Ich bin iM EINsatz: Am Lenkrad des Dingos

Ich bin iM EINsatz: Am Lenkrad des Dingos

  • Ich bin im Einsatz
  • RSM
Datum:
Ort:
Masar-i Scharif
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Eine Soldatin vor einem Einsatzfahrzeug, im Hintergrund das Marmal-Gebirge Afghanistans

Oberstabsgefreiter Stefanie B. vor ihrem Dingo: Für sie ist es bereits der zweite Einsatz in Afghanistan

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Mein Name ist Stefanie B., ich bin 30 Jahre alt und befinde mich derzeit in meinem zweiten Auslandseinsatz in Afghanistan. In Deutschland werde ich in der 2. Kompanie des Jägerbataillons 1 in Hessen als Kraftfahrerin eingesetzt. Es ist dieselbe Kompanie, in der ich nach der Grundausbildung meine Laufbahn bei der Bundeswehr begonnen habe. Aktuell arbeite ich im multinationalen Force Protection Bataillon, das hier im Camp Marmal als Teil des Train, Advise and Assist Command North der NATONorth Atlantic Treaty Organization stationiert ist. Dort bin ich als Fahrerin in einem Dingo, einem geschützten Fahrzeug, eingesetzt. Ich bin aber auch auf fast allen anderen gepanzerten und geschützten Radfahrzeugen der Bundeswehr ausgebildet. Bereits letztes Jahr war ich in der afghanischen Hauptstadt Kabul als Fahrerin eingesetzt, ich kenne das Einsatzland also bereits ein wenig.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Eine Soldatin sitzt hinter dem Steuer eines geschützten Fahrzeugs des Typs Dingo

Eine Expertin ganz in ihrem Element: Hinter dem Steuer fühlt sich Stefanie B. wohl

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Mein Dingo ist auf Patrouillen als vorderstes Fahrzeug eingesetzt, wenn wir das Camp verlassen. Dies ist eine besondere Verantwortung, denn sollte es einmal ernst werden, sind meine Kameraden und ich ganz vorn mit dabei. Dabei kann ich mich voll und ganz auf meine Fahrzeugbesatzung verlassen, wir sind ein tolles und eingespieltes Team. Geht es „raus“, sind wir alle konzentriert, ebenso können wir aber auch viel miteinander lachen: Das ist mir im Einsatz besonders wichtig.


Ich bin mit Leib und Seele Kraftfahrerin: Es macht mir wirklich Spaß, mit einem Fahrzeug wie dem Dingo neues Gelände zu erkunden und meine Fähigkeiten am Lenkrad zu verbessern. Die Verlässlichkeit des Fahrzeugs und mein Erfahrungsschatz geben mir ein sehr sicheres Gefühl. Bisher habe ich mit dem Dingo fast jedes Hindernis gemeistert und kann voller Stolz feststellen: Ich habe mich noch nie festgefahren!

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein geschütztes Fahrzeug vom Typ Dingo fährt über einen Hügel

Der Dingo ist ein extrem geländegängiges und bewährtes Fahrzeug, das stetig an den Einsatz angepasst wurde

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Was mich hier jeden Tag motiviert, ist die Möglichkeit, mit den Kameradinnen und Kameraden meines Zuges Neues zu erleben und Herausforderungen zu meistern. Die hier gelebte Kameradschaft trägt uns durch jeden einzelnen Tag. Das ist gerade in dieser von COVID-19Coronavirus Disease 2019 geprägten Zeit unglaublich wichtig. Wir sind alle Profis: Gibt es einen Auftrag, setzen wir alles daran, diesen bestmöglich zu meistern. Das geht von mehrtägigen Operationen in unserem Einsatzgebiet bis hin zum Reinigen unseres Dingos. Meine Einsatzerfahrung hat mich bisher eines ganz gewiss gelehrt: Mache aus jedem Tag und jeder Situation, sowohl den guten als auch den schlechten, immer das Beste!

Das vermisse ich hier am meisten.

Eine Soldatin prüft bei geöffneter Motorhaube die Flüssigkeitsstände

Vor der Abfahrt überprüft Stefanie B. Flüssigkeitsstände des Motors

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Es sind sehr einfache und in Deutschland quasi selbstverständliche Dinge, die mir in manchen Momenten fehlen. Wie wohl jeder hier im Camp vermisse ich den persönlichen Kontakt zu meinen Liebsten: meinem Freund, meinem Hund, meiner Familie. Daran kann auch regelmäßiges (Video-)Telefonieren nichts ändern. Besonders vermisse ich auch mein Pflegepferd, mit dem ich in meiner Freizeit viel Zeit verbringe. Duschen ohne die vorgeschriebenen Badeschlappen sowie das eigene Bett, ja, darauf freue ich mich wirklich. Da es hier sehr heiß und trocken ist, freue ich mich besonders auf ein paar Tage an der See bei Meeresluft, genauso freue ich mich auf grüne Wiesen und Wälder – die sucht man hier meist vergeblich.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Das Ende meines zweiten Einsatzes ist in Sicht: Ich wünsche mir von Herzen, dass meine Kameradinnen und Kameraden, seien es die deutschen oder die unserer Partnernationen, wieder sicher und gesund nach Hause kommen. Ich hoffe auch, dass meine beantragte Versetzung ins heimatnahe Augustdorf klappen wird. Ich möchte ein wenig sesshafter werden und eine Familie gründen. Ich hoffe, dass meine Freunde und Familie ebenso gesund bleiben und ich diese endlich bald wiedersehen kann.

von Stefanie  B.

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