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Schutz und Drohnenabwehr

Eine Drohne fliegt neben einem Gerät zur Drohnenabwehr.

Bundeswehr/Dirk Bannert

Luftverteidigung

Drohnenabwehr und Schutz vor Drohnen

Unbemannte Systeme bedrohen militärisches Personal und kritische Infrastrukturen. Wie schützt sich die Bundeswehr?

Fliegende Drohnen sind überall. Die unbemannten Systeme sind leicht zu erwerben, zu modifizieren und zu steuern – und gleichzeitig hocheffektiv. Die Gefechtsfelder des 21. Jahrhunderts werden immer stärker von ihrem Einsatz bestimmt. Das zeigt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, und das zeigen auch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten. Doch die häufig kleinen Geräte eignen sich nicht nur zum Angriff, sondern auch zur Spionage und zur Sabotage. Die Sichtung einer unbekannten Drohne über einem Flughafen kann den Flugverkehr beeinträchtigen oder sogar vollständig zum Erliegen bringen. Deutschland und die Bundeswehr unternehmen daher vieles, um sich auf die neue Bedrohung einzustellen.

Drohnenabwehr auf allen Ebenen

Drohnen gibt es in vielen Größen: von der Lang- oder Mittelstreckendrohne mit einer Reichweite von mehreren tausend Kilometern bis hin zur miniaturisierten Aufklärungsdrohne, die ohne weiteres auf einen Handteller passt. Drohnen können aus sicherer Distanz per Funk oder Mobilfunk, per Satellit oder per Glasfaserkabel gesteuert werden. Einige „Kamikazedrohnen“ agieren bereits autonom und brauchen nur einen Angriffsbefehl, um sich auf ihr Ziel zu stürzen.

Die unbemannten Fluggeräte oder Unmanned Aerial Vehicle (UAV) sind dabei nur die bekannteste Form von Drohnen. Es gibt auch Varianten, die am Boden (Unmanned Ground Vehicle, kurz UGV) oder zur See (Unmanned Surface Vehicle, kurz USV) eingesetzt werden. Aufgrund dieser Vielfalt muss die Bundeswehr auch in der Drohnenabwehr kreativ werden. Für jede Bedrohung muss eine passende Antwort gefunden werden. In der Luftverteidigung – und in erster Linie geht es um die Abwehr fliegender Drohnen – werden sie je nach Art und Kampfentfernung mit unterschiedlichen Mitteln bekämpft. Wie in den meisten anderen Bereichen unterstützen sich die NATO-Alliierten auch bei der Luftverteidigung.

Integrierte Luftverteidigung

Ziel der Integrierten Luftverteidigung oder Integrated Air and Missile Defence (IAMD) ist der Schutz des NATO-Territoriums gegen jede Art von Gefahr aus der Luft – Drohnen sind ebenso mitgemeint wie Raketen oder Marschflugkörper. Durch das Zusammenspiel von Aufklärung, bodengebundener Luftverteidigung sowie Kampfjet-Patrouillen zur Luftraumkontrolle, dem sogenannten Air Policing, entsteht ein umfassender Schutzschirm für das Bündnisgebiet. Um die Luftverteidigungskapazitäten im besonders gefährdeten Europa weiter zu stärken, haben sich darüber hinaus 15 europäische NATO-Staaten zur European Sky Shield Initiative (ESSI) zusammengeschlossen.

Schutz vor Drohnen in Deutschland

Der Schutz vor Drohnen ist nicht nur im internationalen Umfeld, sondern auch innerhalb Deutschlands eine sicherheitspolitische Gemeinschaftsaufgabe. So wurde beispielsweise das Luftsicherheitsgesetz angepasst, um die Befugnisse der Bundeswehr bei der Drohnenabwehr im Inland zu erweitern– denn die Gewährleistung der inneren Sicherheit ist grundsätzlich Aufgabe der Polizeibehörden und die Amtshilfe der Streitkräfte im Inland nur unter strengen Voraussetzungen möglich. Um die Fähigkeiten der Sicherheitsbehörden zu bündeln, wurde außerdem ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) in Berlin eingerichtet.

Aktive und passive Drohnenabwehr

Der beste Schutz vor Drohnen ist, sich nicht von ihnen aufklären zu lassen. Zu den passiven Maßnahmen der Drohnenabwehr zählen daher die Tarnung der eigenen Position, die zusätzliche Sicherung der eigenen Stellungen mit Drohnenabfangnetzen oder die Abschirmung von Wärme- und anderen Energiequellen, um die Gegenseite in die Irre zu führen.

Für die aktive Drohnenabwehr setzt die Bundeswehr sowohl auf kinetische als auch auf elektronische Abwehrmittel. Erstere bringen Drohnen zum Beispiel mit einem Projektil, einem Netz, einer Explosion oder einer Kollision zum Absturz. Letztere stören oder manipulieren die Drohnen und setzen diese so außer Gefecht.

Kinetische Luftverteidigung

Unter dem Eindruck des Drohnenkriegs in der Ukraine baut die Bundeswehr ein umfangreiches Arsenal für die kinetische Abwehr von Bedrohungen aus der Luft auf. Zu diesen Bedrohungen zählen nicht nur Drohnen aller Größen, sondern auch Helikopter, Flugzeuge sowie ballistische Raketen und Marschflugkörper. Die verschiedenen Bereiche des Luftraums – die sogenannten Abfangschichten – werden dabei durch jeweils eigene Systeme der Luftverteidigung beschützt.

