Munitionsarten für Handwaffen in der Bundeswehr
Von Kaliber 4,6 bis 12,7 Millimeter, mit Leuchtspur oder Doppelkern – die Truppe nutzt zahlreiche Munitionsarten für verschiedene Zwecke.
Von Kaliber 4,6 bis 12,7 Millimeter, mit Leuchtspur oder Doppelkern – die Truppe nutzt zahlreiche Munitionsarten für verschiedene Zwecke.
Die Palette von Handwaffen in den Streitkräften ist breit gefächert. Ob Pistole, Gewehr oder Maschinengewehr: Ihre Leistungsfähigkeit hängt nicht nur vom Waffensystem selbst ab, sondern entscheidend auch von der Munition.
Manche Geschosse sollen möglichst weit fliegen und harte Ziele durchschlagen, andere sollen Angreifer stoppen, ohne dabei Unbeteiligte zu gefährden. Wieder andere sind speziell für Ausbildung und Übung entwickelt worden. Je nach Einsatzlage, Trainingsziel und Waffentyp kommen ganz unterschiedliche Munitionsarten und -sorten zum Einsatz.
5,56 mal 45 Millimeter ist die Bezeichnung für die Munition des G36, also des Standardgewehrs der Bundeswehr. Sie entspricht zugleich dem Standardkaliber der NATONorth Atlantic Treaty Organization, das ab 1980 in allen Mitgliedstaaten eingeführt wurde. Die Angabe „5,56“ beschreibt den Durchmesser des Geschosses und leitet sich aus dem Innenmaß – dem Kaliber – des Waffenlaufs ab. Die Zahl „45“ steht für die Länge der Patronenhülse.
Das Kaliber hat Einfluss auf viele zentrale Eigenschaften einer Waffe: von der Reichweite über die Durchschlagskraft bis hin zur Größe der Munition und damit ihrem Gewicht.
Mit seiner Munition im Kaliber 7,62 Millimeter kann das Maschinengewehr MG5 auf Entfernungen von bis zu 1.200 Metern wirkungsvoll eingesetzt werden.
Bundeswehr/Jana NeumannVerschiedene Waffentypen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Je kleiner das Kaliber, desto leichter sind die Patronen und desto mehr Munition kann eine Soldatin oder ein Soldat mitführen. Kleinere Kaliber erzeugen außerdem weniger Rückstoß, was die Kontrolle bei schnellen Schussfolgen verbessert. Das macht sie ideal für Sturmgewehre wie das G36 oder das G95, die auf mittlere Distanzen eingesetzt werden.
Munition in größeren Kalibern enthält mehr Treibladungspulver. Das verleiht dem Geschoss mehr Energie. Dadurch erhöhen sich die Geschwindigkeit des Geschosses, seine Reichweite und Energie. Dadurch durchdringen sie teilweise sogar Fahrzeuge oder ballistische Schutzausrüstung. Darüber werden größere Kaliber für Waffen genutzt, die über weite Entfernungen treffen müssen. Ein Beispiel hierfür ist das 7,62-Millimeter-Kaliber des Maschinengewehrs MG5 oder des Scharfschützengewehrs G22A2.
Ungeschlagener Tabellenführer in puncto Kaliber ist in der Bundeswehr das halbautomatische Präzisionsgewehr G82. Mit seinem 12,7-Millimeter-Kaliber ermöglicht es ausgebildeten Schützen, auf über 1.500 Meter Entfernung Fahrzeuge zu zerstören. Die Wahl des Kalibers von Waffe und Munition beeinflusst also die mögliche Reichweite. Daneben spielen weitere Faktoren wie Anfangsgeschwindigkeit, Gewicht und Form des Geschosses sowie die Treibladung eine wichtige Rolle.
Wird mit einer Waffe geschossen, verlässt nur das explosionsartig beschleunigte Geschoss den Lauf. Es wird auch als Projektil bezeichnet. In seinem Innern befindet sich der Kern, der maßgeblich bestimmt, wie das Geschoss wirkt, welche Ziele es zuverlässig bekämpfen kann und wie es sich beim Auftreffen verhält. Drei Varianten sind in der Bundeswehr gängig: Hartkern-, Weichkern- und Doppelkernmunition. Jede bringt spezifische Vorteile, aber auch charakteristische Grenzen mit sich.
Aufbau einer Gefechtspatrone mit den in der Bundeswehr gängigen Geschosskernen
Bundeswehr/Astrid HöfflingDer Kern aus gehärtetem Stahl sorgt für eine höhere Durchschlagswirkung des Projektils und eignet sich besonders gut gegen leichte Deckungen, Fahrzeugkarosserien oder Schutzwesten. Auf der anderen Seite besteht das Risiko, dass Geschosse nach dem Durchschlagen weiterfliegen und unbeteiligte Personen verletzen.
Mit einem Kern aus weicherem Metall, häufig Blei, deformiert das Geschoss beim Aufprall und gibt gezielt Energie ab, was zu einer höheren Stoppwirkung – beispielsweise bei einer angreifenden Person – führt. Aufgrund der deutlich geringeren Durchschlagskraft eignet sich diese Munitionssorte vor allem für den Einsatz im Personenschutz und in urbaner Umgebung. Beim Auftreffen auf robuste Deckungen oder Schutzausrüstung ist ihre Wirkungsmöglichkeit daher gering.
Doppelkernmunition verbindet die Eigenschaften beider Kernarten: Ein vorderer harter Teil erhöht die Durchschlagswirkung. Dahinter sitzt ein weicherer Kern, der beim Auftreffen Energie abgibt. Dieses zweistufige Prinzip macht das Geschoss im Einsatzspektrum besonders vielseitig.
