Iron Wolf: Mehr als eine Übung bei EFPEnhanced Forward Presence

Iron Wolf: Mehr als eine Übung bei EFPEnhanced Forward Presence

  • Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
4 MIN
Countdown Iron Wolf


Vor kurzem endete die Zertifizierungsübung Iron Wolf II-2021 erfolgreich. Doch bis es soweit war, galt es einige Phasen zu durchlaufen: Der Countdown für die NATO-Kräfte Enhanced Forward Presence in Litauen läuft. In Kürze muss der multinationale Gefechtsverband sein gesamtes Fähigkeitsspektrum für die Landes- und Bündnisverteidigung auf den Punkt genau abrufen.


Ein Soldat steht vor einer Gruppe mehrerer Soldaten und spricht zu ihnen

Fest entschlossen: Oberstleutnant Ruppelt sieht seinen Verband für die Zertifizierungsübung Iron Wolf bestens gerüstet

Bundeswehr/Pascal Warner

Iron Wolf ist weit mehr als eine ganz normale Übung – sie stellt die Leistungsfähigkeit der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup Litauen auf den Prüfstand. Dabei muss der aktuell vom Panzerbataillon 414 geführte NATO-Gefechtsverband seine Einsatzbereitschaft vor einem internationalen Inspektorenteam nachweisen. Der Kommandeur der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup, Oberstleutnant Hagen Ruppelt, blickt der abschließenden Bewährungsprobe entschlossen entgegen: „Jede Nation hat sich vorab individuell auf diesen Einsatz vorbereitet. Uns ist es durch gemeinsame Kraftanstrengungen gelungen, aus den vielen Einzelspielern ein Team zu formen und die individuellen, vielfältigen Fertigkeiten in gemeinsamer Ausbildung zu einem schlagkräftigen und einsatzbereiten Gefechtsverband zu vereinen. Auf diesen Moment haben wir in den letzten Monaten als multinationale Kampfgemeinschaft hingearbeitet und können nun unsere Kriegstauglichkeit unter Beweis stellen.“

Road to Iron Wolf 

Blick von oben auf den Verladebahnhof, neben Schienen stehen mehrere Gefechtsfahrzeuge

Blick von oben auf den Verladebahnhof Gaižiŭnai. Von hier werden die Gefechtsfahrzeuge in den Übungsraum transportiert.

Bundeswehr/Pascal Warner

Die Alarmierung für die Zertifizierungsübung beginnt um 3 Uhr in der Nacht. Die Soldatinnen und Soldaten werden im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Schlaf gerissen. Die litauische Iron Wolf-Brigade hat die EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup alarmiert und gibt den Befehl zur schnellstmöglichen Verlegung in den einsatznahen Verfügungsraum. Jetzt muss alles schnell gehen. Ausrüstung aufnehmen, Waffen empfangen und die Gefechtsfahrzeuge besetzen. Die Abläufe sitzen und alles verläuft flüssig und schnell. Für die Kettenfahrzeuge geht es zum Verladebahnhof nahe der Kaserne. Die Gefechtsfahrzeuge werden verladen. Die Besatzungen nehmen in den Personenwaggons Platz. Die Zugfahrt beginnt.

Parallel starten aus Rukla die Radfahrzeuge mit ihren Besatzungen. Sie fahren auf der Straße in das Einsatzgebiet. Auch die Schwerlasttransporter sind bereits unterwegs. Sie transportieren unter anderem das Großgerät sowie die Munition. Alle haben ein gemeinsames Ziel: den Truppenübungsplatz Pabrade in circa 150 Kilometern Entfernung. Die EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup erreicht ihn wie geplant, die erste Phase „taktische Verlegung“ war erfolgreich. Nun gilt es, sich auf das erwartete Gefecht hoher Intensität vorzubereiten. Zelte werden aufgeschlagen, die Gefechtsfahrzeuge überprüft und die Munition wird an die Kampftruppe ausgegeben. Parallel dazu werden die Befehlsausgaben vorbereitet – der letzte Feinschliff beginnt.

Das hochintensive Gefecht – komplex und unberechenbar

Ein ABC-Soldat im Schutzanzug auf einer Kranvorrichtung

Das Gefecht ist hochkomplex. Die Soldatinnen und Soldaten müssen auch auf ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Angriffe vorbereitet sein.

