Gebirgsjäger in Mali

Gebirgsjäger in Mali

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

Ich bin Hauptgefreiter Tim H. Als ich 2019 meinen Dienst bei der Bundeswehr antrat, ahnte ich nicht, wie schnell alles gehen kann: Nun bin ich hier in Mali im Einsatz. Die Bundeswehr hat mich schon immer interessiert, nicht zuletzt aufgrund der Geschichten von Bekannten, die Soldat waren oder sind. Die Erzählungen über Kameradschaft haben mich begeistert, die Vielseitigkeit des Berufes hat mich überzeugt, aber definitiv gefangen haben mich die Nähe zur Natur und die körperlichen Herausforderungen bei den Gebirgsjägern.

Abwechslung statt Alltagstrott

Ein Soldat steht in vollem Kampfanzug neben einem Transportpanzer Fuchs in der Wüste Malis

In der Wüste Malis unterwegs: Die Patrouillen führen die Gebirgsjäger in Ortschaften und in unwegsames Gelände

Bundeswehr/PAO MINUSMA

Ich habe mir immer gewünscht, nicht in eine Alltagsroutine zu kommen, bei der jeder Tag gleich aussieht. Bei meiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat mir genau diese Abwechslung gefehlt. Nach einem Besuch im Karrierecenter der Bundeswehr in Stuttgart habe ich mich für die Bundeswehr entschieden. Meine Grundausbildung habe ich bei den Gebirgsjägern in Bayern gemacht, für mich die beste Entscheidung. Meine Familie und meine Freundin haben mich in meiner Entscheidung bestärkt und unterstützen mich, sie sehen mich ebenfalls weniger im adretten Anzug eines Bankkaufmanns. Mittlerweile bin ich als Hauptgefreiter mit meiner Kompanie aus Bad Reichenhall im Einsatz in Mali.

Gut vorbereitet in den Einsatz

Ein Soldat hält ein Tablet in der Hand. Auf dem Bildschirm steht auf der Website der Bundeswehr: „Ich bin im Einsatz in Mali.“

Auf dem aktuellsten Stand: Authentische Eindrücke über den Einsatz findet Tim H. im Internet und durch persönlichen Austausch

Bundeswehr/Uwe Weber

Natürlich habe ich mich vorab gut informiert und viele Gespräche mit Kameradinnen und Kameraden geführt. Auf diese Weise habe ich einiges über die Vorbereitung und Einsatzrealität erfahren können. Durchaus anspruchsvoll waren die einsatzvorbereitenden Ausbildungen und die Übungen im Gefechtsübungszentrum. Dort wurden wir auf unterschiedlichste Szenarien vorbereitet.
Die größte Herausforderung ist für mich tatsächlich die Trennung von zu Hause und meiner Freundin, darauf kann man sich nicht so richtig vorbereiten. Gerade in der jetzigen Pandemielage ist es besonders schwer, nicht für meine Familie da sein zu können.

Aus Kameraden werden Freunde

Zwei bewaffnete Soldaten gehen eine Straße entlang

Immer im Team: Die beiden Hauptgefreiten kennen sich seit der Grundausbildung. Im Einsatz sind sie als MG-Trupp unterwegs

Bundeswehr/Uwe Weber

Ich bin als zweiter Mann des MG-Trupps im Einsatz. Mit vier Kameraden aus der Grundausbildung bin ich in den Alpha-Zug der 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillon 231 gekommen und jetzt sind wir zusammen im Einsatz. Innerhalb kurzer Zeit wurden wir fit für diesen Einsatz gemacht, dabei profitierten wir von unseren erfahreneren Kameraden und Vorgesetzten. Das war anstrengend, aber ich habe einen guten Kameraden, einen Freund, mit dem ich seit Tag eins im Zug und im Einsatz bin. Wir sind hier als MG-Trupp ständig gemeinsam unterwegs und teilen alle Entbehrungen. Ich erlebe eine besondere Kameradschaft unter Vorgesetzten, Kameradinnen und Kameraden sowie unter meinen neuen Freunden.

