Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24 (Lutherbibel = Einheitsbibel) - Jahreslosung 2020

Das klingt paradox. Ein Mensch glaubt – oder eben nicht. Doch halt! Genau in dieser paradoxen Bitte könnte das Geheimnis des Glaubens liegen, der Schlüssel zur Freiheit der Kinder Gottes.

Die Reformatoren sagten, dass »der Glaube« rechtfertigt. Im Neuen Testament steht das auch, bei Paulus (Römer 3,28). Beide, Luther und seine Mitstreiter wie der wichtigste Theologe des entstehenden Christentums, verstanden Glauben aber als Gegensatz aller »Werke«. In diesem befreienden Licht lese ich die Jahreslosung. Am Schopf eigener Hochleistungsfrömmigkeit muss ich mich nicht aus dem Sumpf meiner Sünde ziehen. Es genügt, wenn ich Gott das Gute zutraue. Alles andere wäre trostlos.

Da redet ein der Verzweiflung naher Mensch. Der Vater des besessenen Kindes hat die Heilung längst abgeschrieben. Jesus konfrontiert ihn mit der festen Gewissheit, alles sei möglich »dem, der da glaubt«. Ihm ist das zu heftig. Und ich kann das nachfühlen. Wer zu viele Enttäuschungen erlitten hat, verträgt guten Zuspruch irgendwann nicht mehr. »Hilf meinem Unglauben«: Der mit Leid Überladene bittet, auf sein beschädigtes Menschenmaß Rücksicht zu nehmen. So erfüllt es sich dann auch. Der Vater muss kein frommer Kraftmeier sein, damit seinem Sohn geholfen wird. Ein zaghafter Anfang genügt. Es braucht kein demonstratives Sich-Bekehren vor vielen Zeugen. Nur eines tut Not: in einer Ecke des Herzens Gott das Gute zutrauen, ein schüchternes Zweiglein des Vertrauens austreiben.

Möge es ein trostvolles Jahr werden!


von Sigurd Rink

Weitere Themen