Ein gepanzertes Radfahrzeug mit Turmsystem Skyranger steht im Gelände.

Mobile Flugabwehr für den Nahbereich: Der Skyranger-Radpanzer bekämpft Drohnen mit einer 30-Millimeter-Revolverkanone und Stinger-Flugabwehrraketen. Die maximale Kampfdistanz liegt bei drei Kilometern.

Bundeswehr/Andy Meier
Ein Soldat zielt mit einem Sturmgewehr auf eine Drohne in der Luft.

Vorhalten und ausschalten: Werden Sturmgewehre mit einem speziellen Zielassistenzsystem modifiziert, können auch sie zur Bekämpfung von Drohnen im Nächstbereich eingesetzt werden

Bundeswehr/Mario Bähr

Elektronische Drohnenabwehr

Neben kinetischen Drohnenabwehrsystemen setzt die Bundeswehr eine ganze Reihe elektronischer Abwehrsysteme ein, um unbemannte Flugkörper zu neutralisieren. Diese kappen, stören oder verändern die Datenverbindung zwischen der Drohne und ihrem Piloten oder ihrer Pilotin. In der Folge kann die Drohne ihren Anflug nicht mehr fortsetzen: Sie kann nicht mehr gesteuert werden und muss entweder notlanden oder stürzt ab.

Ein Soldat hat ein Gerät zur Drohnenabwehr auf der Schulter und zielt auf eine Drohne in der Luft.

Klobiges Multitalent: Der Effektor HP-47 stört die Verbindung zwischen der Drohne und dem Piloten beziehungsweise der Pilotin, um das unbemannte Flugsystem außer Gefecht zu setzen

Bundeswehr/Mario Bähr
Mehrere Störsenderantennen auf einem Fahrzeug

Auf allen Frequenzen: Auch der Transportpanzer Fuchs CG20+ sUAS setzt auf Störsignale, um Drohnen aus der Luft zu holen. Ermöglicht wird dies durch eine Reihe von Störsenderantennen auf dem Dach des Panzers.

Bundeswehr/Marco Dorow

Drohnen verändern die Truppe

Drohnen sind ein militärischer Gamechanger. Sie werden dimensionsübergreifend in den kommenden Jahren ein zentraler Faktor in jeder militärischen Auseinandersetzung sein. Das bedeutet auch, dass sich alle Soldatinnen und Soldaten mit der Abwehr unbemannter Systeme befassen müssen, um sich der neuen Gefahr erwehren zu können, falls es notwendig wird.

Gleichzeitig entwickelt sich die Drohnentechnologie rasant weiter. Die Innovationszyklen dauern selten länger als einige Monate. Um wehrtechnisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, muss die Bundeswehr dieses Tempo mitgehen – und neue Wege in der Beschaffung und bei der Zusammenarbeit mit der Industrie gehen, um auf der Höhe der technologischen Entwicklungen zu bleiben.

Schnellere Beschaffung

Die Bundeswehr investiert hohe Summen aus dem Sondervermögen und dem Verteidigungshaushalt in die Drohnen- und Drohnenabwehrtechnologie, um im Rüstungswettlauf die Nase vorn zu behalten. Um die Beschaffungsverfahren zu beschleunigen, werden sowohl die Planungsprozesse im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) verschlankt als auch die Vergabeverfahren beschleunigt. Zudem werden insbesondere bei der Zusammenarbeit mit sogenannten Innovationsträgern aus der Drohnen- und IT-Branche neue Wege gegangen: So arbeiten die Streitkräfte im Innovationszentrum der Bundeswehr systematisch mit Start-ups aus der Drohnenbranche zusammen, um Zukunftstechnologien nicht zu verpassen.

Angepasste Ausbildung

Durch den flächendeckenden Einsatz von unbemannten Systemen auf dem Gefechtsfeld werden Kenntnisse im Umgang insbesondere mit Kleindrohnen eine militärisch überlebenswichtige Fähigkeit, die alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr beherrschen müssen. Daher werden diese Inhalte künftig schon in der allgemeinen soldatischen Ausbildung zu Beginn der Militärlaufbahn vermittelt. Zum einen wird den Rekrutinnen und Rekruten beigebracht, wie sie sich einer Aufklärung durch Drohnen entziehen können, zum anderen, wie sie sich im Fall eines Drohnenangriffs schützen können.

Spezialistinnen und Spezialisten für Drohnenabwehr

Mit dem Siegeszug der Drohnentechnologie steigt auch der Bedarf an Soldatinnen und Soldaten, die auf die Bekämpfung der neuen Waffengattung spezialisiert sind. In allen Teilstreitkräften der Bundeswehr werden Anstrengungen unternommen, um sich auf die Drohnengefahr einzustellen. So stellt das Heer eine neue Flugabwehrtruppe auf und Schnelle Reaktionselemente rücken der Bedrohung mit Spezialgerät zu Leibe. Auch in anderen Teilen der Truppe wird zunehmend auf spezialisierte Drohnenabwehrkräfte vertraut: Denn diese werden künftig nicht nur nahezu überall gebraucht, sondern auch nahezu überall eingesetzt werden.

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