Irak: Übungsszenario für den Worst Case – Teil 1

Irak: Übungsszenario für den Worst Case – Teil 1

  • Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Erbil
Lesedauer:
3 MIN

Es donnert und rumpelt im multinationalen Camp in Erbil. Eine Frau schreit und schlägt gegen die Wände. Plötzlich stürzt einem Soldaten eine verwirrte, blutüberströmte Kameradin entgegen: „Hilfe, Hilfe – Explosion am back gate!“ Genauso schnell, wie sie aufgetaucht ist, verschwindet sie wieder zwischen den Gebäuden. Der Tag beginnt für das Deutsche Einsatzkontingent Capacity Building Iraq mit einer Explosion und viel mehr Verletzten, als die Sanitätskräfte auf einmal bewältigen können. Zum Glück ist es nur eine Übung: der MasCal-Fall.

Mehr Verletzte, als man behandeln kann

Ein Massenanfall von Verletzten ist eine echte Herrausforderung für die Truppe im Irak.

„Die Abkürzung MasCal steht für Mass Casualty und stellt die deutschen Kräfte vor eine echte Herausforderung“, erklärt Oberfeldarzt Matthias Z. „Hierbei kommt es zu einem Massenanfall von Verletzten. Die Anzahl der verletzten Personen und die Schwere der Verwundungen überschreiten dabei die Kapazitäten unserer Sanitätskräfte vor Ort – der MasCal-Fall wird ausgerufen.“ Er und das Team der Sanitätseinsatzstaffel haben diese Übung in den letzten Wochen ausgeplant und nehmen zudem selbst daran teil.

„In der Übung kommt es zu einer Explosion von Sauerstoffflaschen, die Lage bleibt unklar und bei der Suche nach den Verletzten kommt es zu einer weiteren Explosion“, erklärt Matthias Z. weiter. Das Szenario soll bei allen Beteiligten das Bewusstsein für einen eventuell auftretenden Ernstfall schärfen. Die Soldatinnen und Soldaten sowie das Sanitätspersonal müssen wissen, was zu tun ist. In den Monaten vor der Übung wurde regelmäßig der Medical Monday durchgeführt. Hierbei wurden im Rahmen der Inübunghaltung die Grundlagen der taktischen Verwundetenversorgung aufgefrischt.

So realistisch wie möglich

Eine blutig geschminkte Soldatin stürmt aus einer Tür heraus und wird am Arm festgehalten.

Um die Übung so realistisch wie möglich erscheinen zu lassen, simulieren geschminkte Soldatinnen und Soldaten die Verletzten

Bundeswehr/Maximilian Euler

Bevor für das Kontingent der Dienstalltag beginnt, haben die Sanitäter schon alles vorbereitet: Schminke, Armstümpfe und Bauchverletzungen aus Plastik liegen bereit, um Verletzungen möglich realistisch darzustellen. „Jetzt fehlen nur noch unsere Lagedarsteller. Die wissen von ihrem Glück noch nichts, aber gleich geht es los“, scherzt Oberfeldwebel Jerry B. Er ist während der Übung Schiedsrichter und bereitet den Unfallort und die Verwundeten vor. Die Darstellerinnen und Darsteller wurden bereits vor Tagen ausgewählt, aber erst wenige Minuten vor der Übung informiert. „Wir wollen alles möglichst realistisch darstellen und dazu gehört auch das Überraschungsmoment. Hätten wir die Übungsverletzten schon vor Wochen informiert, gäbe es zu viele Übungskünstlichkeiten“, kommentiert der Notfallsanitäter. Eine der vielen Lagedarstellerinnen ist Oberbootsmann Kira M.: „Ich war leicht überrascht, aber ich mache gern mit. Schließlich müssen wir im Ernstfall alle einen kühlen Kopf bewahren und dafür muss man trainieren.“ Mit ihrem panischen Auftritt in der Operationszentrale startet die Übung. 

Schnelle Kommunikation kann Leben retten

Vor einer Wand aus Seecontainern behandeln mehrere Soldatinnen und Soldaten die Übungsverletzten

Aus der Gefahrenzone zum Verwundetensammelpunkt: Der Arzt koordiniert das Geschehen am Unfallort

Bundeswehr/Maximilian Euler

Die Operationszentrale informiert das deutsche Kontingent über Funk. Einer von zahlreichen Funksprüchen, die es in den nächsten Minuten zu filtern gilt. In der Zentrale laufen jetzt dutzende Informationen zusammen und müssen weitergeleitet werden. Alle sind alarmiert. Die Ersten haben die Schreie der Verletzten gehört und eilen zu Hilfe. Zwei Kameraden liegen auf dem Boden, um sie herum flackernde Brandherde. Ein Kamerad ist bewusstlos, der andere schreit vor Schmerzen: „Mein Bein, mein Bein!“

Der Bewegliche Arzttrupp hat seine Ausrüstung geschultert und sprintet zum Unfallort. Die Kameradinnen und Kameraden haben bereits erste Hilfemaßnahmen eingeleitet. Ein Arzt übernimmt die Führung vor Ort und gibt die ersten Informationen weiter. Das Chaos muss schnell überwunden und alle müssen zügig aus der Gefahrenzone gebracht werden. Doch zunächst muss sich der Arzt einen Überblick verschaffen: Was ist passiert? Wie ist die Sicherheitslage? Was finden die Teilnehmenden der Übung vor?  

Währenddessen machen sich die anderen Ärzte im Camp bereit. Was genau passiert ist, wissen sie nicht. Von den Kräften vor Ort wird weitere Hilfe angefordert und Trupps mit Tragen und weiterem Sanitätsmaterial werden losgeschickt. Im Camp müssen die Ärzte die Behandlungsplätze vorbereiten, auf die Patientinnen und Patienten sowie auf weitere Informationen warten. „Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist hier sehr wichtig. Alle müssen Informationen filtern und weitergeben. Das fängt bei dem Arzt vor Ort an und endet im Operationssaal. Eine schnelle und saubere Kommunikation kann Leben retten“, so der Leitende Oberfeldarzt Matthias Z.

Nachdem in einem Verwundetensammelpunkt die ersten Sanitätsmaßnahmen umgesetzt wurden, können die Verwundeten zur Rettungsstation transportiert werden. Zwei Patienten stellen für die Ärzte vor Ort noch kein Problem dar. Aber die Schiedsrichter haben sich noch mehr einfallen lassen und stellen alle Beteiligten vor neue Herausforderungen. Welche das sind, lesen Sie morgen im zweiten Teil.

von Maximilian  Euler
Ein Soldat liegt am Boden , ein zweiter kniet neben ihm

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