Bundeswehr/Pascal Warner

Bewaffnete Konflikte aus der näheren Vergangenheit haben gezeigt, dass in jedweder Krisensituation mit dem Einsatz von chemischen Waffen zu rechnen ist. „Dies wäre höchstwahrscheinlich auch in einem Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung der Fall. Insofern gilt es, sich auch hiermit intensiv auseinanderzusetzen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein“, unterstreicht der EFPEnhanced Forward Presence-Kommandeur.
Aus diesem Grund sind während der Zertifizierungsübung auch Soldatinnen und Soldaten des ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillons 750 „Baden“ im Einsatz. Bei einer Weiterbildung veranschaulichen sie den Soldatinnen und Soldaten des multinationalen Gefechtsverbandes, wie sie im Falle eines ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Angriffes reagieren müssen und welche Gegenmaßnahmen es einzuleiten gilt. Dabei können sich die Soldatinnen und Soldaten auf die Expertise der qualifizierten ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte verlassen. Diese haben spezielles Gerät zur Verfügung und zeigen bei der Weiterbildung die Verfahrensabläufe für eine erfolgreiche Dekontamination von Personal und Material.

Jedes Gefecht beginnt mit einem Plan   

Niederländischer General mit grüner Armbinde schaut auf eine Lagekarte

Brigadegeneral Roland de Jong verfolgt und bewertet als Leiter des Inspektorenteams auch die Befehlsausgabe

Bundeswehr/Pascal Warner

Im Stab der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup ist der Gefechtsbefehl der Iron Wolf-Brigade eingetroffen. Nun gilt es, diesen auszuwerten und entsprechende Aufträge für den multinationalen Gefechtsverband abzuleiten. Das Ergebnis ist der Gefechtsbefehl für die EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup. Kurz nachdem dieser fertiggestellt wurde, werden die Kompaniechefs auf den Hauptgefechtsstand der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup gerufen – Befehlsausgabe durch den Kommandeur. Die Kompaniechefs und die Stabsabteilungsleiter versammeln sich an der Lagekarte.

Mit dabei ist auch der niederländische Brigadegeneral Roland de Jong. Er ist Kommandeur der 43. Gemechaniseerde Brigade der Niederlande und leitet das Inspektorenteam, das im Auftrag der NATO die Einsatzbereitschaft des multinationalen Gefechtsverbandes während der Zertifizierungsübung analysiert und abschließend bewerten wird. Der Kommandeur der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup, Oberstleutnant Hagen Ruppelt, erläutert bei der Befehlsausgabe seinen Plan, wie das Verzögerungsgefecht gegen den angreifenden Feind erfolgreich geführt werden soll und gibt hierzu Einzelaufträge an die Kompaniechefs. Nun liegen alle notwendigen Aufträge und Informationen bei den Beteiligten vor, um die Einsatzräume vorzubereiten und den eigenen Kompaniebefehl zu erarbeiten.

Aufklärer voraus: „Wo wir sind, ist vorn!“   

Eine Drohne am Himmel

Die Drohne LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung steigt in den litauischen Abendhimmel. Sie wird genutzt, um Informationen über die Feindkräfte zu liefern.

Bundeswehr/Pascal Warner

Während die Befehlsausgabe läuft, sind die Aufklärungskräfte der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup bereits in ihrem Element und klären die Feindkräfte auf. Nach dem Credo „Wo wir sind, ist vorn!“, kommt hierbei ihr Sensormix zum Tragen. Mit ihren Spähwagen Fennek, dem Radaraufklärungssystem Rasit sowie den leichten Spähgruppen auf dem Transportpanzer Fuchs klären sie feindliche Aktivitäten am Boden auf. Parallel dazu kommt für die Aufklärung aus der Luft die Drohne LUNALuftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung  zum Einsatz. Programmiert oder ferngesteuert sendet die Drohne bei Tag und Nacht Videos, Infrarotfilme und Standbilder in Echtzeit.

Die gemischte Aufklärungskompanie wird durch das Aufklärungslehrbataillon 3 „Lüneburg“ gestellt. Sie liefert dem EFPEnhanced Forward Presence-Kommandeur alle notwendigen Informationen über Art, Stärke und Verhalten der feindlichen Kräfte. So hat er stets ein genaues Lagebild und kann die richtigen Entscheidungen zum Erfolg der Gesamtoperation treffen. Spähtrupp 2 meldet aus seinem Versteck: „Feindliche Kampfpanzer in Kompaniestärke auf Marsch Richtung Süden.“ Der Angriff steht unmittelbar bevor. Der Countdown läuft und die EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup macht sich klar zum Gefecht.

von Timo Radke

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