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20. Juli

Feierliches Gelöbnis und Kranzniederlegung am Tag des deutschen Widerstands

Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe von Offizieren um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, den Diktator Adolf Hitler zu töten. Der Anschlag und der anschließende Staatsstreich misslangen, viele Beteiligte wurden hingerichtet. Dennoch ist dieser Tag bis heute von zentraler Bedeutung für die Bundeswehr und ihre Soldatinnen und Soldaten.

Ein Soldat steht an einer Wand neben einer Gedenkplatte unter der ein Kranz mit Blumen hängt

Bundeswehr/Rolf Klatt

Am 20. Juli 2026 kamen führende Politikerinnen und Politiker Deutschlands, darunter auch Verteidigungsminister Boris Pistorius, am Ort der Exekution von Oberst Stauffenberg zusammen. Im Hof des Bendlerblocks gedachten die Repräsentantinnen und Repräsentanten der Bundesregierung und weiterer Verfassungsorgane mit einer Feierstunde der Ermordeten. Am 82. Jahrestag des Umsturzversuchs erinnert die Bundesrepublik zudem an den 20. Juli als Tag des deutschen Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft.

Kranzniederlegung und Feierliches Gelöbnis 2026

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Andrea Lindholz, legte an der Seite des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Carsten Breuer, einen Kranz nieder. Auch Verteidigungsminister Pistorius beteiligte sich mit einer Kranzniederlegung am Gedenken an die Widerstandskämpfer des 20. Juli.

Auch wenn der Anschlag auf den NS-Diktator scheiterte – die Gruppe um Stauffenberg ist moralisch beispielgebend für alle Bundeswehrangehörigen. Denn die Widerständler folgten ihrem moralischen Gewissen und verstießen gegen ihren Eid auf den „Führer“, um das Richtige zu tun. Sie wollten das Regime stürzen, um weitere Opfer zu vermeiden und so auch die ihnen anvertrauten Soldaten zu schützen.

Verteidigungsminister Pistorius legt einen Kranz auf den Boden, andere Menschen laufen hinter ihm vorbei

Verteidigungsminister Boris Pistorius legte zu Ehren der ermordeten Widerstandskämpfer des 20. Juli einen Kranz im Ehrenhof des Bendlerblocks nieder

Bundeswehr/Rolf Klatt
Eine angetretene Gelöbnisformation steht während eines Feierlichen Gelöbnis.

Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in Uniform: Erstmals sind unter den rund 230 zum Gelöbnis Angetretenen auch Soldatinnen und Soldaten im Neuen Wehrdienst

Bundeswehr/Rolf Klatt

Im Anschluss an die Feierstunde wurden wenige Meter entfernt auf dem Paradeplatz des Verteidigungsministeriums rund 230 Rekrutinnen und Rekruten vereidigt. Das durch das Gelöbnis vor rund 1.000 Gästen ausgesprochene Bekenntnis zu Recht und Freiheit sowie Demokratie und Grundgesetz trage das historische Erbe des 20. Juli in unsere Zeit, sagte Pistorius in seiner Gelöbnisansprache: „Militärische Professionalität und ethische Verantwortung sind und bleiben untrennbar miteinander verbunden.“

Neuer Wehrdienst für Verteidigungsfähigkeit

„Wir suchen nicht den Konflikt“, sagte Pistorius mit Blick auf die angespannte Sicherheitslage in Europa, „aber wir wollen den Gegner abwehren, indem wir ihn abschrecken“. Um den dafür notwendigen Aufwuchs der Streitkräfte zu schaffen, hat die Bundeswehr 2026 die Wehrerfassung reaktiviert und den Neuen Wehrdienst eingeführt. Erstmals legten nun auch Soldatinnen und Soldaten ihr Gelöbnis ab, die über den Neuen Wehrdienst zur Bundeswehr gekommen sind. Der Minister zeigte sich in seiner Rede überzeugt, dass dieser Dienst die Resilienz Deutschlands stärke: „Eine Gesellschaft ist besonders widerstandsfähig, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger Verantwortung nicht nur einfordern, sondern selbst erlebt und getragen haben.“

Von sieben Standorten in ganz Deutschland kamen die Rekrutinnen und Rekruten zum Bendlerblock: aus Berlin (Wachbataillon), Burg (Logistikbataillon 171), Erfurt (IT-Bataillon 292), Hannover (Schule für Feldjäger und Stabsdienst), Merzig (Fallschirmjägerregiment 26), Roth (Luftwaffenausbildungsbataillon) und Wilhelmshaven (Marinestützpunktkommando). Wenn die Soldatinnen und Soldaten aus dem aktiven Wehrdienst ausscheiden, werden sie Teil der Reserve. Diese werde durch den Neuen Wehrdienst langfristig gestärkt, um die Abschreckungsfähigkeit der Bundeswehr zu verbessern, sagte Pistorius in seiner Rede.

