Iron Wolf

Verwundetenversorgung unter Einsatzbedingungen

Verwundetenversorgung unter Einsatzbedingungen

Datum:
Ort:
Pabrade
Lesedauer:
3 MIN

Die Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsdienstes sind stark gefordert: Bei der Übung Iron Wolf gibt es Verwundete. Jetzt sind die Soldatinnen und Soldaten unter anderem mit dem Aufbau und Betrieb einer verlegbaren Role 1, einer Rettungsstation, beschäftigt. Zeit ist der entscheidende Faktor.

Soldaten befinden sich an der Heckklappe eines Fahrzeuges.

Das Übergabegespräch findet zwischen der Besatzung des GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer in der Sanitätsvariante und dem Personal der Role 1 statt. Hier entscheidet sich die weitere Behandlung des Verwundeten.

Während die Kampfkompanien aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien das Gefecht üben, sind weitere Kräfte als Kampfunterstützung eingesetzt. Darunter auch die Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsdienstes. Die multinationale Sanitätskompanie setzt sich aus insgesamt 93 Soldatinnen und Soldaten zusammen. Sie kommen aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Tschechien. Nahezu alle sind bei der Übung Iron Wolf eingebunden. Aus Deutschland sind neun Soldatinnen und Soldaten in der Role 1 tätig. 

Während die medizinische Erstversorgung noch im Raum des Gefechtes stattfindet, müssen bei vielen Verletzungen schnell weitere Maßnahmen im Rahmen der Rettungskette eingeleitet werden.

Die Zeit entscheidet

Ein Notfalleinsatzsanitäter verabreicht dem Verwundeten ein Narkosemittel.

Was zählt zu den entscheidenden Erstmaßnahmen? Eine schnelle Versorgung durch Wärmeerhalt, Medikamentengabe und das Überwachen der Vitalfunktionen

Bundeswehr/PAO eFP
Ein Arzt und ein Notfalleinsatzsanitäter versorgen einen Verwundeten auf einer Trage.

Im Vordergrund stehen immer die Versorgung mit lebenserhaltenden Maßnahmen und die Stabilisierung des Gesundheitszustandes.

Bundeswehr/PAO eFP

Zeit ist bei der Versorgung von Verletzungen oft der entscheidende Faktor. Die Role 1 wird daher im rückwärtigen Raum vom laufenden Gefecht eingesetzt. Um sicherzustellen, dass die Role 1 auch dem Gefecht folgen kann, besteht diese aus einer Container- und Zeltlösung. Diese ist mit geländegängigen Fahrzeugen ausgestattet. Dies ermöglicht dem Aufbauleiter der Role 1, innerhalb von 20 Minuten die ersten Verwundeten anzunehmen und sie im Rahmen der IOCInitial Operational Capability – Initial Operational Capability – für den Weitertransport zu stabilisieren. Kernaufgabe der Role 1 ist das Stabilisieren der Verwundeten und das Einleiten von notfallmedizinischen Maßnahmen, um das Überleben zu sichern.

Schutz auf engstem Raum

„Der Container der Rettungsstation bietet gegenüber einem Zelt den Vorteil des Schutzes gegen Angriffe von außen“, erklärt Oberstabsarzt Jonas M. Der Container – ballistisches Schutzlevel 1 – bietet dem medizinischen Personal sowie den Verwundeten Schutz. Der Nachteil: Im Container kann nur ein liegender Verwundeter behandelt werden. „Durch die benötigten Geräte und Schränke ist der Platz sehr eingeschränkt, dennoch völlig ausreichend für das, was wir hier machen“, erklärt Oberstabsarzt Jonas M. Der Container ist vergleichbar mit einem Schockraum in einer Notaufnahme. Auch kleine chirurgische Eingriffe sind hier möglich.

Weiter ins Feldlazarett

Zwei Notfalleinsatzsanitäter beraten sich über das weitere Vorgehen.

Die Absprachen über den Zustand und die weitere Verbringung sind entscheidend für den entlastenden Verwundetentransport in die Role 2. Dazu zählt auch die Entscheidung, mit welchem Transportmittel entlastet werden kann.

Bundeswehr/PAO eFP

Der Chef einer Sanitätskompanie ist für die Abläufe verantwortlich. Er stellt sicher, dass die Verwundeten die benötigte medizinische Unterstützung erhalten. Lageabhängig koordiniert er in Verbindung mit den Gefechtsständen die Bewegungen, die Versorgung sowie die Entlastung der sanitätsdienstlichen Elemente (die mobilen Behandlungseinrichtungen und die Rettungs-/Arzttrupps).

Doch wie sieht der „Weg des Verwundeten“, sprich: die Rettungskette genau aus? Der Ablauf stellt sich wie folgt dar: Los geht’s beim POIPoint of Injury (Point of Injury), also der Stelle, an der die Verletzung geschehen ist. Dann geht es weiter zum CCPCasualty Collection Point (Casuality Collection Point), auf Deutsch: Verwundetensammelstelle. Am CCPCasualty Collection Point übernimmt ein geschütztes Sanitätsfahrzeug den Patienten und bringt ihn zur Role 1. Hier wird der Patient triagiert, das heißt nach der Schwere seiner Verletzungen priorisiert und behandelt. Danach erfolgt der entlastende Verwundetentransport zur Role 2, das heißt zur notfallchirurgischen, internistischen und klinischen Erstversorgung.

Koordination der Rettungskette 

„Für uns ist der koordinierte Ablauf der Rettungskette entscheidend. Das beinhaltet nicht nur die Behandlung, sondern auch die Patientendokumentation und -verfolgung. Wir und vor allem die Battlegroup beziehungsweise die Brigade müssen die Anzahl und Kategorie der Verwundeten sowie aktuelle Kapazitäten der Behandlungseinrichtungen nachhalten, damit eine Bewertung der sanitätsdienstlichen Lage erstellt werden kann“, erläutert Hauptmann Olli P., der Chef der Sanitätskompanie.

Nachdem der entlastende Verwundetentransport in die litauische Role 2 durchgeführt wurde, kann es – je nach Gefechtssituation – für die Soldatinnen und Soldaten der Role 1 etwas ruhiger werden. Oder es kann, wie bei der Übung Iron Wolf, gleich mit der nächsten Verwundetenlage weitergehen.

von PAO eFP

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