MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali Challenge

Innere Führung im Einsatz sichtbar gemacht

Innere Führung im Einsatz sichtbar gemacht

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
5 MIN

Zu Beginn seiner Zeit als Kommandeur beim 19. und 20. deutschen Einsatzkontingent MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali sagte Oberst Peter Küpper zu seinen Soldatinnen und Soldaten, dass ihm die Bewertung der Vorgesetzten durch ihre Untergebenen fehle – diese sei wichtiger als die von den Vorgesetzten.

Ein Soldat am Rednerpult spricht zu weiteren Soldatinnen und Soldaten

Oberst Peter Küpper spricht kurz vor der Preisverleihung zum Kontingent

Bundeswehr/Falk Bärwald

Als der Inspekteur des Heeres Generalleutnant Alfons Mais zum zweiten Mal zur „InFü-Challenge“ mit einem Tagesbefehl im Heer aufrief, nahm die Idee in Mali schnell Fahrt auf, diese auch im 20. deutschen Einsatzkontingent MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali durchzuführen. Aber mit einem entscheidenden Unterschied: Die Teilnahme an der „Innere Führung – MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali Challenge“ sollte nicht nur für Angehörige des Heeres, sondern für alle Kontingentangehörigen möglich sein. Nirgendwo sonst arbeiten die Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche so eng und effizient zusammen wie in den Einsätzen der Bundeswehr. 

„Ich bin fest davon überzeugt, dass über die Grenzen der Organisationsbereiche hinweg hier im Einsatzland viele Kameradinnen und Kameraden tagtäglich beispielgebend mit guter Führung und treuem Dienst vorangehen und die Inhalte der Inneren Führung proaktiv nach außen tragen“, unterstrich Oberst Peter Küpper seinen Tagesbefehl. Mit dem Befehl und einem Plakat rief die Kontingentführung die Soldatinnen und Soldaten dazu auf, Vorschläge für diese Challenge abzugeben. Es sollten beispielgebendes Verhalten sowie Initiativen vorgeschlagen werden, um diese in einer Einzel- und einer Gruppenwertung auszuzeichnen. 

Binnen weniger Wochen wurden 38 Einzel- und Gruppenvorschläge eingereicht. Keine leichte Entscheidung: Eine Jury um den Kontingentführer bewertete die Vorschläge. „Leider konnte ich nicht alle auszeichnen, obwohl sie es alle verdient hätten“, sagte Oberst Peter Küpper bei der Verleihung der Preise während einer Veranstaltung des deutschen Einsatzkontingentes in Gao.

„Pit stop“ – Spenden sammeln für verstorbene Kameraden

Soldaten reinigen eine Scheibe

Die Soldaten vom „Pit stop“ reinigen gegen eine Spende die Scheiben eines Bundeswehrfahrzeuges

Bundeswehr/Falk Bärwald

Tod und Verwundung sind Gefahren, die zum Soldatenberuf gehören. „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.„ Schon als Rekrut ist dieses höchste Opfer, welches eine Soldatin und ein Soldat erbringen kann, stets präsent. Daher ist es nicht verwunderlich, dass solche Ereignisse die Truppe tief berühren. Als beispielsweise ein Heeresbergführer bei einer Übung in den Alpen tödlich verunglückte und einige Zeit später ein Soldat während seines Einsatzes in Mali verstarb, war die Hilfs- und Spendenbereitschaft im 20. Deutschen Einsatzkontingent MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali groß.

Verschiedenste Initiativen riefen zu Spenden für die Angehörigen auf. Unter anderem der Trupp vom „Pit stop“ in Gao. Sie boten gegen eine Spende die Reinigung von Fahrzeugscheiben an. Ganz im Sinne der Inneren Führung engagierten sie sich kameradschaftlich und solidarisch für die Angehörigen der verstorbenen Kameraden. Kameradschaft und Hilfsbereitschaft sind wesentliche Bausteine, auf welche die Bundeswehr ihre Leistungsfähigkeit aufbaut und auf die sie sich verlassen kann. „Keiner ist alleine, wenn er Hilfe braucht!“, so der Kontingentführer bei einer Rede zu den Soldatinnen und Soldaten des Einsatzkontingentes MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali

Hohe Einsatzbereitschaft dank eines Möglichmachers

Ein Gabelstapler positioniert eine Klimaanlage in einem Container. Ein Soldat weist den Fahrer ein.