Der Schriftsteller, Publizist und Wissenschaftler Dr. Navid Kermani war Ehrengast beim Feierlichen Gelöbnis. In seiner Rede sprach er über die Tugend des Neinsagens. In einer demokratischen Armee wie der Bundeswehr müssten Soldatinnen und Soldaten zwar grundsätzlich gehorsam sein – sie müssten aber auch lernen, nein zu sagen – und Widerstand leisten, wenn die Diensterfüllung zum Verbrechen wird. „Das Grundgesetz steht über jedem Befehl“, mahnte Kermani in seiner Ansprache. Insbesondere Artikel 1 des Grundgesetzes sei von größter Bedeutung: „Nur wenn Sie die Würde auch Ihres Feindes achten, werden Sie dem Gelöbnis gerecht, dass sie heute ablegen.“

„Ich gelobe …“

Unter den Augen zahlreicher Familienangehöriger nahm der Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer den Rekrutinnen und Rekruten die Eidesformel ab: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ – mit diesen Worten bekräftigten die Rekrutinnen und Rekruten ihr Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Führer der Gelöbnisaufstellung war der Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr unter der Leitung von Oberstleutnant Timor Chadik. Nach dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne endete die Veranstaltung – nicht jedoch der Tag. Viele Familien nutzten den Anlass, um im privaten Kreis die frisch vereidigten Soldatinnen und Soldaten zu feiern.

Ein Soldat posiert mit einem Mann für ein Foto. Im Vordergrund ist eine Frau mit einem Handy zu sehen.

Der 20. Juli ist ein wichtiger Tag für die Bundesrepublik Deutschland. Der 20. Juli 2026 gehört aber auch den frisch vereidigten Rekrutinnen und Rekruten aus allen Teilstreitkräften. Viele feiern ihn mit ihren Familien.

Bundeswehr/Rolf Klatt

Hintergrund

Hunderttausendfach ist der Eid seit Gründung der Bundeswehr geleistet worden. Heute finden durchschnittlich rund 150 Gelöbnisse im Jahr statt. Doch ein Tag ist sowohl für die Streitkräfte als auch für die deutsche Gesellschaft von besonderer Bedeutung: der 20. Juli.

An diesem Gedenktag wird der Jahrestag des Deutschen Widerstandes begangen. Gewürdigt wird der aussichtsreichste Versuch deutscher Militärs, die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und damit auch das millionenfache Sterben im Zweiten Weltkrieg zu beenden. Auch wenn der Anschlag scheiterte: Die Gruppe um Stauffenberg hatte bewiesen, dass sich auch Militärangehörige dem Kadavergehorsam gegenüber den Nationalsozialisten entziehen und ihrem moralischen Gewissen folgen konnten.

Ihr Beispiel wurde deshalb im Nachkriegsdeutschland identitätsstiftend für die neu gegründete Bundeswehr. Die Gruppe um Stauffenberg wurde zum Vorbild für alle Soldatinnen und Soldaten. Das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform, der seinem Land und seinen Menschen aus eigenem Antrieb verantwortungsvoll dient, ist heute zum Ideal aller Soldatinnen und Soldaten geworden. Alle Angehörigen der deutschen Streitkräfte sind angehalten, Befehle auf ihre Rechtmäßigkeit zu hinterfragen und ihren Dienst im Einklang mit dem eigenen Gewissen zu versehen. Diese wichtige Säule des Konzeptes der Inneren Führung ist zum Markenkern der Bundeswehr geworden.

Widerstandskämpfer in Uniform

Der militärische Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist untrennbar mit der Gruppe Stauffenberg und dem Attentat vom 20. Juli 1944 verbunden. Seine Ursprünge reichen allerdings bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Generaloberst Ludwig Beck hatte schon im Sommer 1938 als Generalstabschef des Heeres auf die Generalität eingewirkt, um Hitlers Kriegspläne zu verhindern – allerdings ohne Erfolg, wie wir heute wissen. Sein Rücktritt als Generalstabschef war dennoch ein Signal.

Als sich das Kriegsgeschehen immer mehr gegen das nationalsozialistische Regime zu wenden begann, drängte Generalmajor Henning von Tresckow auf ein Attentat auf Hitler mit anschließendem Militärputsch. Die zentrale Figur der militärischen Opposition an der Ostfront wollte damit beweisen, „dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte den entscheidenden Wurf gewagt hat“.

Mitte 1942 nahmen die Pläne zur Tötung Hitlers konkrete Formen an. Mehrere Anschlagsversuche schlugen aber fehl. Ab Herbst 1943 übernahm dann Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg die Planungen für das Attentat und den sich daran anschließenden Umsturzversuch. Am 20. Juli 1944 reiste Stauffenberg zum Hauptquartier der Wehrmacht für die Ostfront nach Ostpreußen, wo eine Lagebesprechung mit Hitler stattfinden sollte.

Stauffenberg deponierte einen Sprengsatz mit Zeitzünder im Besprechungsraum. Er war in einem Aktenkoffer verborgen. Stauffenberg verließ den Raum, kurz bevor dieser gegen Mittag durch die Explosion von einem Kilogramm Sprengstoff verwüstet wurde. Es gab 13 Schwerverletzte, von denen vier später ihren Verletzungen erlagen. Hitler selbst wurde aber nur leicht verletzt.

