MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali: Drohnenabwehr mit Effektor

MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali: Drohnenabwehr mit Effektor

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Ob Onlineversandhandel oder Lieferservice für das Mittagessen – schon heute werden Drohnen zum Transport von Waren eingesetzt. Im Einsatz jedoch können Drohnen zur echten Gefahr werden, denn sie kommen hier nicht nur zum Ausspähen oder zur Aufklärung zum Einsatz. Gegnerische Kräfte können die handelsüblichen, sehr leistungsfähigen Systeme nutzen, um beispielsweise Sprengsätze zu transportieren – ein potenzielles Anschlagsrisiko.

Ein Soldat hat ein rohrähnliches Gestell auf den Schultern

Der HP-47 Effektor wiegt rund 14 Kilogramm und wird von einer Person bedient

Bundeswehr/Eric Gusenburger

Im Camp Castor bilden Sensoren und Kameras ein komplexes Überwachungssystem, das die Camp-Sicherung über die Operationszentrale frühzeitig warnt.
Im Falle eines Eindringens oder der Annäherung einer Drohne werden zugleich die Kameradinnen und Kameraden der Drohnenabwehr alarmiert. Gemeinsam mit den Sicherungskräften des Camps und anderen Spezialisten wird die Jagd auf den Eindringling aus der Luft eröffnet. Doch wie können die agilen kleinen und schnellen Drohnen wirksam bekämpft werden? Zu diesem Zweck ist der HP-47 Effektor-Abwehrstörsender im Einsatz bei MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali. Er wurde Ende 2018 unter anderem für die Bundeswehr im nordafrikanischen Missionsgebiet beschafft.


Für ein umfassendes Schutzschild: Schnelle Aufklärung und Abwehr von kleinen Drohnen sind Bestandteil der Sicherung im Einsatz


Ein Soldat entnimmt ein sandfarbenes kanonenähnliches Gerät aus einer Transportbox

Praktisch: Mit nur einem Handgriff wird der Effektor der Aufbewahrungsbox entnommen

Bundeswehr/Eric Gusenburger

Oberstabsgefreiter Patrick D. ist als Bediener für den tragbaren Jammer HP 47+ ausgebildet. Mit wenigen Handgriffen ist das sandfarbene kanonenartige Gestell einsatzbereit und geschultert. „Statt Geschossen verschießt die Schutzausstattung zur Drohnenabwehr unsichtbare Störsignale“, erklärt Patrick D. „Diese Störsignale unterbrechen unter anderem die Funksignale zur Fernsteuerung sowie die Übertragungssignale für eine Bildübertragung per Video oder Fotokamera.“ Somit werden anfliegende Drohnen gestoppt und können kontrolliert zur Landung gezwungen werden.

Über die Visiereinrichtung peilt der Abwehrspezialist die Drohne im schnellen Vorbeiflug an. Oberstabsgefreiter Patrick D. muss sich konzentrieren, denn mit bloßem Auge ist die Drohne kaum zu erkennen. Die Größe, Signatur und die Geschwindigkeit des Fluggerätes tun ihr Übriges. Per Knopfdruck sendet Patrick D. wiederholt Störsignale in Richtung des surrenden Störenfrieds. Plötzlich taumelt die Drohne und verharrt wie mit einem unsichtbaren Seil gefangen fast regungslos in der Luft. „Hab ich dich!“, freut sich der 25-jährige Oberstabsgefreite, der bereits viel Erfahrung im Handling mit dem HP-47 hat.

Ein Soldat schaut durch die Visiereinrichtung eines tragbaren Jammer

Das Handling des Abwehrstörsenders ist leicht verständlich: Batterie rein, anschalten und über die Schulter in Anschlag gehen

Bundeswehr/ Eric Gusenburger

Zum Landen gezwungen

Blick durch eine Zielvorrichtung auf ein Flugobjekt

Mit der Visiereinrichtung kann das Flugobjekt angepeilt und verfolgt werden

Bundeswehr/Eric Gusenburger

Die Störsignale des Jammers haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Der Drohnenbediener hat nun keine Steuerungsmöglichkeit mehr über sein Fluggerät. Kamerasignale, die über Funk kilometerweit übertragen werden können, sind ebenfalls unterbrochen. Dem Bediener der Drohne bleibt nichts als ein schwarzer Bildschirm. Je nach Lage und Situation können nun weitere Schritte in der Bekämpfung des schwebenden Eindringlings getroffen werden.  

In diesem Fall heißt es abwarten bis die „gefangene“ Drohne nach wenigen Minuten aufgrund der nachlassenden Akkuleistung erschöpft und zur Landung gezwungen ist. Am Boden angekommen, schaltet sie sich kurzerhand aus. Turnusmäßig werden die Soldatinnen und Soldaten, die zur Sicherung auf den Wachtürmen und Posten eingesetzt sind, an dem Gerät ausgebildet. Auf diese Weise ist praktisch jeder Sicherungssoldat in der Lage, zur Drohnenabwehr mit dem HP-47 Effektor eingesetzt zu werden.

Rund um die Uhr im Einsatz

Ein Soldat blickt in eine aufgeräumte geöffnete Transportbox

Aufgeräumt und soldatensicher: In der Transportbox hat alles übersichtlich seinen Platz

Bundeswehr/Eric Gusenburger

Oberstabsgefreiter Patrick D. aus Todendorf in Schleswig-Holstein ist stolz auf den gemeinsamen Einsatz mit seinen Team-Kameraden der Luftwaffe. Er ist neben der Abwehr von Drohnen auch ausgebildeter Bediener der kleinen handelsüblichen Fluggeräte. Die Flugabwehrraketengruppe 61, sein Heimatverband, ist seit 2018 der niederländischen Luftverteidigung unterstellt. Ein Hauptwaffensystem des multinationalen Verbandes ist das Flugabwehrsystem MANTISModular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System. Hier im Camp Castor in Gao warnen ebenfalls seit Anfang 2018 die Radaranlagen des MANTISModular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System-Systems das Feldlager vor Raketen, Artillerie- und Mörserangriffen.  

„Wir sind hier als Flugabwehrsoldaten der Drohnenabwehr bei MANTISModular, Automatic and Network capable Targeting and Interception System unterstellt“, erklärt der Norddeutsche. „Und dieser wiederum gehört zur Force Protection Kompanie. Unser Auftrag ist es, rund um die Uhr und sieben Tage die Woche für die Kameradinnen und Kameraden im Lager in Drohnen-Abwehrbereitschaft zu sein.“ Somit ist das Wüstenlager mitsamt seinen Bewohnerinnen und Bewohnern wie unter einem gespannten Schutzschild rund um die Uhr gut behütet.

Ein Soldat zieht einen sandfarbenen Rollkoffer hinter sich her

Mit rund 28 Kilogramm lässt sich der robuste Koffer auf Rollen schnell transportieren

Bundeswehr/Eric Gusenburger
von Eric Gusenburger

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