Ich bin iM EINsatz: Rechtsberatung in der Wüste Malis

Ich bin iM EINsatz: Rechtsberatung in der Wüste Malis

  • Ich bin im Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Auf einem Tisch liegt ein Buch mit der Aufschrift „Soldatengesetz“, im Hintergrund arbeitet ein Soldat am Computer

Für die Truppe gelten dieselben Gesetze und Regelungen wie im Inland, zudem gibt es extra Verhaltensregeln für den Einsatz

Bundeswehr/Uwe Weber

Moin! Ich bin Oberregierungsrat Christoph B. und 41 Jahre alt. Nach meinem Grundwehrdienst 1999 habe ich Jura studiert. Meinen zweiten Berührungspunkt mit der Bundeswehr hatte ich 2015, als ich die Gelegenheit bekam, meinen Beruf bei den Streitkräften auszuüben. Seitdem bin ich in der Rechtspflege der Bundeswehr tätig. Das ist spannend, weil ich hier als Rechtsberater, Wehrdisziplinaranwalt oder auch als Rechtslehrer arbeiten kann. Im Einsatz trage ich eine Uniform und den Dienstgrad Oberstleutnant. Dies ist mein erster Einsatz. Zuvor habe ich bereits Erfahrung als Rechtsberater bei einem Verband der NATO gesammelt, der Very High Readiness Joint Task Force. Des Weiteren war ich als Rechtslehrer in der Feldwebel- und Unteroffizierausbildung in Niedersachsen tätig. Nach meinem Einsatz werde ich meinen Dienst als Rechtsberater und Wehrdisziplinaranwalt in der 1. Panzerdivision in Oldenburg fortsetzen – dort, wo 2015 meine Reise in der Bundeswehr begann.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Zwei Soldaten sitzen sich in einem Büro am Tisch gegenüber

Der Mensch steht im Mittelpunkt: Das direkte Gespräch mit Soldatinnen und Soldaten ist für den Rechtsberater unerlässlich

Bundeswehr/Uwe Weber

Grundsätzlich bin ich für alle Bundeswehreinsätze in Afrika zuständig. Hier in Gao beim 15. Deutschen Einsatzkontingent MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali arbeite ich eng mit der Kontingentführung zusammen. Für manche Rechtsgebiete ist die Verwaltung zuständig, beispielsweise Besoldung, Zulagen oder Statusfragen. In den anderen rechtlichen Angelegenheiten     berate ich die militärischen Entscheidungsträger. Dazu zählt insbesondere die Einhaltung des Bundestagsmandates. Für uns ist es im Auslandseinsatz besonders wichtig, die Regeln zur Anwendung militärischer Gewalt, die „Rules of Engagement“, zu beachten. Daneben haben die Vereinten Nationen einheitliche Verhaltensregeln für die Missionsangehörigen, die eingehalten werden müssen. Beispielsweise bin ich an Missionsplanungen beteiligt, um sicherzustellen, dass die rechtlichen Vorgaben berücksichtigt werden. Durch entsprechende Unterrichte gebe ich unseren Soldatinnen und Soldaten diesbezüglich größtmögliche Handlungssicherheit für den Dienst innerhalb und besonders außerhalb des Feldlagers. Natürlich stehe ich auch rund um die Uhr auf Abruf zur Beratung zur Verfügung, wenn die Situation es erfordert. Das kann dann für mich auch bedeuten, dass ich das Feldlager verlassen muss. Dafür wurde ich vor dem Einsatz wie alle Soldatinnen und Soldaten entsprechend ausgebildet.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat kniet vor einem Geländewagen und lässt roten Sand durch seine Finger rieseln

Ständiger Begleiter: Den roten Sand wird Oberstleutnant Christoph B. zu Hause nicht lange vermissen

Bundeswehr/Uwe Weber

Die Erstberatung in privaten Rechtsangelegenheiten für alle Kontingentangehörigen gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben. Dies liegt mir besonders am Herzen, da ich diesen Fürsorgebeitrag der Bundeswehr wichtig finde. Unsere Frauen und Männer sind im Einsatz von ihrem privaten Umfeld und Familien getrennt. Dort dreht sich die Welt aber immer weiter und es können Situationen entstehen, in denen man auf Rechtsbeistand angewiesen ist. Im Einsatz ist die Möglichkeit, sich von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen, sehr eingeschränkt. Deswegen kann jeder Kontingentangehörige zu mir kommen, wenn sie oder er ein rechtliches Problem im privaten Bereich hat.  

Von Mietrecht über Kaufrecht bis hin zu einer Erbausschlagung war schon alles dabei. Bei mir gibt es eine erste Einschätzung, was zu veranlassen ist, damit zu Hause kein Rechtsverlust eintritt. Den heimischen Rechtsanwalt kann ich natürlich nicht ersetzen. Ich hoffe aber, durch meine Beratung so viel Sicherheit bei den Kameradinnen und Kameraden herstellen zu können, dass diese sich wieder voll und ganz auf ihren Auftrag im Einsatz konzentrieren können. 

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat mit einem Tablet in der Hand in seinem Zimmer, im Hintergrund hängen Bilder seiner Familie an der Wand

Seine freie Zeit nutzt Oberstleutnant Christoph B. gern, um mit seiner Familie per Videotelefonie in Verbindung zu bleiben

Bundeswehr/Uwe Weber

Am meisten vermisse ich hier meine drei Mädels, also meine Frau und meine zwei Töchter. Die tägliche Videotelefonie hilft, ist aber natürlich kein Ersatz. Ebenso fehlt es mir, mich mit Freunden zu treffen, dabei einfach mal den Grill anzuschmeißen und Fußball zu gucken. All das werde ich zu Hause nachholen, wenn es die Situation wieder zulässt. Nach dem ganzen roten Sand hier vor Ort steht aber erstmal ein langer Spaziergang im Grünen an.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich grüße meine Familie und Freunde und freue mich darauf, sie schon bald wieder zu sehen. Außerdem grüße ich ganz herzlich die lieben Kolleginnen und Kollegen der Rechtspflege der Bundeswehr. Wer von euch seinen Einsatz noch vor sich hat: Freut euch drauf. Es ist wirklich eine tolle Zeit und eine sehr gute Erfahrung! Gerade hier im Einsatz erfährt man eine enorme Kameradschaft, alle arbeiten eng und dienstgradübergreifend zusammen. 


von Christoph B.

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