EFPEnhanced Forward Presence: Pioniere planen, bauen und sprengen eine Brücke

EFPEnhanced Forward Presence: Pioniere planen, bauen und sprengen eine Brücke

  • Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Sie machen den Weg frei – oder sie sperren ihn: Auf einem Truppenübungsplatz in Litauen zeigen die Pioniere der Enhanced Forward Presence Battlegroup Litauen, wie Behelfsbrücken in kurzer Zeit gebaut und – falls nötig – gesprengt werden können. Bei dieser anspruchsvollen Übung werden nicht nur die pioniertechnischen Kernfähigkeiten trainiert, es wird auch die multinationale Zusammenarbeit innerhalb der Battlegroup vertieft.

Bau der Behelfsbrücke

Eine 20 Meter lange, fünf Meter breite und drei Meter hohe Holzbrücke

Die Brücke besteht ausschließlich aus Holz und hat eine Traglast von maximal 20 Tonnen

Bundeswehr/PAO EFP

Es ist Anfang Januar, als die deutschen und niederländischen Pioniere mit der gemeinsamen Übung beginnen. Die Aufgabe lautet, eine Behelfsbrücke zu bauen und diese im Anschluss zu sprengen. Der Winter hat in Litauen Einzug gehalten und die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt, als sich die Soldatinnen und Soldaten an die Arbeit machen. Baumaterial wird abgeladen, zugeschnitten und zusammengeschraubt. Zuvor haben deutsche Pioniere die Brücke projektiert und die Statik berechnet. Die Pioniere sind Experten darin, innerhalb kürzester Zeit Brücken und andere Bauwerke zu errichten, welche die Truppe für ihre Operationen benötigt. Damit ermöglichen sie den eigenen Gefechtsfahrzeugen, sich über Hindernisse wie Flüsse und Gräben hinwegzubewegen.

In nur fünf Tagen haben acht niederländische Pioniere unter Einsatz eines Radladers sowie eines Krans die 20 Tonnen schwere Brücke errichtet. „Die einzige Herausforderung für uns waren die beiden Stützen in der Mitte, weil wir dafür eine besondere Konstruktionstechnik angewendet haben“, so ein Soldat der niederländischen Pionierkräfte. Doch das Errichten der Brücke ist nur der eine Teil der Ausbildung. Denn letzten Endes stellt sich die Frage: Was ist, wenn diese Brücke den eigenen Kräften nicht nützt, sondern den Gegner begünstigt? Die Antwort dazu liegt auf der Hand: Die Brücke muss gesprengt werden.

Sprengladungen kommen zum Einsatz

Rosafarbener Sprengstoff, grüne Sprengschnur und ein Block mit Notizen liegen auf einem Holzbalken

Sprengstoff, Sprengschnur und eine präzise Berechnung: die Grundlagen einer erfolgreichen Sprengung

Bundeswehr/PAO EFP

Der Umgang mit Sprengstoff zählt zu den Kernfähigkeiten der Pioniere. Dennoch ist das Sprengen einer Brücke ein hochkomplexes Vorhaben. „Brücken sind immer Schlüsselinfrastrukturen, die über den Erfolg eines Gefechtes entscheiden können. Gleichzeitig verlaufen oft wichtige zivile Versorgungsleitungen in den Brücken. Wer sie kontrolliert, der hat einen entscheidenden Vorteil“, erklärt Oberstleutnant Peer Papenbroock, Kommandeur der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup in Litauen.

Bevor die Brücke gesprengt werden kann, müssen die Pioniere diese „laden“. Das bedeutet, dass die Soldatinnen und Soldaten den Sprengstoff an vorher festgelegten Punkten anbringen. Die Dauer des Ladens wird durch viele Faktoren beeinflusst: Ist die Brücke aus Holz oder Stahlbeton, wie groß ist sie und sollen die Sprengladungen offen angebracht oder verdeckt eingebracht werden? Bei verdeckt eingebrachtem Sprengstoff werden Löcher in die Konstruktion gebohrt und der Sprengstoff dort eingefüllt.

Für das Anbringen von 30 Kilogramm PETN-Sprengstoff und 150 Meter Sprengschnur haben die acht Pioniere für die 20 Meter lange Holzbrücke sechs Stunden gebraucht. Dabei haben sie die eine Hälfte der Brücke offen und die andere verdeckt geladen, um beide Arten der Sprengstoffanbringung zu üben. Nach Abschluss aller Vorbereitungen ist es soweit: Alle Sprengladungen sind angebracht, die Brücke ist bereit zur Sprengung.

Zerstörung der gebauten Brücke

Die Brücke wird gesprengt. Es fliegen Teile der Brücke und Sand durch die Luft.

In wenigen Sekunden wird aus der Brücke ein Trümmerhaufen

Bundeswehr/PAO EFP

Nachdem alle Details zur bevorstehenden Sprengung besprochen wurden, geht es los. Aus sicherer Entfernung wird die Brücke mithilfe einer elektrischen Zündung aus einem geschützten Transportpanzer vom Typ Fuchs initiiert. Ein ohrenbetäubender Knall ertönt, große Holzstücke fliegen meterhoch in die Luft und umstehende Sträucher beugen sich der anrauschenden Druckwelle.
Jetzt wird es noch einmal spannend. Hat sich der Aufwand gelohnt? War die Sprengung erfolgreich? Dazu bedarf es einer Nachschau. Der erste Blick lässt schnell erkennen: Die Brücke wurde komplett unbrauchbar gemacht. Nicht nur die Tragfläche ist zerstört worden, auch von den sechs Stützelementen ist nichts mehr zu erkennen. Über diese Brücke wird definitiv kein Fahrzeug mehr fahren.

Die Brücke ist Vergangenheit

Mehrere Soldaten betrachten kreuz und quer vor ihnen liegende Holzbretter

Die 30 Kilogramm Sprengstoff haben ausgereicht, um die Brücke vom Erdboden verschwinden zu lassen

Bundeswehr/PAO EFP

Diese Übung zeigt einmal mehr, dass die Pioniere der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup Litauen die Meister ihres Faches sind. Dank der engen Zusammenarbeit konnte die Brücke nicht nur reibungslos gebaut und gesprengt, sondern auch wertvolles Pionierfachwissen zwischen den beiden an Planung, Bau und Sprengung beteiligten Nationen ausgetauscht werden.
Oberstleutnant Papenbroock zeigt sich äußerst zufrieden: „Unsere Pioniere besitzen einzigartige Fähigkeiten. Lageabhängig sichern sie die uneingeschränkte Bewegungsfähigkeit meiner Battlegroup oder hemmen und lenken die Bewegungen des Gegners. Heute haben sie erneut einen sehr guten Job gemacht!“

von Sascha Klenk und  Jürgen Rietveld

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