Stauffenberg kehrte nach Berlin zurück, um den Umsturz – das Unternehmen „Walküre“ – zu versuchen. Mehrere Militärverbände standen bereit, um die Machtzentralen der Nationalsozialisten zu besetzen und die Führung im Land zu übernehmen. Der Oberst war überzeugt, dass Hitler tot sei. Als die Nachricht kam, der Diktator habe überlebt, war der Umsturzversuch gescheitert.

Stauffenberg und weitere militärische Widerstandskämpfer wurden um 23 Uhr verhaftet und kurz nach Mitternacht im Hof des Bendlerblocks exekutiert. Neben Oberst Stauffenberg starben der General der Infanterie Friedrich Olbricht, Oberst Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Oberleutnant Werner von Haeften. Generaloberst Ludwig Beck wurde zur Selbsttötung gezwungen. Rund 200 weitere Militärangehörige wurden in den nächsten Monaten wegen ihrer Beteiligung an dem Attentat hingerichtet oder in den Tod getrieben. Bis der Zweite Weltkrieg beendet war, starben noch viele Millionen Menschen. 

Bedeutung für die Tradition der Bundeswehr

Die Gruppe um Stauffenberg handelte aus Verantwortung für Deutschland und für das Leben der ihnen anvertrauten Soldaten. Sie wollten das verbrecherische Regime von innen stürzen, um weitere Opfer in einem sinnlos gewordenen Krieg zu vermeiden. Sie wollten die Herrschaft des Rechtes wiederherstellen und Deutschland perspektivisch die Rückkehr in die Gemeinschaft der Völker ermöglichen.

Allen Beteiligten handelten aus Überzeugung. Ihnen war bewusst, dass ihr Vorhaben auch ihr eigenes Leben kosten könnte. Das Attentat vom 20. Juli 1944 und der Umsturzversuch zeigten, dass das mörderische nationalsozialistische Regime auch in Militärkreisen keinen bedingungslosen Rückhalt genoss. Die Bundeswehr würdigte den Mut der Gruppe Stauffenberg schon bald nach ihrer Gründung und machte das Gedenken an den 20. Juli 1944 zu einem zentralen Bestandteil ihres Traditionsverständnisses – auch gegen den Widerstand in Teilen der Bevölkerung, die den Anschlag als Verrat ansah.

Viele Soldaten stehen in Formation auf dem Paradeplatz

Das feierliche Gelöbnis am Jahrestag des Stauffenberg-Attentats ist in der Bundeswehr Tradition. Rekrutinnen und Rekruten sind am 20. Juli 2022 auf dem Paradeplatz des Bendlerblocks angetreten.

Bundeswehr/Jörg Hüttenhölscher

Staatsbürger in Uniform

Mit dem Bekenntnis zu den Werten des Grundgesetzes bekräftigen alle Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr, dass sie sich ihrer Verantwortung als „Staatsbürger in Uniform“ voll bewusst sind. Direkt nach der Gründung der Bundeswehr erschien 1957 das erste „Handbuch Innere Führung“, das den Widerstand gegen den Nationalsozialismus würdigte und einen direkten Bezug zum Traditionsverständnis der neuen deutschen Streitkräfte herstellte.

Durch die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der deutschen Streitkräfte sollten Soldaten in die Lage versetzt werden, dem Selbstverständnis der Bundeswehr als Spiegel der Gesellschaft Ausdruck zu verleihen. Durch die Konfrontation mit den Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, aber auch durch die Orientierung an soldatischen Vorbildern wie Oberst von Stauffenberg werden die Rekrutinnen und Rekruten ermutigt, ihrem moralischen Urteil zu vertrauen und ihren Gehorsam von ihrem Gewissen leiten zu lassen. Mit dem Feierlichen Gelöbnis zum Jahrestag des Attentats am 20. Juli 1944 unterstreicht die Bundeswehr dieses Traditionsverständnis. 

Eid vor historischer Kulisse

Das zentrale feierliche Gelöbnis der Bundeswehr wird alljährlich auf dem Paradeplatz des Bendlerblocks abgehalten, des Sitzes des Verteidigungsministeriums in Berlin. Dieser Ort wurde im Bewusstsein um seine historische Bedeutung gewählt, denn im Bendlerblock wurde der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 geplant – und hier fand er auch sein blutiges Ende. Auch befindet sich die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in unmittelbarer Nachbarschaft. Mehrere hundert Rekrutinnen und Rekruten werden vom Verteidigungsminister in Anwesenheit führender Politiker des Deutschen Bundestags auf ihre Verantwortung für das Gemeinwesen eingeschworen.

Zwischen 2008 und 2011 und dann noch einmal 2013 fanden die Gelöbnisse öffentlich auf dem Platz der Republik direkt am Reichstagsgebäude statt, dem Machtzentrum der Demokratie in Deutschland. Damit wurde die Rolle der Bundeswehr als Parlamentsarmee und die Integration der Streitkräfte in die Mitte der Gesellschaft in besonderem Maße betont.

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