Ich bin iM EINsatz: Der Berater des Kommandeurs bei EFP

Ich bin iM EINsatz: Der Berater des Kommandeurs bei EFP

  • Ich bin im Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Zwei Soldaten, einer in deutscher, einer in niederländischer Uniform, unterhalten sich in offenem Gelände

Oberleutnant Philipp M. im Gespräch mit einem niederländischen Kameraden aus seinem Team

Bundeswehr/Sven Fischer

Ich heiße Philipp M., bin 27 Jahre jung und mittlerweile seit gut fünf Monaten in Litauen im Einsatz. Ich bin Nordhesse und wohne in Kassel. Als bekennender Fan von Borussia Dortmund spiele ich auch selber Fußball für meinen nordhessischen Heimatverein. Daneben steige ich auch gerne zu Fuß auf die Berge, wo andere mitunter lieber die Seilbahn oder eine Gondel benutzen.

Seit mittlerweile acht Jahren bin ich bei der Bundeswehr. Verantwortung in jungen Jahren zu übernehmen hat mich von Anfang an gereizt. Seit mehr als drei Jahren bin ich beim Artillerielehrbataillon 345 in Idar-Oberstein, dort begleite ich als Teamleader des Joint Fire Support Teams die Kompaniechefs der Kampftruppen. In Übungsgefechten berate ich sie beim Einsatz von artilleriegebundenen Waffensystemen. Darüber hinaus bin ich ein ausgebildeter Beobachtungsoffizier. Meine persönlichen Fähigkeiten setze ich hier in Litauen das erste Mal im Auslandseinsatz bei der Enhanced Forward Presence Battlegroup ein.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat spricht aus seiner Luke heraus über ein Sprechfunkgerät

Philipp M. in Verbindung mit seinem Team über Funk

Bundeswehr/Sven Fischer

Als Berater befinde ich mich entweder direkt an der Seite des Kommandeurs oder auf dem Gefechtsstand der Battlegroup. Wenn meine Teams in einem Übungsgefecht Unterstützung durch die Artillerie oder durch Kampfflugzeuge benötigen, melden sie sich bei mir. Ich schätze ein, wie dringend sie darauf angewiesen sind. Anschließend teile ich die zur Verfügung stehenden Kapazitäten entsprechend ein und gebe meine Empfehlungen an den Kommandeur weiter. Basierend auf meinen Vorschlägen trifft er die abschließende Entscheidung darüber, welche Wirkmittel wo eingesetzt werden. Erst danach kommen Artillerie oder Kampfflugzeuge zum Einsatz.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Kampfflugzeug dreht am mäßig bewölkten Himmel eine Flugkurve nach links

Gemeinsam mit den Piloten der Baltic Air Policing werden Verfahren für die Vorne-Präsenz der NATONorth Atlantic Treaty Organization in Litauen trainiert

Bundeswehr/Sven Fischer

Das Besondere meines Einsatzes hier in Litauen ist, dass wir unsere Aufgabe gemeinsam mit anderen Nationen wahrnehmen. Durch die enge Zusammenarbeit lerne ich viel dazu. Diese Erfahrung ist für mich neu und ich möchte sie nicht missen. Da das Ganze natürlich in der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Sprache Englisch stattfindet, kann ich auch meine Sprachkenntnisse verbessern.

Ob mit den niederländischen oder den norwegischen Kameraden: Den täglichen Umgang mit ihnen und die Zusammenarbeit empfinde ich als sehr bereichernd. Ich arbeite mit meinem Team eng mit den Piloten der Baltic Air Policing Mission zusammen, die permanent den Luftraum über den baltischen Staaten mit ihren Kampfflugzeugen überwachen. In mehreren Übungen konnten wir die Zusammenarbeit mit den Jetpiloten trainieren und dabei ein gemeinsames Verständnis entwickeln. Das ist eine super Sache!

Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen haben auch meine Arbeit beeinflusst, schon allein dadurch, dass ich in der Zeit des totalen „Lockdowns“ in Rukla nicht das üben und trainieren konnte, was ich mir vorgenommen habe. Ich finde es schade, dass die gesamte Battlegroup nicht an den Großübungen teilnehmen konnte. Aber ich sehe es positiv: Der Umgang mit dieser Situation war eine außergewöhnliche Erfahrung für mich.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ich vermisse meine Freundin, meine Familie und meine Freunde. Deswegen freue ich mich darauf, wieder in meine nordhessische Heimat zurückzukehren und ein bisschen Zeit zu Hause verbringen zu können. Mir fehlt auch der sportliche Wettkampf auf dem Fußballplatz und mein Lieblingsnudelgericht „Penne alla Panna al forno“ von meinem italienischen Lieblingsrestaurant.

Ich finde aber, im Einsatz lernt man vor allem die vielen Kleinigkeiten des Alltags zu schätzen: Freunde treffen, Wasserski fahren, wieder etwas zu kochen, einkaufen gehen zu können und natürlich das eigene Bett.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich hoffe, dass alle mir unterstellten Soldaten heil und gesund aus Litauen in die Heimat zurückkehren. Für die Zeit nach dem Einsatz habe mir einiges vorgenommen. Ich möchte gemeinsam mit meiner Freundin unser Haus mit einem Carport und einer Terrasse verschönern sowie den Keller zu Ende renovieren. Außerdem wäre es schön, wenn ich bald wieder in den Urlaub fliegen könnte, um andere Kulturen und Regionen kennenzulernen.

Zum Schluss möchte ich noch folgende Menschen, die mir besonders am Herzen liegen, grüßen: Zuerst natürlich meine Freundin, dann meine ganze Familie und meine Freunde, meine Fußballkameraden und nicht zuletzt meine Kameradinnen und Kameraden aus meiner Einheit in Idar-Oberstein. Bis bald!

von Philipp M.

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