswehr während seines Vortrages.

Ein klares Nein und ein deutliches Ja

Seine Möglichkeit, die Truppe auf Vordermann zu bringen, hätte zwar einen bitteren Beigeschmack, sei aber dennoch notwendig. Trotz aller fortlaufenden Analysen, habe man nicht damit gerechnet, dass der russische Einmarsch in der Ukraine passiert. „Wir waren zu rational und optimistisch. Jetzt müssen wir damit umgehen“, so Zorn. Und das machen die NATO und die EU deutlich zusammengerückt, gemeinsam. „Im Bündnis sind wir einsatzfähig. Allein nicht“, beurteilt der Generalinspekteur. Der gebürtige Saarländer fordert, gemeinsam und zügig Resilienzen zu schaffen, bevor die Erinnerung verblasst.

von Kathleen Riediger  E-Mail schreiben

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