Rückkehr aus Dschibuti hat begonnen

Rückkehr aus Dschibuti hat begonnen

  • Einsatz
  • Atalanta
Datum:
Ort:
Dschibuti
Lesedauer:
3 MIN

Am Horn von Afrika, vor der Küste Somalias: Bereits seit 2008 beteiligt sich die Bundeswehr an der EUNAVFOREuropean Union Naval Forces Somalia Operation Atalanta, um die Transporte des Welternährungsprogramms (AMISOM) zu schützen und die lange vorherrschende Piraterie am Horn von Afrika zu unterdrücken. Dies gelang, unter anderem dank des Einsatzes von Schiffen und Booten der deutschen Marine, aber auch mithilfe von Luftfahrzeugen vom Typ P-3C Orion. Jetzt wird der deutsche Beitrag zu Atalanta an neue Gegebenheiten angepasst. 

Piraten erfolgreich zurückgedrängt

Ein blaues Patch mit der Aufschrift „EU NAVFOR Somalia“ an einer Uniform der Bundeswehr

Die Operation Atalanta am Horn von Afrika ist erfolgreich gegen Piraterie vorgegangen

Bundeswehr/Scharnhorst

Der Operation ist es gelungen, Angriffe von Piraten auf ein tolerierbares Niveau zu senken. Zählte das Hauptquartier zwischen 2008 und 2012 noch 571 Angriffe im Seegebiet, waren es zwischen 2013 und 2016 lediglich zehn, alle ohne Entführung. Im Jahr 2017 kam es zu sieben Angriffen, von denen zwei in Entführungen mündeten. Im Jahr 2018 ereigneten sich lediglich drei Angriffe auf zivile Handelsschiffe.

Aktuell liegt die Gefährdungslage in den Gewässern am Horn von Afrika auf niedrigem Niveau, kein Schiff befindet sich in der Gewalt von somalischen Piraten. Der letzte bestätigte Piraterievorfall, bei dem drei Fischereischiffe betroffen waren, ereignete sich im April 2019. Das an Bord befindliche Sicherheitsteam konnte den Angriff erfolgreich abwehren. Seitdem wurden in den Gewässern vor Somalia keine Vorkommnisse, die der Piraterie zuzuordnen sind, verzeichnet.

Diese positive Entwicklung ist nicht einem Faktor allein zuzuschreiben. Militärische Akteure wie die USUnited States-geführte Task Force 150 Counter Piracy, die damalige NATO-Operation Ocean Shield oder nationale Marineverbände aus Japan, China, Russland und anderen Staaten sowie die erfolgreichen Maßnahmen der zivilen Schifffahrtsindustrie haben ihren Anteil. Die zivilen Handelsschiffe sichern sich sowohl durch aktive Abwehrmaßnahmen wie private Schiffsschutzteams als auch durch passive Maßnahmen wie Stacheldraht an den Bordwänden ab. Die Europäische Union hat Schiffe und Flugzeuge bereitgestellt, die in dem Seegebiet patrouillieren. Diese Kriegsschiffe überprüfen dabei regelmäßig verdächtige Schiffe, bis hin zum Boarding.

Dabei handelt es sich um ein Operationsgebiet mit einer Fläche von rund 8,7 Millionen Quadratkilometern, das die somalischen Hoheitsgewässer, das südliche Rote Meer, den Golf von Aden, die Arabische See, den Golf von Oman und den nördlichen Teil des westlichen Indischen Ozeans umfasst. Es entspricht fast der Fläche Europas. Der Golf von Aden ist zudem die zweitwichtigste maritime Handelsroute der Welt.

Reduzierung auch dank Erfolgen

Ein Kriegsschiff in See

Teil des Erfolges: die Fregatte „Bayern“ im Einsatz im Jahr 2016

Bundeswehr/Jenny Bartsch

Deutschland beteiligt sich derzeit mit Personal im Support Element Atalanta an der Operation, dieses betreibt den logistischen Abstützpunkt für Schiffe und Flugzeuge am Horn von Afrika. Darüber hinaus beteiligte sich Deutschland bis vor Kurzem in den Zwischenmonsunzeiten mit einem Seefernaufklärungsflugzeug, das die besonders wichtige Fähigkeit der weiträumigen Aufklärung beigesteuert hat. Bis Dezember 2020 war das Seefernaufklärungsflugzeug P-3C Orion mit dem allseits bekannten Rufzeichen „Jester“ für die Bundeswehr im Einsatz. 

Ein Blick in die Zukunft

Ein Flugzeug auf dem Rollfeld

Der Seefernaufklärer P-3C Orion hat die Operation Atalanta mit seiner Weitsicht bereichert

Bundeswehr/Jenny Bartsch

Mit der Entscheidung, die P-3C Orion am Horn von Afrika nicht mehr einzusetzen und den deutschen Beitrag zu Atalanta anzupassen, kann das deutsche Einsatzkontingent in Dschibuti nach Deutschland zurückverlegt werden. Verschiedene Faktoren haben Deutschland Ende 2020 dazu bewogen, die Beteiligung an Atalanta neu zu bewerten. Da wäre zum einen der Erfolg der Operation im Kampf gegen die Piraterie zu nennen. Diese konnte am Horn von Afrika nachhaltig zurückgedrängt werden. Zum anderen wandelt sich das Aufgabenspektrum der Operation und Deutschland unterstützt die Absicht, auch andere Formen maritimer Bedrohungen in den Blick zu nehmen, welche die regionale Sicherheit gefährden. Zu diesem Zweck stellt die Bundeswehr in Zukunft sowohl Führungspersonal als auch temporär Schiffe der Marine. Der Seefernaufklärer P-3C Orion wird hingegen schwerpunktmäßig im Mittelmeer eingesetzt. Diese Maßnahmen zeigen fortgesetzt das Engagement der Bundeswehr für eine wirkungsvolle gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU.

Im Zuge der Rückverlegung des Einsatzkontingentes aus Dschibuti wurde bereits im Februar erstes Großgerät mit dem Transportflugzeug A400M ausgeflogen. Zurzeit wird unter anderem durch die Spezialpioniere aus Husum das vor Ort befindliche Material hinsichtlich seiner Transportfähigkeit bewertet. Erst danach entscheidet sich, ob das Material über den Luft- und Seeweg nach Deutschland transportiert wird. Keine Kleinigkeit, die Rede ist von einem wahrscheinlichen Transportvolumen von etwa 50 handelsüblichen Seecontainern. Bis zum 31. Mai 2021 soll die Rückverlegung abgeschlossen sein. Ein neues Kapitel der Operation Atalanta hat begonnen.  

von Norman Wald

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