Die Klimaanlage am Container wird bei über 40 Grad in der prallen Sonne ausgetauscht

Bundeswehr/Falk Bärwald

Es gibt Dinge, die, wenn sie nicht funktionieren, große Auswirkungen haben. Im Einsatz in Mali sind es oft kleine Defekte und Probleme, die innerhalb kürzester Zeit zu operativen Einschränkungen führen könnten. Eine defekte Klimaanlage klingt im ersten Moment nicht so herausfordernd, aber bei 140 Tagen im Jahr mit Temperaturen über 40 Grad hat eine kaputte Klimaanlage schnell unangenehme Konsequenzen: den Ausfall eines Fahrzeuges, einer Fähigkeit und dadurch möglicherweise die Einschränkung der operativen Tätigkeiten. 

Als Teil der Gemeinschaft trägt jeder und jede im Kontingent oder in den verschiedenen Bereichen der Bundeswehr etwas zum gesamten Auftrag bei. So wie Oberfeldwebel Jimmy D. , er ist als Klimafeldwebel mitverantwortlich für die Reparatur, Wartung und den Austausch von Klimaanlagen. Er weiß: Wenn bei der Sanitätsstaffel die Klimaanlage streikt, ist es nahezu unmöglich, Patienten zu behandeln. In diesem Bewusstsein hat er stets im Sinne des Auftrages gehandelt und seine persönlichen Interessen hintenangestellt. Durch sein lösungsorientiertes Engagement konnten bereits mehrfach Defekte schnell behoben und der Ausfall einer Fähigkeit verhindert werden. Oberfeldwebel Jimmy D. hat beinahe unmögliche Dinge möglich gemacht. Da solche Arbeiten immer Teamleistungen sind, hat er neben seiner fachlichen Expertise auch das richtige Geschick, die Kameradinnen und Kameraden sowie die zivilen Techniker zu motivieren.

Der Zugführer – mit Beispiel voran

Soldaten bei der Befehlsausgabe

Letzte Anweisungen vom Zugführer Hauptfeldwebel G. Im Anschluss kann es dann losgehen.

Bundeswehr/Falk Bärwald

Bei seiner Auszeichnung war der Zugführer Hauptfeldwebel Patrick G. nicht persönlich dabei. Zu diesem Zeitpunkt führte er mit Teilen seines Zuges einen Sicherungsauftrag durch, was das Selbstverständnis dieses militärischen Führers zeigt. Das Führen, die Präsenz für die ihm anvertrauten Soldatinnen und Soldaten, die gelebte Fürsorge und Vorbildfunktion sind beispielgebend. Der Zugführer stellt seine persönlichen Interessen für die ihm anvertrauten Soldatinnen und Soldaten für den Auftrag hinten an. In einem Einsatz von mehreren Monaten besteht die Herausforderung darin, den Spagat zwischen Auftragserfüllung und Leistungsfähigkeit der Untergebenen zu meistern.

Nicht jeder militärische Führer ist in der Lage, auch gegenüber der Führung anzuzeigen, dass ein Auftrag nicht durchführbar ist oder die Erfüllung bestimmte Konsequenzen haben wird. Es ist kurzfristig eventuell unangenehm, dies aufzuzeigen, aber genau das sind die Entscheidungen und Taten, die den Unterschied ausmachen. Ein militärischer Führer muss gewissenhaft seinen Auftrag durchführen, aber immer verantwortungsbewusst – insbesondere gegenüber den ihm anvertrauten Soldatinnen und Soldaten – handeln. Vor allem im Einsatz funktioniert nur das Miteinander und kein Nebeneinander. Das gegenseitige Vertrauen kann im Einsatz über Leben und Tod entscheiden. Es gibt daher kein größeres Lob und keinen größeren Vertrauensbeweis für einen militärischen Führer als das, was ein Soldat über diesen Zugführer schrieb: „Mit ihm würde ich jederzeit in jeden Einsatz gehen!“  

Eine Ehre und Freude

Die „Innere Führung – MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali Challenge“ im 20. Deutschen Einsatzkontingent MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali hat es ermöglicht, Leistungsträger zu würdigen. Sie wurden sichtbar gemacht durch Vorschläge von Kameradinnen und Kameraden, aber insbesondere durch Untergebene, durch eine Bewertung von unten nach oben. Nicht nur die operativen Kräfte außerhalb des Camps, sondern auch viele Unterstützungsleister und „Möglichmacher“ leben die soldatischen Tugenden wie Tapferkeit, Treue, Disziplin, Kameradschaft, Fürsorge und Opferbereitschaft tagtäglich vorbildlich vor. 
Oberst Peter Küpper sagte dazu: „Es ist mir eine Ehre und Freude, solche Soldatinnen und Soldaten führen zu dürfen.“

von Michael Walbeck

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