Ein langer Tag beginnt

Ein Soldat steht auf einem Fahrzeug und reinigt die optischen Geräte mit einem Lappen

Die Materialpflege ist wichtig, sowohl vor als auch nach jedem Einsatz. Nur so bleibt die Ausrüstung stets einsatzbereit

Bundeswehr/Uwe Weber

Zurzeit sind wir als Force Protection-Zug eingeteilt, das heißt, wir sorgen mit unseren Patrouillen rund um das Camp für Sicherheit oder begleiten andere Kräfte bei ihren Missionen. In der Regel beginnt mein Tag um sechs Uhr früh, dann heißt es fertigmachen und frühstücken.

Im Gefechtsdienstanzug gehen wir zusammen mit den Waffenbedienern und Fahrern zu den Fahrzeugen, die wir am Vorabend vorbereitet haben. Wir sorgen dafür, dass alles einsatzbereit ist, stellen letzte Mängel ab, kontrollieren die Ausrüstung, die Waffen und Funkgeräte. Dann verstauen wir die für den Tag benötigte Ausrüstung und Verpflegung und fahren mit unseren Fahrzeugen im befohlenen Marschband, also in richtiger Reihenfolge, auf. Im Anschluss bekommt mein Gruppenführer letzte Anweisungen.

Auf Patrouille in Gao

Im Vordergrund ein Soldat, im Hintergrund ein weiterer Soldat, der einer Frau mit dem Arm eine Richtung weist

Hauptgefreiter Tim H. in Gao. Die Soldaten erklären der Bevölkerung ihren Auftrag und sorgen mit ihrer Präsenz für Sicherheit

Bundeswehr/Uwe Weber

Unser heutiger Auftrag führt uns nach Gao für eine Patrouille zu Fuß. Wir fahren zunächst in die Stadt zu einem Absetzpunkt. Dort sitzen wir ab, kontrollieren die Fahrzeuge und die Umgebung und starten die Patrouille. Mit dabei ist ein Sprachmittler, der die Sprache der Einheimischen spricht, er erhält wichtige Informationen. Wir sind dafür da, ihm den Rücken freizuhalten. Das bedeutet für uns volle Konzentration, jeder hat seinen speziellen Auftrag. Meine Aufgabe ist es, während der Patrouille einen bestimmten Bereich im Blick zu behalten, dabei arbeite ich eng mit dem MG-Schützen zusammen. Hin und wieder kommen die Menschen auch auf uns zu, zum Glück spreche ich Französisch.
Wir sind hier vielen Eindrücken ausgesetzt, angefangen bei den Gerüchen und den Lebensumständen, die wir hautnah miterleben. Nachdem wir unsere geplante Strecke marschiert sind, geht es zurück ins Camp Castor.

Rückkehr ins Camp

Drei Soldaten sitzen auf Bänken an einem Tisch und sprechen miteinander

Wichtig sind für den Hauptgefreiten Tim H. die Gespräche mit seinen Kameraden nach den Einsätzen

Bundeswehr/Uwe Weber

Nachdem wir die Fahrzeuge im Camp abgestellt haben, ist das erste Mal Zeit, kurz durchzuatmen. Aber nach der Patrouille ist vor der Patrouille: Das Fahrzeug und die Ausrüstung müssen nach- und wieder vorbereitet werden. Auf dem Chalet angekommen, kümmern wir uns um unsere persönliche Ausrüstung, beispielsweise die Schutzwesten und Rucksäcke.

Schließlich setzen wir uns zusammen und besprechen den Tag. Dabei geht es nicht nur um die Informationen, die wir für unseren Zugführer zusammentragen haben, sondern auch um den Austausch des Erlebten. Jeder nimmt eine Patrouille aus einem anderen Blickwinkel wahr. Unter dem Strich nehme ich den deutschen Lebensstandard nicht mehr als grundsätzlich gegeben hin, sondern weiß, wie gut wir es zu Hause haben. Schließlich gibt es Essen und ich freue mich auf das Highlight des Tages: das Telefonat mit meiner Freundin und der Familie.

von Tim H.

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