Eine – für das Auge recht spektakuläre – Besonderheit ist Munition, bei der die Flugbahn des Geschosses durch eine Leuchtspur sichtbar wird. Am hinteren Teil des Projektils befindet sich eine pyrotechnische Leuchtspurmasse, die nach dem Schuss entzündet wird und mehrere hundert Meter lang abbrennt. Mit ihrer Hilfe können Soldatinnen und Soldaten in der Dämmerung und nachts ihre abgegebenen Schüsse unmittelbar nachvollziehen. Trefferpunkte lassen sich leichter korrigieren – beispielsweise bei schnellen Feuerstößen mit dem Maschinengewehr. Leuchtspurmunition wird oft im Verhältnis eins zu drei oder eins zu vier mit normaler Munition gemischt.
Übungsmunition ist gut zu erkennen am blauen Kunststoffmantel. Die Geschosse fliegen deutlich langsamer und mit weniger Energie. Die Munitionssorte wird zu Ausbildungszwecken in geschlossenen und engen Räumen eingesetzt.
Bundeswehr/Marco Dorow
Bei Leuchtspurmunition brennt ein Gemisch aus Metallpartikeln und Oxidationsmitteln während der Flugphase ab. Somit lässt sich auch bei Dunkelheit die Flugbahn verfolgen und, wenn nötig, korrigieren.
Bundeswehr/Lars PötzschBeim Training im „scharfen Schuss“ mit Gefechtsmunition müssen zahlreiche Sicherheitsbestimmungen auf den Schießbahnen der Bundeswehr beachtet werden, um Leib und Leben aller Teilnehmenden zu schützen. Doch nicht bei jeder Ausbildung stehen Schussabgabe und Trefferbild im Mittelpunkt. Für Ausbildungsabschnitte, in denen Soldatinnen und Soldaten etwa die sichere Handhabung der Waffen oder das taktische Zusammenwirken im Gelände trainieren, kommt deshalb speziell entwickelte Manöver- oder Übungsmunition zum Einsatz.
Umgangssprachlich auch als Platzpatronen bezeichnet, enthält Manövermunition kein Geschoss, sondern lediglich eine Treibladung. Bei der Schussabgabe erzeugt sie den typischen Mündungsknall und genügend Gasdruck, damit die Waffe für den nächsten Schuss erneut gespannt wird. Damit lassen sich wesentliche Aspekte in der Ausbildung realistisch abbilden und trainieren: Geräuschkulisse, funktionierender Schussablauf beim Einzelschützen und taktisches Zusammenwirken einer Kampfgemeinschaft im Gelände.
Für viele Übungsszenarien benötigt die Bundeswehr eine Munition, die zwar ein realistisches Schießgefühl vermittelt, jedoch nicht die volle Energie von Gefechtspatronen hat. Genau dafür gibt es Übungsmunition mit reduzierter Geschosswirkung. Sie besitzt ein deutlich leichteres Geschoss aus blau eingefärbtem Kunststoff und eine geringere Treibladung. Dadurch fliegen die Geschosse langsamer und verlieren schnell ihre Energie. Ihr großer Vorteil liegt in der hohen Sicherheit: Die verringerte Durchschlagskraft minimiert das Risiko gefährlicher Abpraller, was den Einsatz beispielsweise in geschlossenen Schießhallen, urbanen Trainingsanlagen oder auf Kurzdistanz-Schießständen ermöglicht.
Das Kaliber bezeichnet nur den Durchmesser eines Geschosses. Auch Material, Länge, Kern und Treibladung beeinflussen wesentlich, wie ein Geschoss sich im Flug verhält und im Ziel wirkt.
Die Bundeswehr wird von verschiedenen Herstellern mit Munition beliefert, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Lieferanten sind beispielsweise Metallwerk Elisenhütte, Rheinmetall und RWS.
Diese Standards ermöglichen es, dass beispielsweise 5,56-Millimeter-Munition aus den USA problemlos mit deutschen oder polnischen Gewehren verschossen werden kann – und umgekehrt. Das erleichtert die logistische Zusammenarbeit und gemeinsame Einsätze erheblich.
Ja. Treibladungen und Zündsätze altern. Die Bundeswehr kontrolliert regelmäßig Lagerbestände und sondert alte oder beschädigte Munition aus.
Die Technische Schule des Heeres (TSH Technische Schule des Heeres) in Aachen bildet jährlich bis zu 800 Soldatinnen und Soldaten aller Teilstreitkräfte – vom Unteroffizier ohne Portepee bis zum Stabsoffizier – zum fachkundlichen Personal für Munition, umgangssprachlich auch „Feuerwerker“ genannt, aus.
Jede Soldatin, jeder Soldat der Bundeswehr muss das Gewehr G36 beherrschen.
Mit dem G22A2 bekämpft ein Scharfschütze präzise weit entfernte Ziele.
Das Gewehr G82 vereint Reichweite und Präzision mit Durchschlagskraft.
Die MP7 schießt Einzelfeuer und Feuerstöße auf kurze Entfernungen.
Mit dem MG3 bekämpft die Truppe Ziele am Boden und in der Luft.
Mit dem MG4 bekämpft die Infanterie Ziele am Boden und in der Luft.
Das neue Maschinengewehr MG5 wird das betagte MG3 ersetzen.
Die Pistole P8 ist die Nahkampf- und Zweitwaffe vieler Soldaten.
von Daniel Pommer